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Herpes eventuell mit Killerzellen heilbar


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Im Kampf gegen Herpes haben Wissenschaftler am Münchener Helmholtz Zentrum neue Werkzeuge entdeckt. Sollte die Viruserkrankung damit schon bald heilbar sein?

Die meisten Menschen werden ihr ganzes Leben lang von Herpesviren begleitet. Betroffenen macht besonders das Virus Herpes-Simplex zu schaffen, da immer wieder Bläschen im Mundbereich die Infizierten quälen. Die meisten wissen jedoch nichts von ihrer Infektion.

Weiterhin ist besonders das sogenannte Herpesvirus 6 (HHV-6) weit verbreitet. Obwohl es meist harmlos ist, kann das Virus bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem einen Krankheitsausbruch verursachen.

Neue Forschungsergebnisse aus München machen nun Hoffnung. Wissenschaftler vom Helmholtz Zentrum haben Virusbestandteile identifiziert, die von sogenannten Killer-T-Zellen angegriffen werden können. Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen lassen sich möglicherweise im Kampf gegen Herpes neue effektive Therapien entwickeln. Im Fachmagazin PLOS Pathogens sind die Forschungsergebnisse der Virenexperten veröffentlicht worden.

Das humane Herpesvirus 6 wird von der Mehrheit der Bevölkerung bereits im frühen Kindesalter aufgenommen. HHV-6 ist zwar entfernt mit dem Herpes-Simplex-Virus verwandt, ist aber wesentlich gefährlicher. Wenn sich Säuglinge oder Kleinkinder damit infizieren, kann das sogenannte Dreitagefieber ausbrechen. Danach bleibt das Virus im Wirtskörper für das ganze Leben eingenistet.

Die Infektion mit Herpesviren erfolgt bei vielen Menschen nach der Geburt oder im zeitigen Kindesalter. Das Virus wirkt aber erst bei einem geschwächten Immunsystem. Meist hat es dort aber keine gesundheitlichen Auswirkungen. Dennoch stehen HHV-6-Viren in Verdacht, Autoimmunerkrankungen sowie das chronische Erschöpfungssyndrom (engl.: chronic fatigue syndrome) auszulösen. Besonders bei Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem, beispielsweise nach Transplantationen, bricht die Virenerkrankung aus. Schwerste Schäden an verschiedensten Organen können die Folge sein.

Helmholtz-Herpes-Forscher: Konzentration auf Killer-T-Zellen

Für ihre Forschungen richteten die Wissenschaftler vom Münchener Helmholtz Zentrum ein besonderes Augenmerk auf das Immunsystem. Die Virenexperten wollten wissen, wie es einen Ausbruch des Virus verhindert. PD Dr. Andreas Moosmann, Leiter der DZIF-Forschergruppe HOCOVLAR der Abteilung Genvektoren, erläutert: „Wir studieren den Werkzeugkasten des Immunsystems“. Eine weitere Aussage macht Hoffnung auf eine Heilung von Herpes, dass bereits einige interessante neue Werkzeuge entdeckt und nachgebaut werden konnten.

Im Kampf gegen Herpes sind wichtigste Akteure die sogenannten Killer-T-Zellen. Die Forscher wollten unbedingt herausfinden, welche Virus-Strukturen von den Killer-T-Zellen in erster Linie angegriffen werden. Die menschlichen „Killermaschinen“ sondern infizierte Zellen aus und stoppen damit die Vermehrung des Virus im Körper.

Den Forschern um Larissa Martin als Erstautorin und Doktorandin Alexandra Hollaus gelang die Identifizierung von 16 Virus-Strukturen. HHV-6-spezifische Killerzellen können an diesen andocken und angreifen. Beim Analysieren bedienten sich die Wissenschaftler der Mathematik. Sie prüften digital mit einem Algorithmus den Erreger. Dadurch ließen sich etwa 300 mögliche Angriffsstellen identifizieren.

Windpocken und Gürtelrose

Windpocken sind eine weltweit verbreitete Viruserkrankung, deren verursachender Virus der Familie der Herpesviren angehört. Unter den sogenannten Kinderkrankheiten treten Windpocken am häufigsten auf. Für Schwangere ist eine Infektion besonders gefährlich, denn diese kann öfter auch schwer verlaufen. Ein bis zwei Tage nach der Ansteckung treten die typischen Bläschen und Papeln auf. Diese endet fünf bis sieben Tage danach. Komplikationen sind vor allem, dass Bakterien die Papeln und Bläschen angreifen können, dass eine Lungenentzündung auftreten und das Zentralnervensystem beeinträchtigt werden kann.

Es existieren zwei klinische Formen des Virus: klassische Windpocken (Varizellen) und Gürtelrose (Herpes zoster). Bis zur Verkrustung der Bläschen sind Patienten mit Gürtelrose ansteckungsfähig (Schmierinfektionen). An Gürtelrose erkranken Menschen meistens nach dem 50. Lebensjahr. Etwa 20 Prozent der Bevölkerung erkranken einmal im Leben daran, so die Schätzung des Landratsamts Oberallgäu.

16 effektive Angriffsmöglichkeiten für Killer-T-Zellen

Die Helmholtz-Experten entwickelten in der Folge gegen 20 entsprechende Killer-T-Zellen. 16 von ihnen konnten die infizierte Zelle zerstören. Das weckt Hoffnung im Antiherpesvirus-Kampf. In einer Mitteilung vom Münchener Helmholtz Zentrum fasst Andreas Moosmann die Forschungserkenntnisse zusammen: „Als Zielstruktur für das Immunsystem können offenbar recht unterschiedliche Virusproteine dienen. Außerdem beobachten wir regelmäßig bei gesunden Personen T-Zellen gegen diese Strukturen, aber auch bei Transplantationspatienten, die das Virus in Schach halten können“. Seine Mitarbeiterin PD Dr. Johanna Tischer beendet die Mitteilung mit der Aussage, dieses bei einer größeren Patientenzahl zu überprüfen.

Trotz dieser erfreulichen Forschungsergebnisse wird noch einige Zeit vergehen, bis Herpes heilbar ist. Wenn Patienten HHV-6-spezifische Killer-T-Zellen verabreicht werden, könnte möglicherweise ein Ausbruch des Virus verhindert werden. Es liegt aber noch ein großes Stück Arbeit vor uns, so Andreas Moosmann.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 18.05.2018 - 00:14 Uhr
Kategorie: Medikamententester News

 

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