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Der Wille zur Organspende wächst


Zwischen den Bundestagsfraktionen wurde vor zwei Wochen eine „Entscheidungslösung“ zur Organspendenbereitschaft gefunden, die bei den Bürgern auf Zustimmung gestoßen ist. Nach diesem Plan sollen künftig alle Deutschen mehrmals in ihrem Leben von Krankenkassen und Behörden aufgefordert werden, sich zu entscheiden, ob sie für oder gegen eine Spende ihrer Organe im Todesfall sind. 69 % der Bürger finden die Lösung für gut, 60% der Bürger sind gewillt, selbst einen Spendenausweis auszufüllen. Das kam bei einer aktuellen Blitzumfrage heraus, die von der Barmer Ersatzkasse und der Bertelsmann-Stiftung ausgelöst und in Berlin veröffentlicht worden ist.

Einen Spendenausweis besitzen zurzeit nur etwa 15 – 20 % aller Deutschen, aber Organe werden dringend benötigt. Auf eine Transplantation warten dringend über 7000 Patienten. 1104 Patienten starben in den vergangenen Jahren, die auf eine Organspende gewartet haben. Ein Transplantationsgesetz mit neuen Entscheidungslösungen ist jetzt in Arbeit.

Eine Untersuchung der Gesundheitsforscherin Marlies Ahlert aus Halle ergab wichtige Hinweise für Detailregelungen dieses Gesetzes: Ein wesentliches Handicap für die Bereitschaft zur Organspende ist bei vielen die Angst, dass von den Ärzten zur Rettung ihres Lebens nicht mehr genug getan werde, wenn sie wissen, sie behandeln einen möglichen Organspender. Von 45 % der 1800 befragten Personen  wurde diese Angst geäußert. Meist sind es solche Personen, die allgemein zum Gesundheitswesen wenig Vertrauen haben.

Ahlert regte an, die Bereitschaft zur Organspende in einer Datei zentral zu erfassen, statt in einem persönlichen Ausweis. So sollte es erst nach dem Hirntod des Patienten erlaubt sein, aus dieser Datei Auskünfte zu erhalten  und es wäre keinem Arzt bekannt, ob sein Patient ein Organspender sein möchte.
In der Untersuchung wurde auch der Vorschlag abgefragt, ob man die Bereitschaft zur Organspende auf die Art steigern könnte, indem man evtl. für die Beerdigung Zuschüsse an die Angehörigen des Spenders zahlt. Aber die meisten Bürger lehnen das ab.

Ein anderer Vorschlag kam besser an: Man sollte diejenigen Menschen bevorzugen, die vorher bereits ihr Einverständnis zur Organspende geäußert haben – falls sie selbst in die Situation geraten sollten, eine Organspende zu benötigen. Der Bundestag hat bisher Vorbehalte aus grundsätzlichen ethischen Gründen gegen alle Benachteiligungen und Bevorzugungen.

Für radikale Ideen gilt dies erst recht. Sie wurden aber überraschenderweise vom größten Teil der Befragten befürwortet, um den Engpass zu beseitigen. So wurde von 53 % der befragten Personen geäußert, dass diejenigen Personen, die durch ihre ungesunde Lebensweise die Notwendigkeit einer Transplantation selbst verursacht haben  (Raucher, Trinker) ganz nach hinten auf der Warteliste rücken sollten.  Und sogar von 59 % der Befragten würde begrüßt, dass selbst bei gleicher Dringlichkeit ein 25jähriger Patient einem 65-Jährigen bevorzugt werden sollte.


Von: Stefan Lübker / Probanden-online.de
Veröffentlicht am: 18.12.2011 - 13:40 Uhr
Kategorie: Medikamententester News