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Erdnussallergiker können hoffen


Viele Allergiker, die von einer Erdnussallergie betroffen sind, könnten von einer neuen oralen Immuntherapie profitieren, die über einen Zeitraum von 6 Monaten laufen wird. Allerdings sind Experten skeptisch. Bisher können Betroffene Erdnüsse nur streng vermeiden, sonst lösen bereits die geringsten Mengen heftige Symptome aus. Eine Immuntherapie? Kam bisher nicht in Betracht – vielleicht jetzt aber doch? Forscher versuchen bereits seit längerer Zeit, diese Allergiker zu desensibilisieren. Mit kleinster Dosierung soll das Immunsystem an die Allergene gewöhnt werden.

Das Vorhaben ist nicht ungefährlich. So kam es im Rahmen der Studien immer wieder bei den Probanden zu heftigen Reaktionen. Dennoch wurde festgestellt, dass die Versuche Wirkung zeigten. Bei einigen Probanden, jedoch nicht bei allen, ließ sich die Toleranz den Erdnüssen gegenüber steigern.

Die Frage ist, wie sich bei dieser Immuntherapie gegenüber Erdnüssen die allergischen Reflexe zähmen lassen. Dr. Katherine Anagnostou und ihr Team vom Addenbrooke`s Hospital, Cambridge, geben Antwort.

Die Wirksamkeit einer oralen Immuntherapie, speziell für Kinder, untersuchten sie in einer zufallsgesteuerten Placebo-kontrollierten Phase II- Studie.

Die Probanden, die sich an der Studie beteiligten, setzten sich aus 99 Kindern und Jugendlichen in einem Alter von 7 bis 16 Jahren zusammen. Von ihnen erhielten 49 Teilnehmer in Phase 1 eine Immuntherapie, oral verabreicht. Der Kontrollgruppe wurden 50 Kinder zugeteilt. Während Phase II bekamen aus der Kontrollgruppe 45 Kinder auch eine orale Immuntherapie.

Bei der oralen Immuntherapie (OIT) nahmen die Probanden mit ihren Mahlzeiten eine ansteigende Dosis von Erdnussmehl ein. In vorhergehenden Studien hatten die Forscher die Verträglichkeit der Vorgehensweise erprobt.

Die Proteindosis wurde von den Forschern über 14 Tage lang sukzessiv bis auf 800 mg/Tag erhöht. Die Probanden wurden nach dem Einnehmen über zwei Stunden klinisch beobachtet. In der Zeit danach nahmen die Studienteilnehmer über 24 Wochen lang täglich ihre höchste tolerierte Dosis ein.

Die Erdnusstoleranz (no observed adverse effect level, NOAEL) erhoben die Wissenschaftler am Anfang der Studie sowie nach Abschluss der ersten und zweiten Phase, indem die Probanden einen doppelt verblindeten Placebo-kontrollierten Nahrungstest (double blind Placebo controlled food challenge, DBPCFC), durchlaufen haben.

Als Erfolg der Desensibilisierung werteten die Forscher das Akzeptieren einer Proteindosis von insgesamt 1400 mg, welches etwa 10 Erdnüssen entspricht.

Nach Phase I ließ sich aus der OIT-Gruppe bei 24 von 39 Kindern (62 %) eine Desensibilisierung nachweisen. Diese blieb jedoch bei den 46 restlichen Probanden der Kontrollgruppe aus. 84 % der Kinder tolerierten darüber hinaus in der OIT-Gruppe 800 mg täglich verabreichtes Erdnussprotein.

Die am häufigsten aufgetretenen Symptome unter der OIT waren Juckreiz in der Mundhöhle (81 %), Übelkeit (33 %) sowie Bauchschmerzen (57%). Außerdem entwickelte sich bei 22 % der Probanden ein Giemen. Das wurde mit inhalativen ?2-Sympathomimetika plus oralen Antihistaminika mit Erfolg behandelt. Zweimal griff ein Proband darüber hinaus zum Adrenalin-Autoinjektor. Die Therapie beendeten vier Probanden vorzeitig wegen öfter auftretenden Reaktionen. Anhaltende Symptome gab ein Proband als Grund für die Beendigung an.

Von anderen Probanden wurde die angestrebte Tagesdosis nicht erreicht. Hypotonie als schwerwiegende Reaktion trat nicht auf.

In der OIT sehen die Autoren eine gut tolerierte, effektive Therapie, die für Kinder mit einer Erdnussallergie geeignet ist. Sie schätzen auch ein, dass sich durch eine OIT nur über mehrere Jahre hinweg eine dauerhafte Desensibilisierung erreichen lässt.

Es wird wohl auch mehrere Jahre dauern, bis OIT in die klinische Routine Einzug hält. Diese Schlussfolgerung zieht Dr. Matthew Greenhawt/Zentrum für Nahrungsmittelallergien an der Universität Michigan. Unter anderem bezweifelt er die klinische Relevanz der Maximal-Dosis von 1400 mg im Nahrungstest. So seien in anderen Studien viel höhere Dosen angesteuert worden.

Dagegen verweist Anagnostou auf die Erkenntnisse, dass zwei Drittel von den Probanden, die 1400 mg toleriert haben ebenso ein Erdnussprotein von 6000 mg vertragen.

 


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 25.02.2014 - 18:54 Uhr
Kategorie: Medikamententester News