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Manche Leute brauchen ein negatives Feedback


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Zu ihrer Zufriedenheit benötigen manche Menschen ein negatives Feedback. Für den gesunden Menschenverstand ist das zwar ein Widerspruch, aber im Alltag kann man das immer wieder beobachten.

Dieses Phänomen hat William Swann (Universität von Texas in Austin) eindrucksvoll beweisen können. Er vertritt die These, dass selbstbewusste und sich als kompetent einschätzende Menschen den Drang verspüren, sich mit solchen Menschen zu umgeben, die diese Charaktereigenschaften bestätigen können.

Doch Swann entdeckte noch etwas anderes: Seine These trifft nicht nur auf selbstbewusste Menschen zu. Auch Menschen, die sich selbst als negativ beurteilen und über ein geringes Selbstwertgefühl verfügen suchen nach Menschen, die ihr Selbstbild bestätigen.

Das Gefühl zu haben, ihre Mitmenschen und ihre Umwelt richtig einschätzen zu können und eine Vorhersage ihrer Reaktionen zu treffen, ist sehr wichtig für diese Menschen. Aber ein Feedback, welches der Selbstwahrnehmung nicht entspricht, ist störend für diesen Eindruck der Berechenbarkeit und Kontrolle. Auf diese Menschen mit geringem Selbstwertgefühl haben daher negative Rückmeldungen eine beruhigende, bestärkende Wirkung.

In einer Studie bewies Swann, dass Menschen mit negativem Selbstbild oft mit solchen Partnern verheiratet sind, die dieses negative Bild bestätigen. Daher arbeiteten in einer Versuchsanordnung Probanden mit geringem Selbstwertgefühl bevorzugt mit solch einem Prüfer zusammen, der die Probanden negativ bewertete.

Zuweilen lässt sich das Phänomen auch am Arbeitsplatz beobachten, bei Kollegen oder bei dem Mitarbeiter, der gegenüber am Schreibtisch sitzt. Kennen sie zum Beispiel Mitarbeiter, die stets gute Arbeit leisten und bei einem Lob vom Chef vor anderen am liebsten in einem Mauseloch verschwinden würden? Dann ist ja alles klar …

Gegen diese eigentlich schlimme Situation kann man etwas unternehmen: Solche Menschen müssen in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt und motiviert werden. Dabei ist es ganz wichtig, langsam und in kleinen Schritten vorzugehen.

Da gibt es zum Beispiel die Sandwich-Methode: Hier wird normalerweise mit einem Lob begonnen, danach ein Fehler angesprochen und zum Schluss mit einem Lob geendet. Die Kritik wird also angenehm verpackt und wird dadurch besser verkraftet.

Bei unsicheren Mitmenschen empfiehlt aber Swann, in umgekehrter Weise vorzugehen: An erster Stelle sollte ein Teil von seiner negativen Selbstwahrnehmung bestätigt werden und erst danach seine Stärken hervorgehoben werden, die dann wiederum mit Schwachstellen enden sollten.

So abstrus das alles klingt, es ist aber eine Möglichkeit, um aus der Negativspirale herauszukommen.

 


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 23.12.2014 - 19:34 Uhr
Kategorie: Medikamententester News