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Der 30. Geburtstag des ersten deutschen Retortenbabys


Eine Sensation war die Geburt von Oliver vor dreißig Jahren, denn er war das erste deutsche Retortenbaby. Er lebt heute von der Außenwelt zurückgezogen in einem Dorf in Oberfranken. Dagegen trat die künstliche Befruchtung weltweit ihren Siegeszug an.

Nach jahrzehntelanger Forschung gelang endlich der Durchbruch. Viele Frauen, die ungewollt kinderlos waren, konnten neue Hoffnung schöpfen. Das erste deutsche Retortenbaby kam am 16. April 1982 in der Frauenklinik Erlangen per Kaiserschnitt auf die Welt und wog bei seiner Geburt 4150 Gramm. Erstmals war es auch deutschen Medizinern gelungen, außerhalb des Mutterleibes eine künstliche Befruchtung durchzuführen.

Der in einem kleinen Dorf in Oberfranken lebende Oliver hat in den zurückliegenden Jahren jeden Kontakt mit den Medien strikt abgelehnt, so dass die Öffentlichkeit wenig über ihn weiß. Am Dorfleben nimmt er kaum Anteil, auf Festen sieht man ihn selten, er lebt eher zurückgezogen.

Professor Siegfried Trotnow, der frühere Leiter des Teams in Erlangen, ist inzwischen verstorben. Selbst in Fachkreisen war er damals mit seiner Forschung auf Widerstand gestoßen. Nachdem vier Jahre zuvor in Großbritannien das weltweit erste Retortenbaby Louise Brown geboren worden war, setzte eine lebhafte Diskussion darüber ein, inwieweit man eine künstliche Befruchtung ethisch vertreten könne.   

Neun Jahre lang haben damals die Eltern von Brown versucht, ein Kind auf natürliche Weise zu bekommen. Als es nicht zum Erfolg führte, ließen sie sich schließlich auf das Experiment ein. Für diese Pionierleistung erhielt der maßgebliche Arzt Robert Edwards den Nobelpreis für Medizin. Als Brown fünf Jahre alt war, erfuhr sie von ihrer Zeugungsmethode, die damals als sensationell galt. Von ihren Mitschülern wurde sie oft gefragt, wie sie denn in das Reagenzglas gepasst hätte. Mittlerweile ist auch Brown der Medienrummel zu viel.

Nach der Geburt von Oliver im Krankenhaus von Erlangen belagerten Journalisten tagelang die Klinik und viele von ihnen versuchten, auf die Geburtshilfestation zu gelangen, sagte später Prof. Trotnow. Heute arbeitet von dem damaligen Forschungsteam niemand mehr in der Klinik. Einige sind verstorben, andere sind in Rente. Inzwischen spielt in Erlangen die künstliche Befruchtung keine Rolle mehr. Die In-Vitro-Fertilisation, so der Fachjargon,  ist dank der damaligen Forschungen mittlerweile zur Routine geworden. Sie findet meist in Praxen statt. Dagegen beschäftigt man sich an der Erlanger Uni-Klinik mit neuen Methoden, um vom Krebs geheilten Frauen zum Mutterglück zu verhelfen.

Fachleute rechnen mit ca. vier Millionen Babys, die durch künstliche Befruchtung auf die Welt kamen. In Europa ist das Verfahren am stärksten verbreitet. Die Europäische Gesellschaft für Reproduktionsmedizin (ESHRE) gab in ihren neuesten Zahlen aus dem Jahr 2007 bekannt, dass ca. 71 % der gesamten registrierten künstlichen Befruchtungen in Europa stattfanden, in  Deutschland, Spanien, Frankreich, Großbritannien. Die Ursachen für Kinderlosigkeit liegen in körperlichen Problemen in 20 – 30% der Fälle beim Mann und in 20 – 35 % der Fälle bei der Frau. Laut ESHRE hat jede elfte Frau im Alter von 20 bis 44 Jahren eine Unfruchtbarkeitsphase von mindestens einem Jahr. Eine gemeinsame Ursache für Kinderlosigkeit gebe es bei 25 bis 40 % der Paare, aber in vielen Fällen werden die Gründe dafür nicht gefunden.

Laut Erkenntnissen des ESHRE werden die häufigsten künstlichen Befruchtungen bei 30 bis 39-jährigen Frauen durchgeführt. Im Jahre 2007 kamen europaweit 886 künstliche Befruchtungen auf eine Million Frauen.

Europaweit wird heute vorwiegend die sogenannte Intra-Cytoplasmatische Sperma-Injektion (ICSI) angewandt. Hierbei wird unter dem Mikroskop die Samenzelle des Mannes direkt in die Eizelle eingebracht. Die Ärzte wenden dieses Verfahren in mehr als der Hälfte aller Fälle an.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 05.05.2012 - 23:57 Uhr
Kategorie: Medikamententester News