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HIV-Medikamente minimieren Übertragungsrisiko


© Maksym Yemelyanov - fotolia.com

Eine große Studie bestätigte den Effekt der antiretroviralen Therapie. Dennoch konnten die Forscher hinsichtlich des HIV-Infektionsrisikos keine Entwarnung geben.

Die bisher größte Untersuchung, es nahmen fast 900 Paare daran teil, zeigte, dass durch die Einnahme von Aids-Medikamenten das Übertragungsrisiko des HI-Virus bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr fast gegen Null tendiert. Dies wurde jetzt im „Journal of the American Medical Society“  („JAMA“) veröffentlicht.

Den an der Studie teilnehmenden HIV-positiven Probanden wurden regelmäßig antiretrovitale Medikamente verabreicht, welche im Körper die Virusmenge unter die Nachweisbarkeit bringen können. Dabei musste die Virus-Konzentration kleiner als 200 Partikel pro Milliliter Blut unterhalb der antiretroviralen Therapie betragen. Die HIV-negativen Partner erhielten regelmäßige Untersuchungen auf eine eventuelle Infektion.

Die Paare gaben in Fragebögen Auskunft über ihr Sexualleben. Dabei wurden für die Auswertung die Daten von  888 Paaren herangezogen. Es handelte sich dabei zu fast 62 Prozent um heterosexuelle Paare, der Rest waren homosexuelle Männer. Laut Studie kam es dabei zu etwa 58.000 ungeschützten  Sexualkontakten.

An der Studie waren insgesamt 75 europäische Aids-Zentren beteiligt. Auch Spezialisten der Innsbrucker und Wiener Universitätsklinik befanden sich darunter, so Robert Zangerle von der Universitäts-Hautklinik in Innsbruck als auch Armin Rieger von der Universitäts-Hautklinik Wien. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich auf durchschnittlich 1,3 Jahre pro Paar. Während dieser Zeit gab es keinen einzigen Fall der Ansteckung des HIV-negativen Partners durch den infizierten Partner.

Das war aber durch wissenschaftliche Untersuchungen bereits grundsätzlich  belegt. In einem Schweizer Expertenstatement hieß es schon 2008: „Eine HIV-infizierte Person mit vollständig supprimierter Virämie ohne eine andere sexuell übertragbare Krankheit unter einer antiretroviralen Therapie ist sexuell nicht infektiös. Sie gibt also über Sexualkontakte das HI-Virus nicht weiter.“  Die antiretrovirale Therapie unterdrückt stark die Viruskonzentration. Dadurch wird das Infektionsrisiko drastisch gesenkt. Das geht aus mehreren Beobachtungsstudien hervor, von denen eine 14 Jahre lang dauerte.

Es gibt aber noch keine generelle Entwarnung. Dazu äußern sich die Autoren der neuen Studie eher noch vorsichtig. Es müssten noch weitere Forschungen angestellt werden, um über die grundsätzliche Unbedenklichkeit von ungeschütztem Sex eine Antwort zu erhalten, so das Forscherteam um Alison Rodger  vom Londoner University College. Es gäben allerdings den betroffenen Paaren die derzeitigen Befunde Informationen zur Hand, mit denen sie die eigenen Risiken einschätzen könnten.

Elf vorher nicht infizierte Männer infizierten sich zwar im Verlauf der Untersuchung mit dem HI-Virus, doch Molekularuntersuchungen hätten ergeben, dass das Virus nicht vom infizierten Partner stammte. Von diesen elf hatten acht vorher ungeschützten Sex mit anderen gleichgeschlechtlichen Männern.

Zu den Befunden der Studie nahmen die Infektionsforscher Katya Corado und Eric Daar von der University of California Stellung. Sie rieten von einer generellen Entwarnung ab. Bei einer medikamentösen Behandlung sei zwar das Infektionsrisiko „gering“, aber zur genauen Abschätzung dieses Risikos seien weitere Untersuchungen vonnöten, so die Experten.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 18.07.2016 - 13:29 Uhr
Kategorie: Medikamententester News