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„Gebrauchsanweisung“ fürs Hirn


Reizvoll klingt es gerade nicht: sich den Kopf über etwas zu zerbrechen und sich geistig anzustrengen. Aber das Verzichten auf abträgliche Versuchungen fällt dadurch leichter. Hat man Schutz aufgebaut, widersteht man müheloser Spielen im Internet oder Essen.

Diese Erkenntnis könnte den einen oder anderen vielleicht doch dazu anregen, öfter ein gutes Gespräch zu führen oder mal Schach zu spielen. Ist das Gehirn auf dieser Art beschäftigt, kann es uns etwa davor bewahren, auf Süßigkeiten zurückzugreifen oder im Internet Zerstreuung zu suchen. Herausgefunden haben diesen Effekt holländische Psychologen an der Universität Leiden um Lotte van Dillen.

Die Befunde widersprechen nur scheinbar früheren Studien, in denen festgestellt wurde, dass nach anstrengender Kopfarbeit ablenkende Reize willkommen sind. Es kommt aber offenbar auch darauf an, ob man sich beizeiten geistig betätigt – ehe man der Verlockung nicht widerstehen kann. Möchte man sein eigenes Verhalten selbst besser steuern können, ist Vorsorge nötig.

Diesen Verdacht hegte van Dillen schon länger. Zusammen mit ihren Kollegen Wilhelm Hofmann und Esther Papies wollte van Dillen ihre Vermutung in vier Experimenten mit Studenten bekräftigen. Im ersten Experiment bekamen die Probanden die Aufgabe, Abbildungen von Lebensmitteln am Computer einer bestimmten Position zuzuordnen. Es waren darunter so verlockende Dinge wie beispielsweise Süßigkeiten aber auch weniger unwiderstehliche Sachen, wie ein Rettich, dabei. Gleichzeitig sollten einige Probanden während des Experiments im Stillen sich eine Zahl, bestehend aus acht Ziffern, merken.

Das war natürlich geistig sehr anspruchsvoll. Die anderen Probanden brauchten sich nur eine Zahl, bestehend aus einer Ziffer, merken. Das Resultat sah folgendermaßen aus: So waren jene Probanden mit der anspruchsvollen Aufgabe weniger beeindruckt von den süßen und eher ungesunden Speisen. Die Zuordnung der attraktiven und weniger attraktiven Speisen gelang ihnen schnell. Den anderen Probanden gelang das nicht. Der Kuchen wurde beispielsweise länger betrachtet als das Gemüse, ehe es zugeordnet wurde. Eben dieses Augenmerk für etwas Besonderes ist das Einfallstor dafür, um der Verlockung des Naschens zu erliegen.

Möchte jemand diese Erkenntnis im Alltag anwenden, so kann er sich beispielsweise vor der Mittagspause rechtzeitig nach geeigneter Gesellschaft umsehen, mit denen er bei anregendem Gedankenaustausch gemeinsam das Buffet betrachtet und die Speisen auswählt. Nach der Erkenntnis der niederländischen Forscher, wenn es denn klappt, dürfte weniger ungesundes Essen auf dem Teller sein. Aber trifft man die Wahl in Ruhe allein und die Gedanken sind nicht weiter groß beschäftigt, dann finden sich auf dem Tablett öfter ungesunde Nahrungsmittel. Ist man aber intensiv in einem Gespräch vertieft, wird süßem Nachtisch zum Beispiel weniger Aufmerksamkeit geschenkt.

Alle nachfolgenden Experimente wirkten ähnlich. Zum Beispiel griffen Menschen, die keine Kostverächter sind, weniger oft zu Leckereien wenn sie die Aufgabe hatten, sich lange Zahlenreihen zu merken. In diesen Fällen wurde öfter zu gesunden Nahrungsmitteln gegriffen, wie zum Beispiel zu einem Apfel.

Sogar die Reize von attraktiven Frauen hatten keinen Einfluss auf die männlichen Probanden, die sich zuvor geistig anstrengen mussten. Das männliche Hirn scheint dann dafür weniger empfänglich zu sein. Die Probanden schauten sich zumindest unter geistiger Anspannung die Porträts von reizvollen Damen nicht allzu lange an als die von nicht so attraktiven Frauen.

Was kann man daraus lernen? Beispielsweise können Ehefrauen ihren Gatten gegen weibliche Reize immun oder zumindest nicht so anfällig machen, indem sie ihrem Gatten vor einer längeren Dienstreise knifflige Rätsel mitgeben. Allerdings müssen sie auch hoffen, dass er sie dann auch, vor allem am Feierabend, löst.


Von: Stefan Lübker
Veröffentlicht am: 12.01.2014 - 09:58 Uhr
Kategorie: Medikamententester News