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Gesundheitsnachrichten: Kurzsichtigkeit bei Kindern


© Robert Kneschke - Fotolia.com

Viele Kinder werden durch Spielen am Computer kurzsichtig, denn gerade Kinderaugen reagieren empfindlich auf „Naharbeit“, sei es vor Bildschirmen, Büchern oder elektronischem Spielzeug. Auf der Welt ist jeder Fünfte von Kurzsichtigkeit betroffen, es wird bereits von einer Epidemie globalen Ausmaßes gesprochen.

Die Entdeckung kam von den Medizinern der südkoreanischen Armee. Viele junge Männer, die ihren Dienst bei der Armee antraten, trugen Brillen. Die Ärzte ahnten zwar, dass diese Rekruten schlechte Augen hatten, aber vom Ergebnis waren die Mediziner dann doch überrascht, sie haben sozusagen einen Weltrekord entdeckt.

Die Mediziner begutachteten bei über 23.000 jungen Männern ab 19 Jahren die Befunde. Von den jungen Rekruten waren 96,5% kurzsichtig. Damit wurden von den Ärzten aus Südkorea alle anderen ihnen bekannten epidemiologischen Studien zur Sehschwäche (Myopie) übertroffen. Bei den Rekruten wurde eine Fehlsichtigkeit, die mindestens bei minus 0,5 Dioptrien lag, festgestellt. Jeder 5. Rekrut war hochkurzsichtig, die Fehlsichtigkeit lag bei minus 6 Dioptrien und darüber.

Statt in die Ferne gucken Kinder auf Bildschirme

Diese Bilanz aus Südkorea ist bis jetzt einmalig. Aber auf der ganzen Welt steigt rasant die Anzahl der Kurzsichtigen, es wird schon von einer globalen Epidemie gesprochen. Weltweit ist heute jeder 5. Mensch von Kurzsichtigkeit betroffen und kommt ohne Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr aus, um weiter entfernte Objekte zu erkennen. Zukünftig werden vermutlich noch weit mehr Menschen auf Sehhilfen zurückgreifen müssen, denn viele Kinder hocken viel zu lange vor dem Bildschirm anstatt draußen im Freien zu spielen. Ihre Augen befinden sich noch im Wachstum und werden so dauerhaft geschädigt.

In Asien sind Kinder und Teenager folgendermaßen von Kurzsichtigkeit betroffen: 50% in China, 84 % in Taiwan. In Shanghai wurden 5000 Studentinnen und Studenten untersucht, das Ergebnis kam der Studie aus Südkorea nahe: Die Kurzsichtigkeit lag bei 95,5%.

In Deutschland wurde vor sechs Jahren in Magdeburg bei Augenuntersuchungen von Kindern und Jugendlichen, die in einem Alter von 12 bis 17 Jahren waren, festgestellt, dass von ihnen 21% kurzsichtig waren, bei 18- bis 35-Jährigen waren 41 % betroffen. Es gibt auch einen Zusammenhang mit Bildungsstand und Kurzsichtigkeit.

Aus Rheinland-Pfalz stammen die neuesten Ergebnisse über Kurzsichtigkeit. Bei 14.000 erwachsenen Personen wurden von Medizinern der Mainzer Universitätsklinik die Augen mit Hilfe von Autorefraktometern, die zuverlässig und schnell die Brechkraft der Augen bestimmen können, untersucht.

Die Mediziner stellten bei 35 % der untersuchten Probanden Kurzsichtigkeit fest. Danach wurde deren Bildungsstand verglichen: Bei Hauptschulabschluss waren 27 % von Kurzsichtigkeit betroffen, bei Abitur 51 % und die höchste Quote lag mit 53 % bei einem Hochschulabschluss.

Die Untersuchung wurde von dem Augenarzt Alireza Mirshahi (Mainz) geleitet. Er sagt, dass sich die hohe Zunahme der Kurzsichtigkeit (Myopie), die vor allem in Asien zu vermerken ist, nicht mit Faktoren genetischer Art erklären lässt. 45 unterschiedliche genetische Faktoren seien getestet worden. Einen Einfluss auf den Bildungsstand zum Vergleich hätten sie kaum. Dagegen spreche viel dafür, dass Myopie durch Umwelteinflüsse gefördert werde.

Dass zu viel „Naharbeit“ nicht gut für die Augen ist, haben Ärzte schon länger vermutet. Außer dem stundenlangen Hingucken auf Bildschirme, Tablets und Smartphones gehört auch das Bücherlesen dazu. Wahrscheinlich beeinflusst langes Nah-Sehen die Akkommodation der Augen, sie wird überbeansprucht. Gemeint ist damit der Linsen - Krümmungsmechanismus, er dient zur Scharfeinstellung auf ein naheliegendes Objekt. Gefährdet sind vor allem die Kinder. Krümmen sich deren Linsen zu oft, bedeutet das für ihre Augen einen fatalen Wachstumsreiz. Kurzsichtige Augen sind unnormal lang. Die Auswirkung: Das Bild von der Linse wird, als Voraussetzung für scharfes Sehen, nicht exakt auf der Netzhaut gebündelt, sondern davor.

