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Erschwerte Zulassung bei Krebsmedikamenten für Kinder


Bei Erwachsenen wirkende Krebsmedikamente dürfen laut EU-Recht bei Kindern nicht eingesetzt werden. Andernfalls wären zusätzliche und teure Medikamententests erforderlich.

Aus diesem Grund werden von den Forschern der Kinder-Onkologie des Instituts für Krebsforschung (ICR) in Großbritannien für die adäquate Krebshilfe im EU-Recht Änderungen eingefordert. Immer wieder führten Schlupflöcher dazu, dass eventuell lebensrettende Medikamente krebskranken Kindern nicht zur Verfügung stehen, so die Wissenschaftler. Nach EU-Recht darf nämlich die Pharmaindustrie pädiatrische Studien unterlassen. Um aber die Erwachsenen-Medikamente auch für betroffene Kinder zugänglich zu machen, ist genau dies notwendig.

Zitat des Arztes Louis Chesler vom ICR im Internet-Nachrichtenportal www.euractive.com: „ Von den Krebsmedikamenten, die für Erwachsene entwickelt wurden, könnten viele auch bei Kindern hilfreich sein, wenn wir sie in klinischen Untersuchungen testen dürften.“ Zur Durchführung der dafür notwendigen Tests sind die Pharmaunternehmen nicht verpflichtet. Selbst wenn der Verdacht bestünde, dass ein Wirkungsmechanismus den Kindern helfen könnte. Daher dauere es extrem lange, neue Krebsmedikamente für Kinder zu entwickeln. Der Anreiz, eine längere Marktexklusivität für die Pharmaindustrie, wenn ihre Medikamente den Test an Kindern bestanden hätten, genüge nicht.

Mittlerweile sind moderne Medikamente zur Krebsbehandlung wirksam auf genetische Charakteristika der Krankheiten abgestimmt. Somit können einige von ihnen Erfolge außer bei Erwachsenen auch bei Kindern erzielen. Schon öfter ist der Fall eingetreten, dass eines dieser Medikamente, welches bei Erwachsenen für eine spezifische Krebserkrankung entwickelt und vorgesehen wurde, auch Kindern mit einer anderen Krebserkrankung geholfen hat. Nur Studien, die leider von vielen Pharmaunternehmen gemieden werden, könnten Sicherheit bieten. Bei neu entwickelten Medikamenten wird von vielen Pharmaunternehmen darauf hingewiesen, dass diese nur für Erwachsene mit spezifischen Erkrankungen vorgesehen seien. Für die Anwendung bei Kindern würden weitere Studien nichts bewirken.

Seit 2007 wurden für Erwachsene 28 Medikamente zur Krebsbehandlung zugelassen. Von ihnen könnten 26 auch bei an Krebs erkrankten Kindern wirken. Von diesen wieder mussten 14 Medikamente nicht auf ihre Tauglichkeit für Kinder getestet werden, da sie nur für Erwachsene mit ganz spezifischen Erkrankungen entwickelt wurden – so die Pharmaindustrie. Trotz dieser, ausschließlich für Erwachsene bestimmten Entwicklung, hätten auch diese 14 Krebsmedikamente für Kinder, die an anderen Krebserkrankungen leiden, relevant sein können.

Um noch weitere, teure Tests zu vermeiden, versuchen die Pharmafirmen auf diese Weise die Bedeutsamkeit für Erkrankungen bei Kindern herunterzuspielen.

 


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 10.03.2014 - 21:18 Uhr
Kategorie: Medikamententester News