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Die Lebenszeit verkürzt sich bei Alkoholabhängigen


Forscher aus der Lübecker und Greifswalder Universität kamen in einer Langzeitstudie zu dem Ergebnis, dass sich die Lebenserwartung bei Alkoholabhängigen und Rauchern um ca. 20 Jahre verkürzt. Das US-Fachmagazin „Alcoholism: Clinical & Experimental Research“ wird Anfang des Jahres 2013 diese Studie veröffentlichen.

Professor Dr. Ulrich John, Leiter des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität in Greifswald, erklärte gegenüber der Presse: Im Rahmen der Studie haben alkoholabhängige Frauen im Durchschnitt nur eine Lebenserwartung von ca. 60 Jahren erreicht und bei den alkoholabhängigen Männern lag die Sterbewahrscheinlichkeit bereits bei 58 Jahren. Von den Verstorbenen hatte niemand die durchschnittliche, für Deutschland zurzeit gültige Lebenserwartung erreicht: Frauen  82 Jahre; Männer 77 Jahre.

Die repräsentative Studie, die von den Forschern bereits 1996 begonnen wurde, erfasste die Gesundheitsdaten von 4.070 beliebig ausgewählten Einwohnern aus Lübeck und Umgebung und wertete diese aus. Es befanden sich unter den Teilnehmern der Studie 153 vom Alkohol Abhängige. Mit Alkoholsucht nahmen 149 Probanden an der Langzeitstudie teil  (Männer: 119; Frauen: 30). Prof. John und sein Team beobachteten über 14 Jahre an den Probanden,  wie deren Gesundheit durch die Alkoholsucht beeinflusst worden ist. Eindeutig wurde von ihnen festgestellt, dass die Lebenserwartung durch Alkoholsucht massiv verkürzt wird. Auch die Sterberate unter den Probanden habe sich Gleichaltrigen gegenüber, die kein Alkoholproblem haben, deutlich erhöht. Bei den Männern lag sie um das 1,9-fache höher, bei den Frauen gar um das 4,6-fache.

Mit Erkrankungen als Folge von Alkoholkonsum seien offenbar Frauen stärker und schneller betroffen als Männer, so die Aussage der Wissenschaftler aus Greifswald.  Aufgrund der bei Frauen gewöhnlich geringeren Körpermasse ließe sich die erhöhte Anfälligkeit nicht allein erklären.  Prof. John mahnte an, dass Frauen deutlich weniger Alkohol zu sich zu nehmen sollten als Männer. Die internationalen Richtwerte können als eine Orientierungshilfe herangezogen werden: Hier sind für Frauen als Tagesmenge maximal 12 Gramm Alkohol vorgegeben und für Männer 24 Gramm, daran sollte sich möglichst gehalten werden. Ein vollständiger Verzicht auf Alkohol sollte mindestens an zwei Tagen pro Woche erfolgen.

Die Wissenschaftler waren überrascht von der Tatsache, dass im Vergleich zu den Rauchern die Abhängigkeit vom Alkohol stärker zur Lebenszeitverkürzung beizutragen scheint. Prof John erläutert dazu, dass dies damit zu erklären sei, dass die oft tödlichen Krebserkrankungen, durch Rauchen ausgelöst, oft erst im höheren Alter von weit über 60 Jahren in Erscheinung treten. Dieses Lebensalter wird von den meisten Alkoholabhängigen oft nicht mehr erreicht.

Im Rahmen der Studie wurde von den Wissenschaftlern außerdem festgestellt, dass die Therapien, eingesetzt gegen Alkoholabhängigkeit, auf die Lebenserwartung keinen positiven Effekt zeigten. Die Ergebnisse waren eindeutig: Während der Studienzeit von 14 Jahren erhielten von den 149 vom Alkohol abhängigen Probanden etwa 23 % eine Entwöhnungstherapie über mehrere Monate. Eine Entgiftung absolvierten 6,7 % der Probanden. Bei beiden Ansätzen wurde kein positiver Einfluss auf  die Lebenserwartung festgestellt. Der Leiter des Instituts für Epidemiologie ist der Ansicht, dass die Therapieangebote einer dringenden Überarbeitung bedürfen.

Laut Aussage von Prof. John werden in Deutschland die Therapien bei Alkoholabhängigen zu spät begonnen. Nämlich erst dann, wenn sich bei den Betroffenen schon eine Vielzahl an Störungen eingestellt hat, bedingt durch übermäßigen Alkoholkonsum. Hier wäre es erforderlich, die Angebote anzupassen. Ebenfalls sollte mehr für die Alkoholprävention getan werden. Denkbarer Handlungsansatz wäre, die Preise für Alkoholprodukte anzuheben, an Tankstellen ein Verkaufsverbot einzuführen und am Steuer eines Fahrzeuges striktes Alkoholverbot. Prof. John betont weiter, dass „Deutschland ein Hochkonsumland sei“, die Gesellschaft sei viel zu sehr alkoholkonsumorientiert.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) kann Zahlen dafür liefern, wie weit verbreitet die Alkoholprobleme unter der deutschen Bevölkerung sind. Demnach zeigen ein riskantes Trinkverhalten über neun Millionen deutsche Bürger im Alter von 18 bis 69 Jahren. Vom Alkohol abhängig sind 1,6 Millionen Menschen, 3 Millionen neigen zu einem Alkoholkonsum, der die Gesundheit schädigt. Bewusst ist vermutlich den wenigsten vom Alkohol Abhängigen, wie drastisch sich ihre Lebenszeit mit ihrer Sucht verkürzt.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 24.10.2012 - 22:23 Uhr
Kategorie: Medikamententester News

 

Kommentare

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Mittwoch, 14.11.12 - 01:02 - Von: Frank Lavario

Was im Artikel nicht klar gesagt wird, ist, dass über 90% der Alkoholtherapien in Deutschland scheitern. Leider wird immer noch das Ziel des absoluten Verzichts auf Alkohol hochgehalten - statt das im Ausland viel erfolgreichere kontrollierte Trinken.

 
 

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