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Beim Schlafen lernen, ein Traum?


In dem Magazin „Current Biology“ Bd.20, Nr.8 wurde eine Studie über das Lernen während Traumphasen von den Wissenschaftlern Wamsley, Erin und seinen Kollegen veröffentlicht. Die Wissenschaftler sind an der Medical School Boston tätig. Sie haben zusammen mit israelischen Wissenschaftlern Experimente mit Probanden über räumliches Lernen durchgeführt. Die Probanden sollten sich in einem virtuellen Labyrinth zurechtfinden. Erst bei einem zweiten Versuch, nachdem die Versuchspersonen kurz geschla-fen hatten, fanden sie sich in dem Labyrinth sehr viel schneller zurecht. Das könnte bedeuten, dass sich das Gehirn während der kurzen Ruhepause im Traum mit der Aufgabe beschäftigt hat. Desweiteren wurde eine traumfördernde Lernumgebung geschaffen, um die Ergebnisse der Untersuchungen praktisch darzustellen.

Es nahmen 99 Probanden an der Studie teil. Sie bekamen die Aufgabe, sich zunächst eine Stunde virtuell ihre Orientierungsfähigkeit anzutrainieren. Der Auftrag bestand darin, am Computer einen Endpunkt in einem 3D-Labyrinth so schnell wie irgend möglich zu finden. Nachdem diese Aufgabe bewältigt war, durfte die eine Hälfte der Probanden abschalten, kurz ein kleines Schläfchen von ca. 90 Minuten halten. Die zweite Hälfte der Probanden musste wach bleiben und durften sich mit irgendetwas beschäftigen. Wenn die schlafenden Testpersonen eine Minute fest eingeschlafen waren, wurden sie ge-weckt und mussten ihren Traum erzählen – danach durften sie weiter schlafen, um dann wie-der zu berichten, was sie träumten. Die andere Hälfte der Testpersonen, die nicht geschlafen hatten, wurden mehrmals von den Wissenschaftlern gefragt, woran sie gedacht haben während der 90 minütigen Pause.

Nachdem 5 Stunden nach dem ersten Test am Computer vergangen waren, mussten die Pro-banden den Geschwindigkeitstest im virtuellen Labyrinth noch einmal bewältigen. Die Wissenschaftler waren vom Ergebnis der Probanden überrascht: eindeutige Verbesserun-gen beim Computerspiel zeigte die erste Hälfte der Probanden, die geschlafen hatten. Sie hat-ten berichtet, sich während des Traumes mit dem Spiel beschäftigt zu haben. Es gab aber unter den schlafenden Probanden auch solche, die während des Schlafes nicht vom Spiel träumten, diese schlossen beim zweiten Test nur minimal besser ab. Während die anderen, die vom Spiel träumten, zehnmal besser als das erste Mal abschnitten. Die zweite Hälfte der Probanden, welche nicht schlafen durften, verbesserte sich in ihrem Spiel überhaupt nicht, obwohl die meisten während der Pause über die Lösung der Aufgabe nachgedacht hatten.

Bei den Probanden, die erfolgreich geträumt hatten, war manchmal nur Nebensächliches im Computerspiel ausschlaggebend, jedoch eine deutliche Verbesserung beim zweiten Test zu erreichen. Manche berichteten von einer verzweigten Höhle mit Fledermäusen, von Menschen an einer Kreuzung oder von der Begleitmusik des Spieles. Für Wamsley und seine Kollegen ist das ein Beweis, dass das menschliche Gehirn während des Träumens mit dem Verarbeiten von Problemen und Informationen beschäftigt sein kann. Diese unbewusste Aktivität des Gehirns scheint nur von Träumen begleitet zu sein, stellt der Autor Robert Stickgold fest.

Die Labyrinth-Erfahrungen zum Beispiel könnten in einen grö-ßeren Zusammenhang gestellt werden: Wie geht der Mensch mit vielen Informationen um? Nicht allein die Träume helfen zu einer besseren Gehirnleistung, sie sind nur ein Hinweis da-rauf, dass offensichtlich einige Regionen des Gehirns sich mit neuen Dingen beschäftigt. Interessant ist auch, dass die erste Hälfte der Testpersonen – die sich im zweiten Durchgang stark verbessert und von der Labyrinth-Aufgabe geträumt hatten – im ersten Durchgang schlecht waren. Während des Träumens beschäftigt sich das menschliche Gehirn mit Dingen, die ungelöst sind. Die Wissenschaftler wollen in einer nächsten Studie längere nächtliche Schlafzeiten für die Testpersonen genehmigen. Nun kann man gespannt sein, ob aus den Experimenten praktische Informationen gewonnen werden. Ob es wohl möglich sein kann, im Traum unsere Lernfä-higkeit und Gehirnleistung zu verbessern.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 24.04.2010 - 19:29 Uhr
Kategorie: Medikamententester News