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Erste-Hilfe-Kurs mit Testpersonen für eine eventuelle Marsmission


Auf unserer Erde ist Erste Hilfe für jeden von uns eine Handlung, die man beherrschen sollte. Wie schnell kommt eine Situation, in der anderen hilflosen, verletzten Menschen geholfen werden muss. Im Ersten-Hilfe-Kurs werden die Grundlagen dazu vermittelt. Wie zum Beispiel Puls messen, Mund-zu-Mund-Beatmung, stabile Seitenlage, Herzmassage. Den Rest erledigt der Notarzt bei seinem Erscheinen. Da der ewige Traum der Menschheit, einmal auf den Mars seinen Fuß zu setzen, in den Bereich des Möglichen gerückt ist, hat man sich Gedanken gemacht, wie man den Astronauten bei akuten lebensbedrohlichen Gefahren schnell von der Erde aus helfen könnte. Dafür wurde in Moskau mit Testpersonen ein Langzeit-Experiment gestartet, der sogenannte Mainzer Kurs.

Ein Notarzt könnte im Bedarfsfall nie auf den Mars fliegen – er bräuchte dazu viel zu lange – nämlich neun Monate. Ein Notruf vom Mars zur Erde braucht 20 Minuten, da kommt unter Umständen jede Hilfe zu spät. Deshalb gibt es einen Ausbildungsplan für künftige Mars-Astronauten für Erste Hilfe, die sie optimal beherrschen müssen. Hier werden sie speziell ausgebildet in Hinblick auf die besonderen Bedingungen, wie sie außerhalb der Erde, also auf einem anderen Planeten auftreten würden. Im Juni 2010 startet in Moskau im Institut „IBMP“ (Biomedizinische Probleme) der erste Test mit sechs Teilnehmern. Das Experiment nennt sich „Mars 500“ und ist eine Zusammenarbeit mit der Europäischen Weltraumagentur (ESA).

Die Testpersonen – Experten aus Russland, Europa und China müssen 520 Tage in einem Container die Simulation eines Fluges zum Mars und einen 30-tägigen Aufenthalt auf einem Planeten in der Nachbarschaft überstehen. Die Universität Mainz hat für die Testpersonen ein spezielles Erste-Hilfe-Programm ausgearbeitet. Die Mediziner der Uni Mainz brauchten für dieses Testprogramm über ein Jahr. Projektleiter Prof. Wolf Mann erläutert einige Einzelheiten, die so völlig anders sind als bei dem gewohnten Erste-Hilfe-Kurs. Zum Beispiel wird eine veränderte medizinische Ausrüstung benötigt; die besondere Situation der Schwerelosigkeit erfordert eine vorherige Sicherung der Testperson (festbinden), wenn eine Infusion gegeben werden muss.

Hier kann man nicht einfach wie gewohnt die Infusion in die Vene einleiten, sondern sie muss in den Knochen. Dieser muss vorher mit einem speziellen Bohrer angebohrt werden. Dieses Verfahren ist für medizinische Laien einfach sicherer, als die richtige Vene zu finden. Julian Graf als Teamchef und Narkose-Assistenzarzt sagt, dass der Knochenbohrer auch hier auf der Erde bei der Notfallmedizin angewendet wird. In der Raumstation bräuchte man außerdem noch eine Druckpumpe, um die Infusion in den Körper zu pressen. Zur Beatmung des Patienten im All müssen die Teilnehmer des Mars-Experiments lernen, wie man einen Luftschlauch in die Luftröhre legt, denn er wird nicht wie gewohnt innen in die Luftröhre geschoben, sondern davor.

Die Testpersonen müssen mit Verletzungen und allgemeinen Erkrankungen umgehen können wie z- B. Herz-Kreislauf-Probleme, Brandwunden, Unterzuckerung. Leider können die Probanden die praktischen Übungen nicht bei richtiger Schwerelosigkeit durchführen. Es geht nur theoretisch in Mainz und Moskau. Es wird weiterhin getestet, wie bei den Teilnehmern das Gelernte haften bleibt. Nach dem Grundkurs bekommt die eine Hälfte der Erste-Hilfe-Teilnehmer regelmäßig Kurse zu Auffrischung des Gelernten und die andere Hälfte wird in Ruhe gelassen. Danach werden die beiden Teilnehmergruppen überprüft, ob das Gelernte für den Ernstfall reicht. Nach dem Ergebnis entscheidet sich, wie oft die Astronauten üben sollten, entweder auf der Erde oder in der Raumkapsel.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 15.04.2010 - 10:31 Uhr
Kategorie: Medikamententester News