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Ab sofort ist die „Pille danach“ ohne Rezept erhältlich


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Die „Pille danach“ ist eine Notfallverhütung und war in Deutschland bisher nur mit einem ärztlichen Rezept erhältlich. Das hat sich ab sofort geändert, Frauen können sie jetzt in der Apotheke ohne Rezept bekommen. Die Apotheken sind nun in der Pflicht, die Frauen zu beraten, die eine Schwangerschaft nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr verhindern wollen. Hier heißt es schnell zu reagieren: Denn je eher die „Pille danach“ angewendet wird, desto besser sind die Aussichten auf eine erfolgreiche Wirkung.

Im letzten Jahr gab Annette Schwarzer aus der Postapotheke in Brilon 25 derartige Pillen auf Rezept aus. Gerade sehr junge Mädchen haben große Hemmungen, einen Arzt aufzusuchen. Deshalb ist es von Vorteil, die Pillen ohne Rezept abzugeben, es kann dadurch Schlimmeres verhindert werden. Die Apothekerin erklärt, dass gerade für junge Mädchen ein Schwangerschaftsabbruch einen massiven Einschnitt darstelle.

Die Wirkung der „Pille danach“

er Eisprung wird mit der Pille so lange verzögert, bis die Überlebensdauer der Spermien vorbei ist, eine Befruchtung kann dann nicht mehr stattfinden. Zwei verschiedene Präparate sind auf dem Markt. Bei Ulipristalacetat (Markenname: ellaOne)ist eine etwaige Wirksamkeit nachgewiesen, wenn die Einnahme nach dem ungeschützten Verkehr innerhalb von ein bis fünf Tagen erfolgt. Das Präparat Pidana (Wirkstoff Levonorgestrel) wirkt bis zu drei Tagen nach ungeschütztem Verkehr. Aber am sichersten wirken die Pillen, wenn sie innerhalb von 12 Stunden nach dem Verkehr eingenommen werden.

Schäfer erklärt weiter, dass die „Pille danach“ bei einem bereits stattgefundenen Eisprung unwirksam ist, weil eine abtreibende Wirkung nicht besteht. Auch sei zu beachten, dass für die restliche Zeit des noch nicht abgelaufenen Zyklus, auch bei einer erneuten Pillen-Einnahme kein Verhütungsschutz aufgebaut werde.

Allerdings kann die Sorge nicht ganz ausgeräumt werden, dass von einigen das Medikament leichtfertig genommen oder als Verhütungsmethode betrachtet wird. Der Sprecher der Apothekergesellschaft Jürgen Schäfer aus dem Hochsauerlandkreis sagt: „ Die „Pille danach“ ist für Verhütungspannen entwickelt worden. Sie hat in vielen europäischen Ländern Zuspruch erhalten und ist dort schon seit Jahren ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Für junge Frauen bis zum 20. Lebensjahr übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für das Medikament, allerdings ist dafür ein ärztliches Rezept notwendig.

Wird kein Arzt konsultiert, müssen die Mitarbeiter der Apotheken die Beratung übernehmen. Die Zukunft wird zeigen, ob der Notdienst nachts verstärkt dafür genutzt wird, oder die Anfragen außerhalb der Öffnungszeiten kommen werden. Für die Beratungen gibt es extra einen Leitfaden – aber mit Tücken: Sind Mädchen jünger als 14Jahre, ist ein Rezept vom Arzt erforderlich – wiederum brauchen die Apotheker nicht den Ausweis verlangen.

Auf alle Fälle soll minderjährigen Mädchen unbedingt eine ärztliche Beratung empfohlen werden, besonders wenn der Verdacht auf eine schon begonnene Schwangerschaft besteht. Für das Personal in den Apotheken ist es auch fast unmöglich herauszufinden, ob die Kundin bereits öfter die „Pille danach“ angewendet hat – es gibt ja noch viele weitere Apotheken … Die Probleme können nur erörtert werden und die jungen betroffenen Frauen haben dann selbst zu entscheiden, wie es weiter geht.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 06.04.2015 - 13:10 Uhr
Kategorie: Medikamententester News