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Maximal sieben Medikamente


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Arzneimittel sollten eigentlich heilen, sie können aber auch schaden. Da Patienten zu wenig über ihre Medikamente wissen, will das Uniklinikum Leipzig diesen Zustand mit einem Zentrum für Arzneimittelsicherheit abändern. Deshalb sprach Steffen Klameth mit Roberto Frontini (64), dem Leiter der dortigen Krankenhausapotheke.

In der Heil- und Arzneimittelwerbung hört man immer wieder: „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.“  Wird das tatsächlich getan und von wie viel Menschen?

Roberto Frontini antwortet: Leider nur von wenigen. In der Regel informieren die Ärzte ihre Patienten gut über die Art und Weise, wie die Medikamente einzunehmen sind. Das haben Untersuchungen ergeben. Jedoch in der Apotheke fällt das mangelnde Wissen der Patienten auf. Das Zentrum für Arzneimittelsicherheit soll nun dafür sorgen, die Kenntnisse der Patienten zu verbessern.

Was für Fehler können bei der Einnahme von Arzneimitteln gemacht werden?

Oft wird die Verschreibung missachtet und der Patient nimmt beispielsweise statt einer Tablette zwei. Damit wird aber die Therapie gefährdet. Oder es werden bestimmte Hilfsgeräte nicht richtig benutzt,  etwa bei Inhalation. Auch haben verschiedene Arzneimittel oft unterschätzte Wechselwirkungen. Als Beispiel sei das Johanniskraut genannt, durch das die Wirkung mancher Medikamente geschwächt oder gar unterdrückt wird, so auch die der Anti-Baby-Pille.

Kann man etwas tun, damit die Vorgaben besser eingehalten werden?

Auf technischem Wege lässt sich schon einiges machen. Tabletten sollten beispielsweise besser zu schlucken sein und auch gut schmecken. Für Kinder, die keine süßen Säfte mögen, testet man die Verabreichung der Arznei in Kapseln. Grundsätzlich sollte nur die wirklich nötige Menge an Medikamenten eingenommen werden.

Oftmals liest sich so ein Beipackzettel wie eine Drohung. Ist das wirklich alles so ernst zu nehmen?

Ja und nein. Von den Herstellern wird laut Gesetz der Hinweis auf alle infrage kommenden Risiken verlangt. Aber unerwünschte Nebenwirkungen hat nun mal jedes Medikament. Ausschlaggebend für ein gutes Medikament ist, dass die gewünschte Wirkung eindeutig die unerwünschten Nebenwirkungen überwiegt.

Ein ungutes Gefühl bleibt jedoch meist, weil vieles dabei unverständlich ist.

Mein Rat ist, man sollte weniger ängstlich sein, denn Ängste bringen uns nicht weiter. Wichtig ist eine bessere Patienten-Aufklärung, damit die Anweisungen und Verordnungen verstanden und eher befolgt werden. Das Thema Arzneimittelsicherheit wurde früher lediglich unter dem Blickpunkt Wirkung-Wechselwirkung behandelt. Nach heutiger Erkenntnis spielt die Handhabung aber ebenso eine wichtige Rolle. An Herzinfarkt sterben von 10.000 Personen sechs, jedoch an Medikationsfehlern drei.

Mit zunehmendem Alter schlucken die Menschen immer mehr Tabletten. Wie viele Arzneimittel kann man denn gleichzeitig einnehmen? Ist das überhaupt noch gesund?

Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. Es ist allerdings bekannt, dass die Patienten schon aus praktischen Gründen beim Einnehmen von sechs oder sieben Medikamenten überfordert sind. Hinzu kommen noch die Wechselwirkungen.

Also sollten die Ärzte genauer hinsehen, wem sie was verschreiben?

Das betrifft nicht nur die Ärzte. Die Therapie sollte, bedingt durch das breite Wissen über Medikamente, eigentlich immer im Team erfolgen. Das bedeutet einen Dialog zwischen Arzt und Apotheker. Dem Patienten dient diese Zusammenarbeit. In anderen Ländern ist das bereits Realität.

Immer öfter leiden Patienten unter mehreren Krankheiten gleichzeitig. Medikamente einfach weglassen? Das kann man doch nicht.

Es gibt natürlich multimorbide Patienten. Sie benötigen verschiedene Medikamente. Sinnvoll wären beispielsweise Wirkstoffkombinationen. Dennoch ist immer die Notwendigkeit für bestimmte Medikamente zu hinterfragen, besonders bei chronischen Krankheiten. Entsprechende Medikamente verlängern beispielsweise bei überhöhten Blutfettwerten das Leben eines 75-Jährigen kaum, jedoch verursachen sie häufig eine Muskelschwäche. Jeder Mensch trägt Krankheiten in sich. Das müssen wir lernen. Ob sie behandelt werden müssen, entscheidet allein die Dosis.

Die Packungsbeilage,

auch Beipackzettel genannt, dient der Information über die richtige Anwendung, über Risiken und Nebenwirkungen des Medikamentes. Was heißt denn aber…

Vor dem Essen:  Wenigstens  ½ Stunde vor der Mahlzeit.

Auf nüchternen Magen: Vor der Einnahme wenigstens 4 Stunden nichts essen. Wasser und ungesüßter Tee sind erlaubt.

Einnahme mit viel Flüssigkeit: Wenigstens ein Glas Wasser, nichts Alkohol- oder Koffeinhaltiges, nichts Heißes.

Gelegentliche Nebenwirkungen: Die Nebenwirkung ist bei unter zehn von 1000 Behandelten aufgetreten.

Nebenwirkungen unbekannt: Aus den bekannten Einzelfällen lässt sich eine Häufigkeit des Auftretens nicht bestimmen.


Von: Stefan Lübker
Veröffentlicht am: 17.09.2015 - 19:55 Uhr
Kategorie: Medikamententester News