Ihr Medikamenten Informationsportal
Wissenswertes für Probanden
Kontaktadressen-Liste für Kliniken

Bittere Medikamente – Nein Danke!


Viele Eltern kennen das Problem einen Esslöffel mit Hustensaft ihren Kindern verabreichen zu müssen. Bittere Medikamente zu schlucken ist für Kinder meistens eine Qual, wesentlich mehr als für Erwachsene. Bitteres mögen Kinder einfach nicht. Unglücklicherweise sind jedoch die meisten Wirkstoffe in den Medikamenten bitter. Wie kann man also die Arzneimittel verändern? Sie sollen den kleinen Patienten schließlich schmecken. Das Problem, die Erwachsenen müssten den Geschmack von dreijährigen Kindern nachempfinden. Die Lösung: die „elektronische Zunge“. Seit mittlerweile 2 Jahren experimentieren Pharmazeuten der Uni Düsseldorf mit jener Technologie.

Den Auftrag stellt die Pharmaindustrie und die Anfragen kommen von weltweit. Im strengeren Sinne ist das Gerät ein Roboter und keine Zunge. Professor Jörg Breitkreutz, praktizierend am Pharmazeutisch-Technologischen meint, der Begriff hat sich eben so eingebürgert. Die Zunge hat Geschmacksnerven und das Gerät kann die nicht simulieren, deshalb ist Professor Jörg Breitkreutz nicht ganz glücklich damit. „ Insbesondere in der Zusammenarbeit von Gehirn, Auge und Nase wird ein Roboter niemals komplett abbilden können“. Diese stammen aus Japan und Frankreich. Zwei Varianten werden von dem Düsseldorfer Institut eingesetzt und kann als einziges weltweit diese Ergebnisse vergleichen.

Prinzipiell taucht der Roboter die Sensoren in das Test–Arzneimittel, deren Oberfläche binden nun die Bitterstoffe. Dann werden Signale, je nachdem wie hoch die Konzentration der Bitterstoffe ist, zu einem Computer gesendet. Die elektronische Zunge schmeckt also nicht sondern sie misst, objektiv und unbestechlich. Breitkreutz: „Sollten solche Geschmackstests an Erwachsenen durchgeführt werden, würden sie nie gültige Ergebnisse bekommen. Der eine würde die Substanz bitter finden, der andere vielleicht nur etwas oder gar nicht bitter.“ Medikamententests an Kindern durchzuführen die gesund sind, werden „selbstverständlich nicht durchgeführt.“

Leider aber fehlen der Pharmaindustrie solche Informationen. „Erfolglose Tests, das kann natürlich einen Konzern ruinieren.“ Per EU – Gesetz ist die Industrie außerdem 3 Jahre verpflichtet, alle Medikamente die auf den Markt kommen, auch in eine für Kinder verträgliche Form anzubieten. Man nimmt an, dass bei Kindern die Abneigung von Bitterstoffen mit der Evolution zusammen hängt. Üblicherweise schmecken viele giftige Stoffe bitter. Kinder haben eine starke Ablehnung gegen diesen Geschmack als natürlichen Schutzmechanismus. Muttermilch dagegen hat viele Substanzen, die aber nicht bitter schmecken. Aber im weiteren Leben wird diese Ablehnung schwächer. Man mag Pampelmusen, Bier oder sogar bitter Lemon. Kinder würden da nur den Mund verziehen. Mit konkreten Aufträgen wendet sich die Pharmaindustrie an das Institut in Düsseldorf.

Die Konzerne wollen meist Medikamente oder Mixturen die die Kinder gerne nehmen. Selbst die kleinste Pille die derzeit auf den Markt ist, haben die Düsseldorfer Pharmazeuten entwickelt. Diese Tablette gegen Herzerkrankungen ist winzig klein wie ein Stecknadelkopf. „In ein paar Sekunden im ist sie Mund aufgelöst, sogar ohne Wasser und schmecken auch noch lecker.“ So Breitkreutz. Die neuen Medikamente lässt die UNICEF in Düsseldorf für Kinder in Afrika prüfen. Gerade auch, weil es eine weltweite Abneigung gegen Biterstoffe gibt. Ganz besonders in der Lebensmittelindustrie ist alles Geschmackssache. Auf die elektronische Zunge kommt daher immer mehr Arbeit zu. Neue Rezepturen wurden soeben für die Herstellung eines Schweizer Kräuterbonbons getestet. Da Katzen z.B. ganz besonders auf Bitterstoffe empfindlich reagieren, haben auch Tierfutterproduzenten ein weiteres Produkt überprüfen lassen. „Katzen würden nicht mal aus einem Napf was Süßes fressen, wo vorher einmal was Bitteres gewesen war.“ So Breitkreuz.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 18.04.2010 - 23:45 Uhr
Kategorie: Medikamententester News