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Imaginäres Essen verringert den Appetit


An die Lieblingsspeise dürfen Diätwillige mit ruhigem Gewissen denken – ja, sie sollten es sogar. Denn die intensive Vorstellung von einem bestimmten Gericht soll das Verlangen danach verringern.

Jedenfalls kamen US-amerikanische Wissenschaftler bei Versuchen mit freiwilligen Probanden dahinter, dass unter zwei Voraussetzungen der Trick mit der Phantasiespeise klappt. Erstens muss man sich gedanklich mit demjenigen Lebensmittel beschäftigen, welches danach auch serviert wird. Zweitens soll man sich genau vorstellen, wie man die Speise dann verzehrt.  Hier reichen die Gedanken an etwas Leckeres nicht aus, um das Begehren danach zu bremsen. Dass der Gedanke an Essen den Appetit steigere, ist eine der althergebrachten Vorstellungen. Aber das widerlegt eine Studie, die der Wissenschaftler  Joachim Vosgerau und sein Team von der Carnegie Mellon University Pittsburgh durchführten. Im Fachjournal „Science“ veröffentlichten sie darüber einen Bericht.

In früheren Studien konnte belegt werden, dass allein schon der Gedanke und vor allem das Anschauen eines beliebten Essens in der Regel einen großen Appetit auslöst. Ähnliche Gefühle werden bei einer tatsächlichen Betrachtung und bei einer mentalen Vorstellung ausgelöst. Diese bewirken dieselben, bereits bekannten neuronalen Abläufe im Gehirn. Wie und ob sich die gedankliche Vorstellung vom Verzehr eines bestimmten Lebensmittels auf den Appetit auswirkt, wollten die Wissenschaftler um Joachim Vosgerau in ihrer neuen Studie herausfinden. 

An der Studie nahmen 51 Probanden teil. Sie sollten sich vorstellen, 33-mal bestimmte Handlungen zu wiederholen. Der eine Teil der Probanden malte sich aus, in einen Waschautomaten 33 Geldstücke zu werfen. Der andere Teil der Probanden sollte sich vorstellen, 30 Geldstücke in den Automaten zu stecken und danach drei Schokolinsen zu verzehren. Der dritte Teil der Probanden bekam die Aufgabe, 33 Schokolinsen im Geist zu verzehren. Zum Schluss boten die Forscher allen teilnehmenden Probanden eine ganze Schüssel voller Schokolinsen an. Die Probanden durften nach Herzenslust jede Menge davon essen. Interessanterweise langten diejenigen Probanden, die gedanklich schon 33 Schokolinsen gegessen hatten, weniger zu, als diejenigen aus den anderen beiden Gruppen.

Nun änderten die Forscher das Experiment. Jetzt sollten die Probanden im Anschluss Käsehäppchen zu sich nehmen anstelle von Schokolinsen. Das Ergebnis war, dass alle Probanden gleichmäßig zulangten. Der Test wurde nochmals wiederholt, dabei sollten sich die Probanden vorstellen, sie äßen Käsewürfel anstelle Schokolinsen. Jetzt sah das Resultat ganz anders aus: weniger als die anderen Probanden aßen diejenigen, die in Gedanken bereits 33 Käsewürfel gegessen hatten. Das klappte aber nur, wenn die Probanden wirklich intensiv gedanklich die Käsewürfel zu sich genommen hatten. Der Gedanke allein an die verführerische Leckerei brachte keine Wirkung.

Möglicherweise könnten die Ergebnisse übertragbar auf das Verlangen nach beispielsweise ungesunder Nahrung oder auch Drogen sein. So die Hoffnung der Wissenschaftler. In der Studie kommt zum Ausdruck, dass das menschliche Verhalten auch vom Vorstellungsvermögen geprägt ist und nicht nur von den äußeren Eindrücken auf die Sinne, wie Schmecken, Sehen, Tasten oder Riechen.  Viel kleiner, als bislang angenommen, ist vermutlich der Unterschied zwischen Vorstellung und realer Erfahrung.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 29.12.2010 - 23:13 Uhr
Kategorie: Medikamententester News