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Künftig können Schmerzpatienten von legalem Hanfanbau profitieren


© Dmitriy Syechin - Fotolia.com

Das Verwaltungsgericht in Köln fällte vor kurzem ein Urteil, welches einige Schmerzpatienten berechtigt, für ihren Eigenbedarf Cannabis anzubauen. Für den legalen Hanfanbau sind jedoch gewisse Bedingungen nötig, die die Betroffenen erfüllen müssen.

Nach dem Urteil erhalten nur bestimmte chronisch erkrankte Patienten die Vergünstigung. Ihnen wird zugestanden, für ihren Eigenbedarf die bisher illegale Droge Cannabis zu Hause anzubauen. Jedoch müssen dafür die Betroffenen einige Bedingungen einhalten. Günter Weiglein, ein Kläger aus Würzburg, erläuterte in einem Interview mit „Stern.de“ dazu u.a., was künftig die betroffenen Patienten beachten müssen, wie ihre Klage zustande kam und wie groß dadurch ihre Kostenersparnis ist.

Bereits seit längerem wird in Deutschland Cannabis als Medikament verwendet. Auch ist die Wirksamkeit nachgewiesen und dokumentiert, beispielsweise bei Erbrechen, Übelkeit, Kachexie (bei dieser Erkrankung magern die Patienten stark ab und leiden unter extremem Untergewicht). Manche Experten schlagen sogar bei Appetitlosigkeit Haschisch oder Marihuana vor. Außerdem hat Cannabis eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung. Auch sind Nebenwirkungen gegenüber den meisten Arzneimitteln deutlich milder. Schmerzpatienten sei es daher erlaubt, sich in der Apotheke Blüten und Präparate aus Cannabis zu besorgen. Dafür sind bestimmte Voraussetzungen sowie eine Genehmigung der Bundesopiumstelle des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erforderlich, berichtet „Stern.de“.

Leider werden die Kosten von den Krankenkassen nicht übernommen. So kostet in der Apotheke das pflanzliche Produkt 15 bis 18 Euro. Weiglein erklärte dazu in seinem Interview, dass ihm der Konsum monatlich 900 Euro kosten würde. Er erlitt vor zehn Jahren einen Motorradunfall, seitdem hat er chronische Schmerzen an Schulter, Becken und Knie. Die weiteren Kläger leiden ebenfalls an chronischen Schmerzen, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder MS (Multipler Sklerose). Weiglein sagte weiter, dass er zu Cannabis über einen Freund gekommen sei. Von ihm bekam er einen Joint und danach fühlte er sich schnell besser: Die Muskeln begannen sich zu entspannen, bereits nach einer halben Minute ließen die Schmerzen nach.

So wie viele weitere klagende Schmerzpatienten in Deutschland verfügten sie zwar über die Erlaubnis, sich in der Apotheke Cannabis-Blüten zu besorgen und dann einzunehmen, aber finanziell gibt es für sie keine Unterstützung. Viele müssen darauf verzichten, weil sie es sich nicht leisten können. So würde die Erlaubnis, Cannabis selbst zu Hause anzubauen, für viele eine enorme Kostenersparnis sein. Weiglein hat berechnet, dass Anbau und Pflege von Cannabis nur etwa zehn Prozent des Apothekenpreises beansprucht. Für die Kläger ändert allerdings das Kölner Verwaltungsgerichts-Urteil zunächst noch nichts, denn eine Genehmigung für den Eigenanbau haben sie noch nicht.

Das endgültige klare Urteil des Gerichts steht noch aus, ungewiss ist die Entscheidung. Das BfArM hat zwar die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen sowie für den Anbau strengere Sicherheitsauflagen zu fordern, als es den Klägern derzeit möglich ist. Laut „Stern.de“ äußerte eine Sprecherin von BfArM, dass man erst auf die Urteilsbegründung warte, eher werde vom BfArM nichts entschieden.

Das Bundesinstitut lehnte den Antrag von Weiglein unter anderem auch deshalb ab, weil in einer privaten Wohnung der Cannabis-Anbau offen für jeden sichtbar sei. Einen Zugang zu der Droge hätten beispielsweise die Nachbarn, Gäste oder gar Einbrecher. Laut BfArM gibt es Richtlinien: So muss Eigenanbau einer strengen Sicherung von Betäubungsmittelvorräten unterworfen sein, die Türen müssen speziell gesichert sein. Das Urteil sieht es als wichtig an, dass vom betroffenen Patienten alle „zumutbaren Alternativen zur Behandlung“ ausgeschöpft worden sind. Zudem hat er sicherzustellen, dass nur er allein und keine weiteren Personen Zugang zu den Pflanzen hat.

Das Gericht befand in dem Fall von Weiglein die Sicherheitsvorkehrungen für angemessen. Weiglein sagte, dass er laut Gericht die Pflanzen genau wie geplant anbauen könnte, genauso wie sein Vorschlag an dem BfArM gerichtet war: Er bewohnt eine 3-Zimmer-Wohnung mit einer Abstellkammer. In der Kammer ließe sich gut ein Gewächshaus – zwar klein – mit dem entsprechenden Zubehör, einrichten. Auch ist die Kammer abschließbar. Hanf sei nicht kompliziert anzubauen, schreibt „Stern.de“ zum Abschluss. Nur wenige Dinge sind nötig: Gewächshaus, eine spezielle Beleuchtung, sowie ein Filter, der den starken Geruch aufnimmt. Problematisch sei es, an Samen und Stecklinge heranzukommen. In Österreich sind sie zwar legal zu erwerben, aber nach Deutschland ist die Einfuhr verboten.

 


Von: Stefan Lübker
Veröffentlicht am: 03.08.2014 - 14:58 Uhr
Kategorie: Medikamententester News