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Frauen sind doch wehleidiger als Männer?


In einem Experiment in Zürich wiesen Forscher nach, dass das männliche Geschlecht Schmerzen besser ertragen kann als das weibliche. Bisher wurde diese Meinung genau andersherum gesehen. Man sagte, wenn die Männer Kinder gebären müssten, wäre die Menschheit am Aussterben. Männer könnten gar nicht derartige Schmerzen einer Geburt aushalten. Die Männer stimmten dieser Meinung wortlos zu und damit war klar, dass Frauen stark und Männer wehleidig sind. Trotzdem wollte es die Forscherin Amrei Wittwer im Team um Gerd Folkers von der Universität und ETH Zürich genauer wissen, obwohl die oben genannte Annahme eigentlich niemand bezweifelte.

Immerhin hielt sich diese Meinung schon Jahrhunderte und die neuen Erkenntnisse sollten alles zum Bröckeln bringen. In ihrer Doktorarbeit schrieb Amrei Wittwer über das Thema Schmerz. Sie bringt darin den Mythos, dass Männer schmerzempfindlicher sein sollen als Frauen, ins Wanken. Seit einiger Zeit ist den Wissenschaftlern klar, dass Frauen häufiger über Schmerzen berichten und stärker einschätzen als Männer. In diversen wissenschaftlichen Abhandlungen wird dies belegt. In ihren Experimenten, die Amrei Wittwer am Collegium Helveticum durchführte, wird es nochmals bestätigt. Mit ca. 20 Probandinnen und Probanden wurde in vier Versuchen bewiesen, dass das Ergebnis immer gleich war. Im Mittelpunkt ihrer Studien standen Schmerzuntersuchungen mit „Medoc“ – einem Hitzeschmerzgerät – (Wert 10 000 Franken).

Die Probanden legen das Gerät an ihrem Unterarm an. Zuerst wird die Schmerzschwelle mittels Temperatur bei den Testpersonen bestimmt. Das heißt, die Temperatur wird so lange erhöht, bis sie für die Probanden zu heiß wird. Dabei wurde festgestellt, dass Frauen bis zu 6 Grad weniger Hitze vertragen als Männer. Die Schmerztoleranz liegt also bei Frauen niedriger. Warum diese Schmerzunterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen, ist unbekannt. Es können verschiedene Faktoren dafür in Frage kommen. So ist bewiesen, dass Östrogene in der Lage sind, Schmerzen zu verstärken. Ebenso bewiesen ist, dass Frauen weniger gut auf Schmerzmittel bzw. auf körpereigene Schmerzhemmstoffe ansprechen. Auch ist die Muskulatur der Frau schlechter durchblutet als beim Mann, deshalb leiden sie mehr als Männer unter Hitze- und Kälteschmerzen.

Auf negative Reize reagieren Frauen im Allgemeinen sensibler als Männer. Das können Heavy-Metal-Musik, Horror-Bilder oder eben auch der Schmerz sein. Bei der Hirnbeobachtung unter Schmerzeinfluss wurde festgestellt, dass das weibliche Gehirn eine höhere Aktivität zeigte als das männliche. In der Studie kam auch heraus, dass die Bereitschaft, Schmerzen zu ertragen, bei Frauen und Männern unterschiedlich ausgeprägt ist. Männer wollen Machos sein und sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben, deshalb sind sie eher bereit als Frauen, stumm Schmerzen zu ertragen. Es gab bei jeder Studie unter Amrei Wittwer zwei bis drei Männer, die behaupteten, keine Schmerzen zu spüren, obwohl das Hitzeschmerzgerät „Medoc“ bei 52 Grad Celsius stoppt. Die Testpersonen sollten schließlich keine Verbrennungen erleiden und es wäre auch ethisch nicht zu vertreten, noch höhere Temperaturen einzustellen. Solche heldenhaften Probanden waren für die Studie nicht geeignet.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 08.05.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News