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Drastischer Anstieg der Essstörungen


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In letzter Zeit sind Essstörungen wie Bulimie (Ess-Brech-Sucht) oder Anorexie (Magersucht) immer häufiger in Erscheinung getreten. Dieses wird hauptsächlich der Modeindustrie mit ihrem „Schlankheitswahn“ angelastet. In Frankreich dürfen magersüchtige Models per Gesetz nicht mehr auf den Laufsteg. Der Landespressesprecher der Barmer Ersatzkasse in Sachsen-Anhalt, Thomas Nawrath, betont, dass sich Magersucht oder Bulimie nicht gesetzlich verbieten lassen.

Bei Essstörungen sind die Fallzahlen in Sachsen-Anhalt laut Barmer GEK innerhalb der letzten fünf Jahre bereits um 10,3 % gestiegen. Nicht nur junge Frauen seien dabei betroffen, sondern auch immer häufiger werde bei den über 50-jährigen eine Essstörung festgestellt. Ein Gesetz gegen Auftritte magersüchtiger Models auf Laufstegen hilft dabei wenig, so der Sprecher der Barmer GEK Sachsen-Anhalts. Viel wichtiger sei dabei die Prävention der Essstörungen als eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Bei einer Essstörung sind oft die Selbstwahrnehmung und das Körpergefühl deutlich beeinträchtigt.

Es ist bundesweit ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen zu verzeichnen. In Sachsen-Anhalt wurden im Jahr 2009 wegen Bulimie, Anorexie, Binge Eating (Psychogene Esssucht) und anderen Essstörungen 768 Versicherte ärztlich behandelt. Im Jahr 2014 waren es bereits 847 Versicherte, so die Verlautbarung der Barmer GEK. Dieser Trend lässt sich auch in den anderen Bundesländern feststellen. Die Fallzahlen stiegen zwischen 2009 und 2014 in Thüringen um 16,6 %, in Sachsen sogar um 19,7%. Für Gesamtdeutschland war im gleichen Zeitraum ein Anstieg von 14,5 % festzustellen, so die Barmer GEK. Bei der Auswertung in Sachsen-Anhalt traten weitere Fakten zutage. So stellten nicht nur bei jungen Frauen Essstörungen häufig Probleme dar, sondern es sind auch die 30- bis 40-Jährigen zunehmend betroffen. In den letzten fünf Jahren habe sich bei den Diagnosen von Bulimie, Magersucht oder Binge Eating in dieser Altersgruppe ein Anstieg um 41,4% ergeben.

Laut Barmer GEK bilden jedoch die 51- bis 60-Jährigen die Altersgruppe mit der größten Zunahme diagnostizierter Essstörungen und zwar mit 76,8%. Ebenfalls bei den über 60-Jährigen wurde mit 62,2% ein drastischer Anstieg registriert. Als Gründe hierfür kämen „schwere Lebenskrisen, Angst vorm Älterwerden, jahrelange Diäten oder auch eine Körperveränderung nach einer Geburt infrage“, so Thomas Nawrath, „in einer Gesellschaft, die sich auf die Jugend fixiert hat, wächst mit zunehmendem Lebensalter  die Angst vor Versagen und mangelnder Anerkennung.“  Es sei keine Lösung, magersüchtige Models per Gesetz von den Laufstegen zu verbannen, wie es in der vergangenen Woche vom französischen Parlament beschlossen wurde. Professionelle Hilfe, aber kein Gesetz, sei das Einzige bei Essstörungen, so der Sprecher.

Essstörungen als ernstzunehmende Erkrankung könnten auch durch ein falsches Körpergefühl entstehen, das wiederum durch schlechte Vorbilder der Modebranche erzeugt werde. „In der Regel haben Magersucht und andere Essstörungen jedoch ganz andere Ursachen“, erklärt Nawrath. Als häufige Ursachen kommen infrage familiäre Schwierigkeiten, unverarbeitete Trauer oder auf den eigenen Körper übertragener Leistungsdruck. Dennoch zeichnet sich in der Auswertung der Krankenkasse auch eine positive Entwicklung ab. So seien in Sachsen-Anhalt und auch bundesweit Essstörungen im zeitigen Kindesalter erfreulicherweise merklich zurückgegangen.

Ein weiterer Anstieg der Essstörungen muss verhindert werden. Die gesundheitliche Vorsorge und Prävention muss nach Einschätzung der Barmer Ersatzkasse deutlich verbessert werden. Das kürzlich verabschiedete Präventionsgesetz sei dabei durchaus zu begrüßen, so der Sprecher Thomas Nawrath, es greife jedoch an wichtigen Punkten zu kurz, weil lediglich die Gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen zur Pflicht genommen werden. Besonders Kinder müssten möglichst frühzeitig lernen und auch erleben, was richtige Ernährung und Bewegung bedeuten, um geistig und körperlich fit zu bleiben.

Der Anfang wird schon in den Kindertagesstätten gemacht und müsste in der Schule auch weiterhin fortgesetzt werden. Die Barmer GEK stellt eine Broschüre zur Verfügung mit dem Titel „Essstörungen erkennen und handeln. Ratgeber für Angehörige“. Man erhält Informationen zu Bulimie, Magersucht und Binge Eating und deren Hintergründe. Der Landespressesprecher der Barmer Ersatzkasse betont, dass Mediziner, Eltern, Freunde und die Krankenkassen an einem Strang ziehen müssen, damit den Betroffenen geholfen werden kann.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 28.07.2015 - 20:28 Uhr
Kategorie: Medikamententester News