Ihr Medikamenten Informationsportal
Wissenswertes für Probanden
Kontaktadressen-Liste für Kliniken

Gefährlicher Feinstaub


In einer aktuellen EU-Studie, an der die Universität Ulm wesentlich beteiligt war, wird belegt, dass Feinstaub auch dann gefährlich ist, wenn die gültigen, aktuellen Grenzwerte eingehalten werden. Das heißt: diese dicke Luft macht Menschen krank.

So vertreten die Lobbyisten aus der Autoindustrie, der IHK (Industrie-und Handelskammer) die Meinung: Das Einführen von Umweltzonen sei Schikane, weil sie wenig bringen. Beweise über das signifikante Sinken der Feinstaubkonzentration durch Umweltzonen in Ballungsgebieten gibt es tatsächlich nicht. Das ist aber noch nicht die ganze Wahrheit: „ Bei Feinstaub handelt es sich um ein Gemisch, welches aus vielen Komponenten zusammengefügt ist“ , äußert Gudrun Weinmayr von der Universität Ulm (Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie).

Zu dieser Kategorie gehören außer Feldstaub, Meersalz, Sahara-Sand auch Emissionen aus Hausbrand, Industrie und Straßenverkehr. Die letzten drei Genannten sind besonders gesundheitsschädlich. Weiter sagt die Wissenschaftlerin, es sei belegt, dass Umweltzonen dazu beitragen, die Emission von Autoabgasen zu reduzieren. Aber nur die Feinstaubkonzentration in ihrer Gesamtheit kann gemessen werden.

Was ist Feinstaub?

Ein Staubpartikel muss kleiner als ein hundertstel Millimeter sein, dann spricht man von Feinstaub. Warum für den Menschen gefährlich? Unsere Lunge schafft es nicht, solch kleine Partikel herauszufiltern. Feinstaubteilchen dürfen in Europa bei einem Durchmesser von höchstens zehn Mikrometern einen mittleren Jahreswert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht übersteigen. Dieser Grenzwert orientiert sich aus den amerikanischen Untersuchungsergebnissen, aber ist er angemessen? Weinmayr bezweifelt das. Schon beispielsweise deshalb, weil besonders in Deutschland, aber auch im übrigen Europa, weitaus mehr Dieselfahrzeuge zugelassen sind als in den USA. Außerdem besitzen amerikanische Fahrzeuge andere Verbrennungsmotoren.

Diese offenen Fragen gaben den Start für eine europaweite Studie, die 2006 begonnen und mit EU-Mitteln gefördert wurde. Die Wissenschaftlerin Weinmayr aus Ulm war wesentlich daran beteiligt. In der Fachzeitschrift „The Lancet Onclogy“ sind in der Publikation „European Study of Cohorts for Air Pollution Effects“ /ESCAPE die Ergebnisse nachzulesen.

Die Wissenschaftler haben sich vorgenommen, die durchschnittliche Konzentration von Stickoxiden und Feinstaub exakt bestimmen zu können. Dafür bauten sie spezielle Mess-Stationen auf. Für das Bundesland Vorarlberg in Österreich war Ulm zuständig. Es wurde dort an zwanzig Orten gemessen. Weinmayr sagt dazu, dass auf diese Weise die durchschnittliche Luftverschmutzung ermittelt werden konnte. Die Studienteilnehmer waren ihr über viele Jahre lang ausgesetzt gewesen.

Abgeglichen wurden die gewonnenen Daten mit dem örtlichen Krebs- und Mortalitätsregister. Für Vorarlberg hatte sich die Angelegenheit gelohnt: Von der dortigen Bevölkerung beteiligten sich zwei Drittel an einem medizinischen Präventionsprogramm, das heißt, von 139 000 Personen standen anonymisierte Daten zur Verfügung. Dazu muss man wissen, dass ca. 300.000 Probanden in der europäischen Gesamtstudie zur Verfügung standen, aber den Löwenanteil leisteten die Vorarlberger.

Weinmayr stellt ein eindeutiges Ergebnis der Studie fest: „Das Risiko für einen Lungenkrebs steigt mit jedem Anstieg der Feinstaubkonzentration.“ Ausdrücklich weisen die Studienergebnisse darauf hin, dass dies auch zutrifft, wenn die Konzentration selbst unter dem europäischen Grenzwert liegt. So entwickelten von den Probanden 2059 Studienteilnehmer Lungenkrebs innerhalb von 13 Jahren. Ein Adenokarzinom wurde besonders oft diagnostiziert. Diese Krebsart tritt auch bei Nichtrauchern auf.

Bereits bei einer um zehn Mikrogramm erhöhten Konzentration kam es laut Studie zu einem um 22 % erhöhten Lungenkrebsrisiko. Die Schussfolgerungen daraus sind noch unklar. Weinmayr sagt, dass kein Schwellenwert für eine Gesundheitsgefahr durch Feinstaub festgelegt werden konnte. Sie empfiehlt aber eine weitere Absenkung des Grenzwertes. Politisch müsste noch einiges passieren und könnte aber nur klappen, wenn die EU sich einig ist.

In nachfolgenden Projekten will man den Zusammenhang zwischen Feinstaub und Krankheiten am Herzen untersuchen.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 19.08.2013 - 23:36 Uhr
Kategorie: Medikamententester News