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Krankenkassen haben fehlerhafte Abrechnungen festgestellt


Offenbar zugenommen haben die Betrugsfälle im Gesundheitswesen der Hauptstadt. Im Zeitraum von Oktober 2010 bis Ende 2011 haben die Ersatzkassen in der Berliner Region zahlreiche fehlerhafte Abrechnungen bei Therapeuten, Ärzten und Kliniken aufgedeckt. Wie vom Verband der Ersatzkassen mitgeteilt worden ist, sind für diesen Zeitraum 2,5 Millionen Euro von den Mitgliedskassen eingefordert worden, die aus 210 Manipulationsfällen stammen. Eingegangen sind bereits 1,9 Millionen Euro.

Eine Verbandssprecherin sagte, dass die Hauptstadt bei  Betrugsverdachtsfällen an der Spitze liege. In Berlin und Brandenburg wurde ein deutlicher Anstieg registriert. So betrug der Gesamtschaden im gleichen Zeitraum vom vergangenen Jahr bei insgesamt  178 Fällen in Berlin und Brandenburg 1,4 Millionen Euro, davon war Berlin mit 139 Fällen beteiligt.

Für die letzten Abrechnungsskandale sorgten die ambulanten Behandlungszentren der DRK-Kliniken, das private Helios-Krankenhaus  Berlin-Buch und Vivantes, ein kommunaler Klinikkonzern. Der größte Schaden, 1,8 Millionen Euro für die Ersatzkassen, wurde von den DRK-Kliniken verursacht. Aber das ist eine Ausnahme, sonst handelt es sich in der Regel um deutlich niedrigere Summen, die sich bei wenigen Tausend Euro bewegen. Falsche Abrechnungen seien vorrangig bei  der ärztlichen Anordnung von Heil- und Hilfsmitteln aufgetreten, bei Massagen, Physiotherapien, Bädern oder bei Hörgeräten und Prothesen.

Sozialstaatssekretär Michael Büge (CDU) bewertete die ambulanten Pflegeleistungen als „mafiöse Strukturen“: so arbeite von den mehr als 500 Anbietern ca. jede dritte betrügerisch.  Diese Aussagen von Michael Büge wurden von den Pflegeverbänden zurückgewiesen. Auch die Krankenkassen sind mit der Meinung des Sozialstaatssekretärs nicht einverstanden, alle Anbieter generell zu verdächtigen.

Der Eindruck zunehmender Betrugsfälle wurde jedoch von der größten regionalen Krankenkasse, der AOK, bestätigt. Wachsende Sensibilisierung bei den Mitarbeitern, Versicherten und Angehörigen könnte dabei eine Rolle spielen. So verfügt inzwischen jede Krankenkasse über eine Stelle, die Missbrauch verfolgen und aufdecken soll. Die AOK Nordost wies im vergangenen Jahr in 431 Fällen Betrügereien oder Fehlverhalten nach. Der Schaden belief sich auf 1,6 Millionen Euro. So stellte die AOK allein im Pflegebereich in den ersten acht Monaten von 2011 bei insgesamt 110 ambulanten Diensten Fehlverhalten fest. Der Schaden belief sich in sechsstelliger Höhe.

Die Kassen melden auch der Staatsanwaltschaft die Betrugsfälle. Derartige Verfahren würden jedoch oft niedergeschlagen. Der Grund könnte, nach Ansicht der Kassen, darin liegen, dass die Ermittlungsbehörden überfordert sind. Es fehlt ihnen an Fachwissen über die verwickelten Strukturen des Gesundheitswesens. Deshalb wird von den Geldgebern der Gesundheitsleistungen eine Schwerpunktstaatsanwaltschaft gefordert. Diese soll sich nur auf die Betrugsfälle bei Ärzten, Apotheken, Kliniken oder Therapeuten konzentrieren. Die Krankenkassen beklagen, dass die Sonderkommission Medikus nicht mehr aktiv ist. Hier haben früher die Berliner Polizisten das Gesundheitswesen überwacht.

Eine Verurteilung wie beim Fall eines Apothekers, der wegen Betruges im Mai 2011 zu fast sieben Jahre Haft verurteilt wurde, ist selten. Der Schaden, den der Apotheker verursacht hatte, betrug 11 Millionen Euro.

Schäden in dieser Größenordnung sind eher die Ausnahme, meist handelt es sich um mehrere Tausend Euro.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 14.03.2012 - 21:20 Uhr
Kategorie: Medikamententester News