Ihr Medikamenten Informationsportal
Wissenswertes für Probanden
Kontaktadressen-Liste für Kliniken

Ein neuer Wirkstoff gegen Grippeviren entwickelt


In Zukunft könnte ein neues Grippemedikament als Schutz gegen alle Virustypen zum Einsatz kommen. Mit Hilfe eines natürlichen Botenstoffes können die Immunzellen im Lungengewebe derart stark aktiviert werden, dass sie Grippeviren jeder Art ausschalten. Diese Verfahrensweise wirkt schneller und besser als eine Impfung.

Diese vielversprechende Alternative zur Impfung haben amerikanische Wissenschaftler entwickelt. Bei Versuchen an Mäusen war das Ergebnis eindrucksvoll: Der Wachstumsfaktor GM-CSF (ein natürlicher Botenstoff) konnte im Tierversuch den sonst wohl tödlichen Verlauf einer durch Influenzaviren ausgelösten schweren  Infektion verhindern. Im „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine“ schreiben die Forscher, dass im Gegensatz zu einer Impfung die neue Therapie schnell wirksam und auch voraussichtlich gegen alle Arten von Grippeviren geeignet sei. Wenn Patienten, die bereits erkrankt sind, das Mittel inhalierten, so könnte der Verlauf der Infektion zumindest abgemildert werden.

In der Grippe-Saison erkranken nach den Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit jährlich drei bis fünf Millionen Menschen. Für etwa 250 000 bis 500 000 Menschen bedeutet das den Tod. „Deshalb werden bessere Methoden zum Grippeschutz dringend benötigt“, sagt Homayoun Shams von der University of Texas in Tyler. Er ist Leiter der Forschungsgruppe. Schutz vor einer Grippeinfektion bietet bisher nur die jährliche Impfung. Diese muss mindestens vierzehn Tage vor dem Viruskontakt erfolgen. Sie wirkt auch nur gegen ausgewählte Virustypen.

Durch eine Impfung wird das adaptive Immunsystem aktiviert, spezielle Erreger werden mit Immunzellen und Antikörpern bekämpft. Das angeborene  Immunsystem ist im Gegensatz dazu in der Lage, unabhängig von der Art des Erregers und viel schneller Abwehrmaßnahmen einzuleiten. Die Mobilisierung der angeborenen Immunabwehr in der Lunge gegen die Grippeviren war das Ziel der Wissenschaftler. Da sie wussten, dass der natürliche Botenstoff GM-CSF die Entwicklung von Fresszellen, sogenannter alveolarer Makrophagen stimuliert, wurde er zu diesem Zweck eingesetzt. In der Lunge sammeln sich diese Immunzellen an und Viren werden unschädlich gemacht.

Für ihre Versuche benutzten die Forscher genetisch veränderte Mäuse, deren Lungengewebe verstärkt GM-CSF produzierte. So wurde die Zahl der Fresszellen in der Lunge der Tiere um das Fünf- bis Zehnfache erhöht. Nun erhielten die Mäuse eine hohe Dosis von Grippeviren. Die Zahl der Makrophagen stieg dadurch weiter an. Sämtliche Versuchstiere überlebten, jedoch die zur Kontrolle infizierten normalen Mäuse starben alle. Das zeigt, dass ein hoher Spiegel an GM-CSF in der Lunge ausreicht, um einen kompletten Schutz vor einer Infektion aufzubauen, sagt Shams.

In einem weiteren Versuch wurde der Wirkstoff normalen Mäusen über die Nase verabreicht. Die infizierten Mäuse wehrten danach mit Hilfe der Fresszellen die Grippeviren erfolgreich ab. Sie überlebten. Die Forscher hatten für ihre Versuche drei verschiedene Typen von Grippeviren verwendet, darunter das Influenzavirus A H1N1, den Erreger der sogenannten Schweinegrippe.

Bis zu einer verfügbaren Therapie ist es noch ein langer Weg. So wollen die Forscher noch untersuchen, wie das Mittel auf bereits infizierte normale Mäuse wirkt.  Nach ersten Versuchen stellte sich heraus, dass durch eine nachträgliche Behandlung die Sterberate von 100 auf 70 % verringert wurde. In weiteren Studien soll geklärt werden, wie groß das Zeitfenster nach erfolgter Infektion  für eine Therapie ist und ob es günstiger wäre, durch eine Injektion den Wirkstoff zu verabreichen.

Als Injektionen werden bereits GM-CSF-Präparate zur Behandlung von verschiedenen Krankheiten eingesetzt. Sie haben sich als gut verträglich erwiesen. Deshalb könnten die klinischen Studien zum Grippeschutz bald beginnen. Die Autoren glauben, dass es trotzdem noch Jahre dauern könnte, bis diese neue Vorbeugungs-Therapie allgemein verfügbar sein wird.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 01.05.2011 - 22:28 Uhr
Kategorie: Medikamententester News