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Blutverdünner Xarelto unter Verdacht von Nebenwirkungen


Ansteigende Anzahl Verdachtsfälle des Blutverdünners Xarelto (Bayer) wurden vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) registriert. Einem Medienbericht ist zu entnehmen, dass es in diesem Jahr bereits ca. 1000 Fälle mit unerwünschten Nebenwirkungen und 72 Todesfälle gegeben habe.

Der Blutverdünner Xarelto ist das von Bayer am häufigsten verkaufte Erzeugnis. Dem BfArM wurden 2012 von Ärzten und Patienten 750 Verdachtsberichte gemeldet, sie beinhalteten unerwünschte Nebenwirkungen, 58 Todesfälle wurden registriert. 2013 gab es bis einschließlich August bereits 968 Berichte über unerwünschte Nebenwirkungen und bereits 72 Todesfälle. Dies wurde von der Behörde auf eine Anfrage des Magazins „Der Spiegel“ mitgeteilt. Das BfArM weist gleichzeitig darauf hin, dass nicht mit Sicherheit belegt sei, ob ein „Kausalzusammenhang zwischen Medikament und Nebenwirkung“ bestehe.

Der Bayer-Konzern sieht in Xarelto eines seiner hoffnungsvollsten Produkte. Er rechnet mit einem Gewinn weltweit von über zwei Milliarden Euro jährlich. So stieg nur in Deutschland die Anzahl der verordneten Tagesdosen von 2011 zu 2012 jährlich von 0,7 Millionen auf 25,5 Millionen an. Diese Mitteilung geht aus dem in Berlin veröffentlichten neuesten Arzneimittelreport von 2013 hervor. Das Mittel sollte nicht als Standardpräparat eingesetzt werden, warnen Experten. Wolfgang Becker-Brüser, der Herausgeber von „arznei-telegramm“ , einer Fachzeitschrift, äußert dem „Spiegel“ gegenüber, dass „Xarelto ein Mittel der Reserve“ sei.

So ist auch in einem Leitfaden der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft zu lesen, dass die vielen Patienten mit der Diagnose Vorhofflimmern beispielsweise mit dem Präparat Marcumar gut zu behandeln seien. Es ergebe sich kein Vorteil gegenüber einer Xarelto-Therapie. Bayer scheint den eingegangenen Meldungen beim BfArM keine besondere Bedeutung einzuräumen. Derartige „Spontanmeldungen“ von Patienten und Ärzten brauche der Konzern nicht zu kommentieren.

Auf Anfrage teilt Michael Diehl (Bayer-Sprecher) mit, dass es nicht möglich sei, aus der Anzahl der gemeldeten Nebenwirkungen eine präzise Häufigkeit dieser Nebenwirkungen bei spezifischen Benutzergruppen abzuleiten. Die zurzeit erhobenen Daten aus Deutschlands klinischem Alltag würden in den Zwischenauswertungen das Sicherheitsprofil des Medikaments Xarelto bei einer Langzeitbehandlung bestätigen.

Bayer stand bereits im vorigen Jahr wegen eines aggressiven Xarelto-Marketings in der Kritik. Damals erhielten bundesweit Ärzte Musterpackungen von dem Unternehmen, die überhaupt nicht bestellt worden waren. Der Arzt sollte dem Postboten erst nachträglich an seiner Tür eine formelle Bestellung unterzeichnen.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 07.10.2013 - 18:45 Uhr
Kategorie: Medikamententester News