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Auf Jod und Geigerzähler kein Ansturm


(rdm). Laut einer Umfrage der „Main-Spitze“ Rüsselsheim ist im einschlägigen Fachhandel vor Ort kein erhöhter Bedarf oder eine erhöhte Nachfrage nach Geigerzählern und Jodtabletten aufgefallen. Die aktuelle nukleare Katastrophenlage in Japan könnte dazu Anlass bieten.

So wurden lediglich in der Löwen-Apotheke seit Montag mehr als üblich Jodtabletten verkauft. Der Apotheken-Inhaber Dr. Torsten Lomp erläutert, dass die Kunden beim Kauf entsprechend beraten werden. Weiter war von Dr. Lomp zu erfahren, dass sich im Großhandel bereits Engpässe bei Jodpräparaten abzeichneten.

Die Apotheker warnen vor einer unkontrollierten Einnahme von Jodpräparaten. Die Liebig-Apotheke berichtete von einer einzelnen Nachfrage am Dienstag. Man kommt zunächst mit dem Kunden ins Gespräch und fragt, ob die Jod-Tabletten zu seinen üblichen Medikamenten gehören oder ob die Nachfrage mit der aktuellen Situation in Japan zusammenhänge. Ohne erhöhte radioaktive Strahlung sei der Gebrauch von Jodpräparaten nicht erforderlich, ja es wird dringend abgeraten.

Geigerzähler sind in der Stadt schwerlich zu bekommen. „Elektro-Eckert“ habe die Geräte zwar nicht vorrätig, könnte sie aber bestellen. Bis jetzt wäre noch keine Nachfrage gewesen. Ebenso war noch kein Bedarf im Bischofsheimer Media-Markt vorhanden, dieser führt die Geräte auch gar nicht im Sortiment. Von einigen anderen Elektrofirmen war zu erfahren, dass man bei ihnen Geigerzähler weder kaufen noch bestellen könne. Nachfragen bestünden nicht.

Wie funktioniert ein Geigerzähler?

Er wurde im Jahr 1928 von den beiden Physikern Hans Geiger und Walther Müller in Kiel entwickelt. Deshalb heißt der Zähler  auch manchmal „Geiger-Müller-Zähler“ oder auch  -Zählrohr. Heute wird er benutzt, um radioaktive Substanzen zu erkennen. Er liefert zuverlässige Nachweise über eine ionisierende Strahlung, wie die der Alpha-, Beta-, Gamma- und Röntgenstrahlung. Mit ihm kann man Personen, Lebensmittel oder Objekte prüfen, ob sie durch Strahlen kontaminiert sind. Kontinuierlich wird auch zu verarbeitender Schrott geprüft, denn oft ist die Herkunft des Schrotts nicht bekannt. Gelegentlich werden die Zähler auch an Flughäfen eingesetzt, um das Gepäck an den Durchleuchtungsanlagen besser überwachen zu können. Neutronen, die beim Zerfall von radioaktivem Material entstehen, lassen sich mit dem Zähler jedoch nicht nachweisen.

Ein Zählrohr ist folgendermaßen aufgebaut: Es besteht aus einem Metallrohr, welches die Kathode bildet. In axialer Richtung befindet sich darin ein isoliert gespannter Draht – vom Metallrohr isoliert - die Anode. Gefüllt ist das Innere mit einem Edelgas, beispielsweise Argon, welches keine negativen Ionen bildet. Zwischen Kathode und Anode liegt eine Spannung, die oft mehr als 1000 V betragen kann, je nach Zählrohrart. An der Stirnseite oder auch am Umfang des Rohres befindet sich ein Fenster aus Mylar oder Glimmer. Durch dieses Fenster gelangt die Strahlung in das Rohr. Zählrohre unterscheiden sich sehr in Konstruktion  beziehungsweise Gasfüllung,  je nachdem, wofür sie eingesetzt werden.

Funktionsweise eines Zählrohres: Wenn die ionisierende Strahlung auf die im Zählrohr vorhandenen Gasatome trifft, werden aus ihnen Hüllenelektronen herausgelöst. Die elektrische Feldkraft der Anode zieht die Elektronen an und diese stoßen mit weiteren Atomen zusammen – eine Stoßionisation entsteht. Dadurch wird eine große Menge Elektronen freigesetzt, die einen Stromfluss zwischen Anode und Kathode auslösen. Über einen Widerstand kann dieser in ein Spannungssignal verwandelt und verstärkt werden. Man kann das Ergebnis auf einem Instrument ablesen, es kann in einem Zähler verarbeitet oder auch akustisch angezeigt werden.

Es gibt auch Einschränkungen. So ist unmittelbar nach Auslösen einer Gasentladung das Zählrohr kurzzeitig (ca. 0,1 Millisekunde) nicht betriebsbereit für weitere Impulse. Dieses Intervall wird als „Totzeit“ bezeichnet. Der Grund dafür ist folgender: Die nach der Ionisation positiv geladenen Gasatome schirmen das elektrische Feld von der Anode ab. Wenn dann die Ionenwolke zur Kathode gewandert ist, sich dort entlädt, die Gasentladung per spezieller Zusätze (z.B. Halogene) gelöscht ist, erst dann kann der Prozess erneut stattfinden. Einfache Geigerzähler können nur die Anzahl der registrierten Impulse erfassen – die Aktivität – einen Rückschluss auf die Strahlungsart gibt es nicht. Unberücksichtigt bleibt auch die verschiedenartige Ionisierungsfähigkeit und kinetische Energie z. B. von Alpha- und Gammastrahlung. Geiger-Müller-Rohre können auch  im sogenannten Proportionalbereich betrieben werden, um diesen Nachteil auszugleichen. So kann nicht nur die Aktivität einer Strahlungsquelle, sondern zusätzlich deren Energiedosis in Erfahrung gebracht werden. (Proportionalzählrohr).


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 21.03.2011 - 20:22 Uhr
Kategorie: Medikamententester News