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Geheime Medikamententests in der ehemaligen DDR


Was damals in DDR-Kliniken ausprobiert wurde, geschieht heute in der sogenannten Dritten Welt sowie in den Schwellenländern. Bis heute ist noch nicht geklärt, ob damals die betroffenen DDR-Bürger richtig informiert wurden über die Behandlung mit Medikamenten, die aus Westdeutschland stammten und von ihren Ärzten aus der DDR verabreicht worden sind.

Geschah es freiwillig, dass die Patienten in der DDR Medikamente einnahmen, die auf dem Markt in Westdeutschland noch nicht zu haben waren? Wurden sie im Unklaren gelassen? Oder griffen Todkranke wie nach einem Strohhalm nach dem vielleicht rettenden Medikament und fragten gar nicht erst? In der DDR waren wirksame Medikamente für spezielle Krankheiten Mangelware.

Das Angebot der westdeutschen Pharmafirmen wurde damals angenommen und heute reagiert die Dritte Welt nicht anders. Pharmakonzerne erproben heute wie damals ihre Arzneien dort, wo es unkompliziert und billig ist. Jetzt wird von deutschen Politikern für DDR-Betroffene eine Entschädigung gefordert. Das ist aber nicht so einfach. Zum Beispiel ist in der Lostauer Lungenklinik bei Magdeburg ein Patient verstorben. Die Todesursache könnte ein unerprobter Blutdrucksenker gewesen sein. Geschah das nach den Tests nun wegen oder trotz des Medikamentes?

Um derartige Unklarheiten aufklären zu können, benötigt man die Akten der Pharmakonzerne. An diese kommt man jedoch nur schwer heran und die Akten der Zulassungsbehörden und Krankenhäuser sind nicht mehr vollständig vorhanden. Von Anfang bis Mitte der siebziger Jahre fanden die häufigsten Tests statt. Nach dem Skandal mit dem Medikament Contergan wurde das deutsche Arzneimittelgesetz 17 x modifiziert, ehe es 1975 seine bis heute gültige Fassung bekam.

Davor wurde auch in Westdeutschland mit Probanden anders verfahren als heute. Die neuen Medikamente wurden nicht gründlich getestet. Auch die Aufklärung der Probanden und ihre Unterschrift entsprachen nicht dem heutigen Standard. Sollten Tausende ehemalige Bürger der DDR gegen ihren Willen, unter Verletzung der DDR- Rechtsvorschriften zu „Versuchskaninchen“ missbraucht worden sein, wäre der Skandal perfekt.

Aber in der DDR war das Gesundheitssystem in Teilen angeschlagen. Ärzte waren oft hilflos bei Behandlungsmöglichkeiten ihrer Patienten und man kann es ihnen nicht verdenken, wenn sie zu den Medikamenten aus Westdeutschland gegriffen haben. In dem Fall sollte man nicht von einem Skandal sprechen. Deshalb ist eine lückenlose Aufklärung über das Devisenbeschaffungsgeschäft, von der Stasi mit eingefädelt, nötig.

Jetzt will die Berliner Charité (hier fanden ca. 50% aller Versuche statt) ein Forschungsprojekt starten, um offene Fragen zu klären. Fraglich ist, ob die Forscher Unterstützung von den Pharmakonzernen bekommen. Es ist nicht zu erwarten. Es könnte dabei eventuell bemerkt werden, dass sich die sogenannten „Billigteststrecken“ von der ehemaligen DDR beispielsweise nach dem heutigen Indien verlagert haben.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 26.05.2013 - 22:28 Uhr
Kategorie: Medikamententester News

 

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