Wirken neue Medikamente besser?


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Die Krankenkassen zeigen in einer aktuellen Untersuchung auf, dass von neuen Präparaten nur die wenigsten auch eine bessere Wirkung zeigen. Hier wird erklärt, weshalb sie trotzdem eine Zulassung erhalten haben und wie sich der Patient vor Arzneimittelfehlern schützen kann.

Neu eingeführte Arzneimittel werden oft beworben mit Formulierungen wie beispielsweise „noch verträglicher“ oder „verbesserte Mixtur“. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit nur bei wenigen neuen Medikamenten um eine reale Verbesserung. Das zeigt der Zwischenbericht, in dem die gesetzlichen Krankenkassen seit nunmehr fünf Jahren die neu auf den Markt gekommenen Medikamente auf ihre Kosten und ihren Nutzen untersuchen. Jedes dritte neue Medikament hat demnach für den Patienten keinen Zusatznutzen. Für einen Teil der Kranken habe ein weiteres Drittel einen zusätzlichen Nutzen und nur der Rest bringt für alle Betroffenen klare Verbesserungen. Zur Auswertung kamen 129 Arzneimittel, für die zwischen Pharmaherstellern und Krankenkassen seit dem Jahre 2012 Preisverhandlungen geführt wurden. Es hieß, dass davon ein großer Teil für die Behandlungen von Infektionskrankheiten wie Hepatitis, Krebserkrankungen oder für Stoffwechselkrankheiten, wie beispielsweise Diabetes bestimmt sei. Seit der Arzneimittelreform 2011 sind die Nutzenbewertung und Preisverhandlungen verpflichtend. Sie sollen die Ausgaben für Arzneimittel in Grenzen halten.

In Deutschland sind insgesamt über 100 000 rezeptpflichtige und -freie Medikamente erhältlich. Mehrere Hundert Präparate kommen jedes Jahr zusätzlich neu dazu. Über ihre Zulassung muss das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte entscheiden und für eine europaweite Zulassung ist die Europäische Arzneimittelagentur Ema zuständig. Die Hersteller müssen zunächst den Behörden nachweisen, dass ihr neues Medikament wirksam und unbedenklich für den Patienten ist. Im Klartext: Die positiven Wirkungen müssen die Nebenwirkungen überwiegen. Dies wird von der Stiftung Warentest so formuliert: „Nachweislich wirkt ein Krebsmedikament, als Nebenwirkung treten aber leichte Hautprobleme auf. Hier übertrifft also der Nutzen die Nebenwirkung.“ Wenn aber diese gleiche Nebenwirkung bei Hustensaft erscheinen würde, wäre es unzulässig.

Diese Prüfverfahren werden von der Stiftung Warentest schon seit einiger Zeit kritisiert. Der Pharmazeut Gerd Glaeske (Universität Bremen), unabhängiger Fachmann der Stiftung Warentest meint, dass die Medikamente, die neu zugelassen werden, außer Symptome zu lindern auch für den Patienten einen praktischen Nutzen haben sollten. Demnach sollten Mittel gegen Bluthochdruck nicht nur den Blutdruck senken, sondern bei dem Patienten auch noch die Lebensqualität verbessern und das Sterberisiko senken. Er sagt weiter, dass diese beiden Gesichtspunkte in den Zulassungsstudien der Pharmafirmen nicht immer in Betracht gezogen werden. Für den Patienten seien sie aber sehr relevant. Da die Laufzeit vieler Wirksamkeitsstudien der Pharmafirmen oft nur ein Jahr lang laufen, können Nebenwirkungen nach längerer Einnahme nicht erkannt werden. Muss der Patient mehrere Medikamente einnehmen, besteht die Gefahr von gefährlichen Mixturen und vielfältigen Wechselwirkungen. Hier hilft ein Medikationsplan, auf den alle Kassenpatienten ein Anrecht haben, sofern sie mindestens 3 rezeptpflichtige Arzneimittel einnehmen müssen. In dem Plan sind alle Arzneimittel, auch die rezeptfreien, namentlich einschließlich ihrer Dosierung aufgeführt.

Älteren Patienten machen manche Mittel besonders zu schaffen. Hier hilft die sogenannte Priscus-Liste: In ihr werden 83 Wirkstoffe aufgelistet, die riskant für über 65jährige sind. Hierbei handelt es sich um Erkrankungen wie Diabetes, Arthritis oder Herz-Kreislaufprobleme. Für Ärzte und Apotheker ist die Priscus-Liste nicht verpflichtend und soll nur als Warnhinweis dienen. Stellt ein Patient fest, dass er ein Medikament aus der Priscus-Liste verordnet bekommen hat, sollte er nicht eigenmächtig das Mittel absetzen. Es muss nicht automatisch schädlich sein, individuell könnte es unerläßlich sein. Der Arzt ist zu konsultieren. Außerdem werden von älteren Menschen Medikamente oft schlechter vertragen, als es bei jüngeren der Fall ist. Der Grund liegt darin, dass sich mit den Jahren der Körper verändert und Arzneimittel anders, meist stärker, wirken. Die europäischen Arzneimittelbehörden bitten die Patienten, Nebenwirkungen eines Medikaments unbedingt zu melden. Seit 2012 besteht die Möglichkeit dazu. Ansprechpartner für Deutschland sind das Paul-Ehrlich-Institut, sowie das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Wie tauglich sind Generika?

Generika sind günstige Nachahmerpräparate, aber sind sie auch gesund? Generika enthalten dieselben Wirkstoffe wie die Originalprodukte. In Deutschland sind über 75 % aller verordneten Arzneimittel davon betroffen. Da sie im Preis viel günstiger als im Original sind, können Krankenkassen und Patienten viel Geld sparen. Die Krankenkassen schließen deshalb Rabattverträge mit den Pharmafirmen ab, die meist zwei Jahre Laufzeit haben. Deshalb bekommen die Patienten nur entsprechende Medikamente. Dieser Austausch ist laut Stiftung Warentest meist nicht problematisch. Es gibt allerdings Ausnahmen. Einen Austausch halten Verbraucherschützer dann für gefährlich, wenn die Wirkung eines Arzneimittels durch kleine Dosis-korrekturen deutlich verändert wird oder ernste Nebenwirkungen erzeugen. Daher sind seit 2014 alle Medikamente vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) aufgelistet worden, die die Apotheke nicht austauschen darf.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 10.02.2017 - 16:04 Uhr
Kategorie: Medikamententester News

 

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