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Hirnströme erkennen Selbstmordrisiko


Der Gedanke, bei depressiven Personen das Selbstmordrisiko rechtzeitig und richtig zu er-kennen, beschäftigt die Forscher schon seit langem. Nun wurde von US-Psychologen entdeckt, dass man doch Selbstmordgedanken mit Hilfe einer Kappe aus Elektroden messen kann. Die Gehirnaktivität wird in Form einer Art Land-karte dargestellt, woraus die Forscher die Gedanken des Patienten „lesen“ können. Dem Patienten selbst sind solche Gedanken noch gar nicht bewusst. Psychologin Aimee Hunter und ihr Forscherteam von der University of California in Los An-geles kamen mit Hilfe der quantitativen Elektroenzephalographie (QEEG) dahinter.

Bei einer EEG bekommen die Patienten auf den Kopf eine Kappe mit Elektroden aufgesetzt. Die Akti-vität bestimmter Hirnregionen wird von den Elektroden gemessen und kann an Kurvendia-grammen abgelesen werden. Bei Hirnverletzungen oder Epilepsie schlagen die Kurven kräftig nach oben und unten aus. Nachdem die Forscher die Messdaten aus den Kurvendiagrammen in einen Rechner eingaben, erstellte dieser mit Hilfe eines speziellen Algorithmusses die Hirnaktivitäten des Patienten auf einer Karte. Mit Hilfe von Medikamenten sollte bei den betroffenen Patienten ihr Gemüt aufgehellt wer-den. In medizinischen Studien konnte nachgewiesen werden, dass ein Zusammenhang zwi-schen der Einnahme der Antidepressiva und Suizidgedanken besteht. Eigentlich sollten die Medikamente ja ein aufgehelltes Gemüt bewirken.

Es wurde bei Personen unter 25 Jahren beobachtet, dass diese eher zu Selbstmordgedanken neigen. Sie folgen eher ihren inneren Im-pulsen. Nach Einnahme der Antidepressiva tritt die gehobene Stimmung später ein, manchmal zu spät. Testpersonen wurden in einer ersten Studie Antidepressiva oder Placebos zum Einnehmen gegeben. Bei den Antidepressiva traten Nebenwirkungen im rechten und mittleren Bereich des Stirnlappens auf. Ein erhöhtes Suizid-Risiko zeigt sich bei den Testpersonen, die Antide-pressiva bekommen hatten. Man schloss das daraus, weil nach bereits einer Woche die Aktivi-tät dieser Hirnregion abgenommen hatte. Dagegen wiesen die Testpersonen, die Placebos ein-genommen hatten, eine erhöhte Hirnaktivität auf. Nach dieser ersten Studie startete Aimee Hunter und ihr Forscherteam eine zweite Studie. Daran nahmen 72 Testpersonen teil. An ihnen wurde zwei Monate lang QEEGs vorgenom-men. 48 Stunden nach Beginn der Studie das Erste und die anderen nach einer, zwei, vier und acht Wochen.

Außerdem bekamen die Probanden Fragebögen zum Ausfüllen. Es wurde zum Beispiel nach der Stimmung gefragt oder ob Selbstmordgedanken vorliegen. Selbstmordgedanken hatten diejenigen Probanden eingeräumt, die Antidepressiva eingenom-men hatten. Bei ihnen zeigte sich schon nach 48 Stunden ein deutliches Nachlassen der Aktivität in der zentral-rechten Stirnlappen-Region. Bei Probanden, die keine Selbstmordgedanken äußerten aber auch Antidepressiva bekommen hatten, war der Rückgang der Hirnregionen-Aktivität 6mal niedriger. Bei allen Probanden glich sich die Aktivität der Stirnlappen-Region nach zwei Wochen wieder an. Mit Hilfe der QEEGs konnte Hunter nachweisen, dass die Suizid-Gefahr bei derart behandel-ten Patienten erst nach Wochen in Erscheinung tritt und man rechtzeitig darauf reagieren muss. Depressionserkrankungen könnten gezielter behandelt werden.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 28.04.2010 - 21:19 Uhr
Kategorie: Medikamententester News