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Betrug an Krankenkassen, illegaler Handel mit Medikamenten


Ein großangelegter Handel mit Medikamenten ist aufgedeckt worden. So sollen in Frankfurt ein Apotheker, eine Ärztin und ein weiterer Mann in den Handel verwickelt sein und den gesetzlichen Krankenkassen einen Schaden von ca. zwei Millionen Euro beschert haben.

Die Generalstaatsanwaltschaft hat die Ermittlung wegen bandenmäßigen Betruges gegen eine Ärztin, einen Apotheker und einen 59-jährigen Mann aufgenommen. Das Frankfurter Trio wird verdächtigt, in der Zeit von Januar bis Oktober 2009 mit ihren Betrugshandlungen die Krankenkassen und somit auch die Beitragszahler um 2 Millionen Euro geschädigt zu haben.

Die bisherigen Ermittlungen ergaben, dass von der Ärztin tausende Rezepte mit Namen von gesetzlich versicherten Patienten aus ihrer Kartei ausgestellt worden sind. Damit ging der Mann zu einer Apotheke im Bahnhofsviertel. Dort ließ er sich von dem Apotheker andere Arzneien aushändigen, die nur ca. zwei Drittel des Rezeptwertes besaßen, zum Beispiel Appetithemmer und Potenzmittel. Für den Oberstaatsanwalt Alexander Badle ist es ein Rätsel, wo die Medikamente geblieben seien, teilte er der „Frankfurter Rundschau“ mit. Badle ist Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung von Korruption und Vermögensstraftaten im Gesundheitswesen.

Inzwischen ist die Ärztin auf der Flucht. Sie betrieb zur Tatzeit eine Praxis in Frankfurt. Nachdem am Donnerstag die Wohnung des 59-jährigen Mannes in Frankfurt durchsucht worden ist, kam er in Haft. Der Apotheker hatte schon im Juni die Tat umfassend gestanden, teilte Badle mit.

Der Generalstaatsanwaltschaft ist die 55-jährige Ärztin keine Unbekannte. Bereits vor 1 ½ Jahren hatte das Landgericht Frankfurt Anklage gegen die Frau wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und Betruges erhoben. Es wurde gegen sie Haftbefehl erlassen, weil sie zur Hauptverhandlung nicht erschienen war. Unter anderem ging es damals um Rechnungen von Behandlungen an der Ärztin sowie ihrer siebenköpfigen Familie in der Zeit von November 2002 bis Februar 2006. Hier wurde eine Schadenssumme für die gesetzlichen Krankenkassen mit 100.000 Euro ermittelt. In einem weiteren Betrugsfall soll die  Ärztin die private Krankenversicherung eines Augenarztes aus Baden-Württemberg mit fingierten Rechnungen geschädigt haben. Mit einem dritten Beteiligten teilte sie sich die Beträge in Höhe von 8300 Euro. Rechtskräftig ist der Augenarzt auf Bewährung verurteilt worden.

Als sich der Verdacht gegen die Ärztin verdichtete und die AOK davon erfuhr, wurden ihre Abrechnungen genauer kontrolliert. Es wurde festgestellt, dass es außergewöhnlich viele Rezepte mit enorm höheren Umsätzen als vorher gab. Auch war auffällig, dass für die Einlösung der Rezepte die Apotheke im Bahnhofsviertel aufgesucht wurde, die weit abgelegen von der Praxis lag. Eine Bestätigung, dass hier etwas nicht stimme, lieferte eine Befragung der Versicherten. Die AOK informierte daraufhin über ihren Verdacht die Justiz.

Badle und seine Kollegen sind auf solche Tipps angewiesen. Aufgrund des Hinweises der Krankenkasse wurden die Ermittlungen eingeleitet, bestätigt der Oberstaatsanwalt. Offenbar waren es wirtschaftliche Schwierigkeiten, die die Ärztin „in die Kasse griffen“ ließen. Dass nun alles aufgedeckt wurde, sollte allen eine Warnung sein. Auch werde es immer schwieriger, das Gesundheitswesen zu betrügen. Badle sagt, dass inzwischen alles sehr gut vernetzt sei und dadurch das Entdeckungsrisiko groß ist. Aber erst im nächsten Jahr kann die AOK darüber Zahlen nennen. Die Zwei-Jahres-Statistik 2008/09 ist die momentan aktuellste. In ihr sind 279 aufgedeckte Fälle belegt. 4,4 Millionen Euro sind zurück ins Krankenkassenbudget geflossen.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 20.09.2011 - 20:08 Uhr
Kategorie: Medikamententester News