Neueste Forschungen über das Phänomen kommen zu dem Schluss: Kinder verbringen zu viel Zeit innerhalb geschlossener Räume, verbunden mit künstlichem Licht. Dieser Faktor wurde bisher kaum in Betracht gezogen. Für junge Augen scheint Sonnenlicht gesünder zu sein, als das aus Smartphones und dem Display.

Auch in China und Dänemark kam man zu ähnlichen Ergebnissen mit Hilfe eines Experiments. Im chinesischen Guangzhou, einer Metropole mit 8 Millionen Einwohnern, wurden von Forschern mehrere Hundert Grundschüler auf zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Kindergruppe durfte nach Unterrichtsschluss auf dem Schulhof 45 Minuten herumtoben. Die zweite Gruppe wurde nach Hause geschickt, um gleich ihre Schulaufgaben zu machen.

Die erste Kindergruppe hatte die Möglichkeit, täglich 45 Minuten im Freien, bei Sonnenschein, soweit vorhanden, zuzubringen. Die Kinder wurden regelmäßig von australischen und chinesischen Augenärzten untersucht. Nach drei Jahren zogen sie Bilanz.

Jedes dritte Kind aus der ersten Gruppe war kurzsichtig geworden. Aus der zweiten Gruppe wurden ca. 40 % kurzsichtig. Für die Forscher ist das ein deutlicher und signifikanter Unterschied.

Eine Untersuchung in Dänemark bestätigte die Ergebnisse von Guangzhou. In Dänemark beobachtete man 235 Kinder in einem Alter von 8 bis 14 Jahren ein halbes Jahr lang. Die Augen sämtlicher Kinder verschlechterten sich etwas. Der Grad der Kurzsichtigkeit aber war davon abhängig, wo sich die Kinder tagsüber aufhielten.

Kinderaugen werden geschützt bei Spielen im Freien

Obwohl Dänemark mit Sonnenstunden nicht gerade reich gesegnet ist, war bei den Kindern, die sich viel draußen bewegten, festgestellt worden: Die Achsenlänge der Augen nahm um 0,12 mm zu. Diese verschlechterten sich dabei um -0,26 Dioptrien. Bei den anderen Kindern (Stubenhockern): Die Achsenlänge verlängerte sich im Durchschnitt um 0,19 mm, um -0,32 Dioptrien wurde ihre Kurzsichtigkeit stärker.

Noch können die Wissenschaftler die unterschiedlichen Ergebnisse nicht erklären. Sind Kinder im Freien, werden die nahen Objekte seltener mit ihren Augen fixiert. Anders im geschlossenen Raum, hier könnte sich die Kurzsichtigkeit durch Fixieren auf Bildschirme oder Bücher (dadurch zu häufige Akkommodation) verstärken. Eine Rolle könnte auch das in der Natur vorkommende ultraviolette Licht spielen. Durch dieses Licht setzt der Körper Dopamin und andere Botenstoffe frei. Diese wieder tragen zur Hemmung eines zu starken Augenwachstums und somit einer Kurzsichtigkeit bei, was Tierversuche bestätigt haben. Vitamin D könnte auch ein weiterer Faktor sein, denn bei Sonnenlicht werden Vorstufen des Vitamins mit Hilfe des von der Haut aufgenommenen UV-Lichtes produziert.

Von Forschern in Australien wurde nachgewiesen, dass jenes Drittel ihrer Probanden, die im Blut den höchsten Anteil an Vitamin – D – Vorläufern hatten, ihr Risiko an Kurzsichtigkeit zu erkranken, 40 % niedriger als mit der Vergleichsgruppe lag.

Sind Augen stark kurzsichtig, drohen Komplikationen wie beispielsweise Löcher in der Netzhaut oder eine Netzhautablösung. Hier ist eine Operation nötig. Es kann auch zu schweren Erkrankungen führen, z. B. der „malignen Myopie“. Dabei können neue, krankhafte Blutgefäße im Inneren des Auges einwachsen. Die Folgen sind schwere Sehbehinderung oder gar Blindheit. Mit Hilfe eines Lasers kann operativ Kurzsichtigkeit behoben werden, indem die Hornhautbrechkraft verändert wird. Im jugendlichen Alter sind derartige Eingriffe allerdings umstritten.

Bei Jugendlichen ist oft die Zunahme der Dioptrienzahl (Myopisierung) noch nicht abgeschlossen. Eine Brille ist nach einiger Zeit wieder nötig. Ohnehin ist es preiswerter und einfacher, junge Menschen ins Freie zu schicken. Natürlich ohne ihre Smartphones. Wichtig ist: Kein künstliches Licht, keine Bildschirme.

Der Augenarzt Alireza Mirshahi begrüßt das als eine sinnvolle Maßnahme zur Prävention. Inzwischen ist bewiesen, dass Kinder seltener kursichtig werden, wenn sie im Freien spielen. Eine Nebenwirkung ist bei der guten Neuigkeit nicht von der Hand zu weisen: Menschen, die sich viel im Freien aufhalten, haben ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs. Aber es gibt inzwischen viele gute Sonnenschutzmittel, die man nicht vergessen sollte, vorher aufzutragen.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 14.09.2014 - 18:27 Uhr
Kategorie: Medikamententester News