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Ärztliche Warnung vor Ibuprofen


©pixabay

Ibuprofen kann man für drei Euro, Paracetamol sogar nur für zwei Euro bekommen. Es kann gefährlich sein, Arzneimittel frei zu verkaufen, denn es könnte schlimmstenfalls zum Tode führen.

Wenn man ab und zu von einer heftigen Migräneattacke geplagt wird, greift man gern mal zu einer Schmerztablette. Sollte dies allerdings häufiger auftreten, ist Vorsicht geboten. Sven Gottschling als Palliativmediziner und Schmerzexperte fordert daher bei chronischen Schmerzen eine gezielte Behandlung.

Warnung des Schmerzmediziners: Ibuprofen & Co. sind für Laien gefährlich

Frei verkäufliche Arzneimittel bedeuten für ihn eine große Gefahr, denn Laien unterschätzen schließlich mögliche Nebenwirkungen, beispielsweise infolge von Überdosierungen. „Viele Patienten schlucken ASS, Diclofenac oder Ibuprofen so unbekümmert wie Smarties, viel zu lang und viel zu oft, ohne an die langfristigen Schäden zu denken. Es gibt Leute, die jahrzehntelang Ibuprofen gegen chronische Gelenkschmerzen nehmen. Damit riskieren sie Nierenschäden, Magen- und Darmblutungen, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt“, erklärt der Facharzt.

Der leitende Arzt am Zentrum für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am Uniklinikum des Saarlandes hat ein Buch verfasst: „Schmerzlos werden: Warum so viele Menschen unnötig leiden und was wirklich hilft“. Darin beschreibt er die völlig falsche Schmerzbehandlung hierzulande und wie es richtig geht.

Er führt schockierende Zahlen an: So sollen allein durch innere Blutungen infolge von Schmerzmittelgebrauch jährlich rund 4.000 Menschen sterben. Das übersteigt sogar die Zahl der Todesopfer durch Verkehrsunfälle, so Gottschling. Ein Missbrauch von Paracetamol, beispielsweise gegen Kopfschmerzen, kann auch während der Schwangerschaft für das Ungeborene gravierende Folgen haben. Damit drohen Allergien, Asthma, ADHS und eine Unterentwicklung männlicher Sexualorgane.

Appell des Schmerzmediziners: Frei verkäufliche Arzneien nur noch auf Rezept herausgeben

Der Schmerzmediziner fordert daher: Ibuprofen & Co. nicht mehr ohne Rezept verkaufen. Es sollten sich außerdem mehr Ärzte in wirksamer Schmerztherapie weiterbilden, denn in Deutschland gäbe es nämlich gerade mal 1.000 spezialisierte Schmerzmediziner. „Die meisten Patienten und Ärzte aber haben eine Heidenangst vor Opioiden gegen Schmerzen.

Dennoch ist er der Meinung, dass Morphium wesentlich ungefährlicher sei als etwaige frei verkäufliche Medikamente. „Ich plädiere dafür, dass Morphin und ähnlich stark wirkende Schmerzstiller viel häufiger eingesetzt werden. Für Patienten ist Morphin auf Dauer weniger gefährlich als Diclofenac oder Ibuprofen. Chronisch Kranke können ein Opioid lebenslang ohne gesundheitliche Folgen nehmen, die Schmerztabletten aber eher nicht.“

Wer allerdings eine Abhängigkeit von Morphium befürchtet, den kann Gottschling beruhigen. „Es trifft auf Schmerzpatienten nur eines von sechs Kriterien für Abhängigkeit zu, nämlich Entzugserscheinungen, wenn der Wirkstoff prompt abgesetzt wird.  Aber die Unfähigkeit, Alltagsaufgaben zu erfüllen, das Bedürfnis nach höheren Dosen oder Kontrollverlust, habe ich nie beobachtet. Eine gute Therapiesteuerung durch einen erfahrenen Arzt ist allerdings Voraussetzung für eine Schmerzbehandlung mit Morphin-Präparaten“, so der Fachmediziner. Bedeutet das also, dass wir in der Hausapotheke nun ganz selbstverständlich Morphin statt Aspirin haben sollten?

Ibuprofen für akute und Morphium für chronische Schmerzen?

Nein, ist Gottschling der Meinung. Bei akuten Schmerzen wie zum Beispiel einer Sportverletzung oder Spannungskopfschmerzen kann man weiterhin zu gängigen Schmerzmitteln greifen. Dies sollte allerdings keine Dauerlösung sein und die Einnahme nicht länger als drei bis sieben Tage dauern.

„Wer Schmerzmedikamente regelmäßig und mehr als an fünf Tagen braucht, sollte unbedingt weg von den frei verkäuflichen Mitteln. Drohen Schmerzen chronisch zu werden, bieten sich durchaus auch Opioide an. Dann ist das natürlich definitiv kein Fall mehr für Selbstmedikation“, schließt Gottschling.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 18.02.2019 - 20:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News