Für die Leber sind diese Medikamente Gift


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Eigentlich sollen Medikamente Krankheitssymptome lindern. Aber mitunter können sie auch unseren Körper, besonders die Leber, stark belasten. Die Leber ist ein wichtiges Filterorgan, durch das die Wirkstoffe geschleust werden. Ein Leberexperte beantwortet Fragen, wie riskant für unsere Leber welche Medikamente sind.

Der Experte Dr. Anton Gillessen (Klinik für Innere Medizin des Herz-Jesu-Krankenhauses, Münster) sagt, dass von den ca. 40.000 gelisteten Medikamenten etwa 80 % die Leberwerte erhöhen können. Da die Leber grundsätzlich ein sehr regenerationsfähiges Organ ist, ist es nicht so schlimm. Zwar erhöhen sich kurzzeitig bei der Medikamenteneinnahme die Leberwerte, es folgt aber nicht automatisch eine dauerhafte Schädigung.

Für die Leber werde es erst dann kritisch, wenn über längere Zeit und unkontrolliert, ohne mit dem Arzt abzusprechen, die Arznei eingenommen würde. Auch wenn mehrere Medikamente zugleich kombiniert eingenommen werden, summieren sich die kritischen Wirkstoffe und es ist noch gefährlicher, weil die Werte schnell ihre Grenzen erreichen. Probleme können besonders die Menschen bekommen, die bereits eine geschädigte Leber oder eine Fettlebererkrankung infolge Übergewichts haben.

Langfristige Leberschäden, ausgelöst durch Toxine (Medikamente, Alkohol, pflanzliche Mittel), kommen bei einem von 10.000 Betroffenen laut Untersuchungen vor. Obwohl es wenig klingt, ist die Dunkelziffer erheblich größer, da es an verlässlichen Daten mangelt, so Gillessen.

Laut Gillessen sind es vor allem die freiverkäuflichen Medikamente, die zum Risiko für viele Menschen werden. Dabei sind die Schmerzmittel das größte Problem, beispielsweise mit den Wirkstoffen Paracetamol, Diclofenac und Ibuprofen. Gift für die Leber sei besonders Paracetamol, so der Experte.

Untersuchungen hätten gezeigt, dass es zu dauerhaften Leberschäden bereits bei 7 Gramm des Wirkstoffes kommen kann (ca. 14 Tabletten). Wird innerhalb kurzer Zeit diese Menge eingenommen, kann es zu einem Leberschaden kommen, besonders wenn die Leber bereits geschädigt ist.

Vor einer unkontrollierten Schmerzmittel-Einnahme warnt ebenfalls die „Deutsche Leberhilfe“: So kann eine zu hohe Dosierung gefährlich sein. Gerade bei Arzneimitteln gegen Schmerzen ist die Dosis Gift. Paracetamol ist dafür ein Musterbeispiel. Es ist in einer normalen Dosierung gut verträglich, aber eine Überdosierung führt zu einem brandgefährlichen Leberkiller.

Hinzu kommen häufig die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Naturheilmitteln, die von den Patienten gleichzeitig eingenommen werden, so Ingo van Thiel von der „Deutschen Leberhilfe“. Außerdem können viele Schmerzmittel außer der Leber auch den Magen, das Herz und die Nieren angreifen.

Besonders Menschen mit einer Lebererkrankung sollten erst ihren Arzt befragen, bevor sie Schmerzmittel einnehmen. Nur ein Arzt kann das Leber-Risiko anhand der Auflistung aller Arzneimittel, die der Patient einnimmt, richtig einschätzen. In die Auflistung gehören auch homöopathische Wirkstoffe und Nahrungsergänzungsmittel, sagt Gillessen.

Ein weiteres großes Problem sei, so der Experte, dass von vielen Patienten so manche Einnahmen verschwiegen werden. Ein ehrliches Gespräch mit dem behandelnden Arzt kann leberrettend sein. Besondere Vorsicht sei geboten von Nahrungsergänzungsmitteln, die aus dem Internet bezogen würden und nicht aus der Apotheke. Hier wisse niemand genau über die Inhaltsstoffe Bescheid.

Der Alkohol stellt für die Leber eine weitere Gefahr dar. Gillessen warnt: „Die Leber muss den Alkohol wieder abbauen und wird dadurch stark belastet. Auf Alkohol sollte der Patient unbedingt verzichten, wenn bei ihm eine Leberkrankheit vorliegt, er eine Schmerztherapie absolviert oder eine Antibiotika-Behandlung stattfindet. Nur so kann die Leber geschont werden“.

Das Tückische ist, ein Schaden an der Leber wird oft nicht erkannt, denn sie leidet stumm. Man spürt keine Schmerzen, vielleicht eher über Symptome, die unspezifisch sind. Auf häufigsten treten große Müdigkeit, Abgeschlagenheit und ein Leistungsknick auf. Im rechten Oberbauch kann auch gelegentlich ein Druck auftreten. Ein Zeichen von schwerer Leberschädigung ist die Gelbsucht.

Wer freiverkäufliche Arzneimittel wegen Schmerzen ohne eine Arztkonsultation einnimmt, dem wird geraten, diese nur kurz und in niedriger Dosis einzunehmen. Tritt nach einigen Tagen keine Linderung ein, sollte unbedingt der Hausarzt aufgesucht werden.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 08.01.2017 - 14:37 Uhr
Kategorie: Medikamententester News

 

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