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Frust mit Essen vergessen (Essstörung)


Fressanfälle, die unkontrolliert verlaufen, auch Schuldgefühle und Depressionen: Eine Essstörung, die eher wenig bekannt ist. Es handelt sich um das sogenannte Binge-Eating, ca. 2 % der Deutschen sind davon betroffen.

Zum Beispiel Anja Wolf, 44 Jahre und Frührentnerin, wohnhaft in Nordrhein-Westfalen. Sie ist an Multipler Sklerose erkrankt und leidet an der Essstörung Binge-Eating, vermutlich ist die Krankheit häufig weltweit verbreitet. Anja Wolf sehnt sich nach Geborgenheit und Nähe, fürchtet aber gleichzeitig jeden direkten Kontakt in ihrem Umfeld. Durch Essen versucht sie den Frust in ihrer Seele loszuwerden. Bereits seit eineinhalb Jahren  isst sie schnell und heimlich unkontrolliert große Mengen an Nahrungsmitteln. Danach fühlt sie sich schuldig und sehr schlecht.

Die Deutsche Gesellschaft für Essstörungen hat angegeben, dass ca. 2 % der Menschen an Binge-Eating  erkrankt sind und welches damit häufiger als Magersucht und Bulimie in Erscheinung tritt. Nach Angaben von Experten sind zur Hälfte Männer betroffen. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind enorm: Die meisten Betroffenen leiden psychisch unter ihren Fressanfällen. Sie bekommen Schlafstörungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken.

Auch im sozialen Umfeld und am Arbeitsplatz treten Probleme auf. Sehr häufig ist Binge-Eating mit Adipositas verbunden, welche Bluthochdruck, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schäden am Skelett auslösen kann.

Bei Anja Wolf besteht ein gestörtes Essverhalten seit ihrem zwölften Lebensjahr. Sie äußert resigniert, dass sie seit ca. dreißig Jahren nicht mehr weiß, wie man normal isst. Schon als Kind hat sie unter ihrem Übergewicht gelitten. Magersucht und Bulimie lösten sich später immer wieder ab.

Sie sagt, dass Magersucht bei ihr fünf Mal aufgetreten sei. Exzessive Bulimie sei zwischendurch mit bis zu achtzehn Brechanfällen pro Tag dazugekommen. Die Brechanfälle haben seit Oktober 2010 nachgelassen, dafür entwickelte sich bei ihr die Binge-Eating-Störung.

Unkontrollierte und wiederholende Essanfälle sind ein wichtiges Symptom dieser Störung. Bis zu einem unangenehmen Völlegefühl essen Betroffene hastig und schnell, nicht normal. Obwohl bei den Betroffenen kein Hungergefühl vorhanden ist, werden typischerweise Nahrungsmittel in großen Mengen verzehrt.

Wegen der Anfälle kommt ein deutliches Leiden hinzu. Bei Anja Wolf hat sich ein Hassgefühl auf sich selbst eingestellt, weil sie durch ihr Essverhalten wieder adipös geworden ist. Sie wäre lieber wieder dünn. Sie kann aber nicht hungern, da ihr Übergewicht eine Unterzuckerung ausgelöst hat.

Nach Angabe des Selbsthilfevereins „Hungrig-Online“ e.V. gibt es über die Ursachen keine gesicherten Erkenntnisse. Menschen, die unter Esssucht leiden, haben Studien zufolge Schwierigkeiten, ihre Emotionen richtig zu bewältigen. So sagen viele Betroffene aus, dass Wut, Ärger, Langeweile, Trauer, Stress oder Angst Anfälle auslösen. Weitere Risikofaktoren sind Krankheiten psychischer Art, die in der Familie aufgetreten sind: Missbrauchserlebnisse, Übergewicht in der Kindheit, ein negatives Selbstbild. Depressionen treten bei der Hälfte der Betroffenen auf. Bislang ist ungeklärt, ob die Essanfälle Depressionen auslösen oder umgekehrt.

Als Hauptgrund ihrer Probleme sieht Anja Wolf den sexuellen Missbrauch, als sie noch ein Kind war. Sie bildet sich nun ein, sie könnte ihre Gefühle wegessen. Nach außen will sie vor allem signalisieren, was sie wiederrum gar nicht will, dass niemand sie anfassen soll. Auch glaubt sie, dass andere Menschen sie wertlos finden und nicht mögen, weil sie so dick ist und so viel isst. Aber sie würde sich eigentlich schon über eine Zärtlichkeit freuen.

Unterstützungsangebote gibt es nach Angabe des Selbsthilfevereins „Hungrig-Online“ e.V. zahlreich. Sie richten sich nach dem Gesundheitszustand  des Betroffenen und wie seine Essstörung ausgeprägt ist. Nach oder neben einer therapeutischen Behandlung haben sich viele Betroffene einer Selbsthilfegruppe angeschlossen.

Über„Hungrig-Online“ e.V. kann man Adressen von Beratungsstellen, virtuellen Gruppen und Selbsthilfegruppen erfahren. In den Gruppen kann jeder die mit den Essattacken verbundenen Probleme seelischer und körperlicher Art ansprechen und jeder versucht dem anderen zu helfen.

Begibt sich ein Betroffener in Behandlung, wird in einer medizinischen Untersuchung sein Gesundheitszustand bestimmt. Entweder wird der Kranke gleich in ein Krankenhaus eingewiesen oder eine ambulante Therapie ist ausreichend. In der Regel wird bei der Behandlung eine Therapie kombiniert, unterstützt vom Arzt, Psychotherapeut und Ernährungsberater. Ziel ist es, die psychische Gesundheit wieder zurück zu gewinnen und die mangelhafte Selbstwahrnehmung zu normalisieren.

Experten empfehlen den Betroffenen für ihre Selbsthilfe ein Ernährungsprotokoll zu führen. Darin sollten sie ihre Gefühle vor und nach den Essgewohnheiten dokumentieren. So können leichter die ursprünglichen Gründe für die Essattacken aufgespürt werden. In der Therapie können diese Erkenntnisse dann intensiv besprochen werden.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 25.03.2012 - 10:10 Uhr
Kategorie: Medikamententester News