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Medikamentenpreise werden vom Bund gesenkt


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Mit dieser neuen Regelung wird es an Kritik nicht fehlen, kündigte Gesundheitsminister Alain Berset auf der Medienkonferenz an. Die niedrigeren Medikamentenpreise sorgen für Befürworter aber auch für Gegner. Der von Alain Berset gewählte Mittelweg sollte gegenüber beiden Seiten für Konzessionen sorgen, aber zufriedengestellt wurde letztendlich niemand. Aber die angekündigten Maßnahmen zeigen an, dass Medikamente billiger werden.

1. Welche Auswirkungen erwarten Prämienzahler?

Pauschal wurden in den vergangenen drei Jahren die Preise für kassenpflichtige Medikamente um 600 Millionen Franken gesenkt. Dadurch stiegen durch diese Einsparungen die Prämien weniger stark an. Es ist zweifelhaft, ob sich zukünftig ein ähnlicher Betrag einbehalten lässt. Der Bundesrat hat vor, das Kostenwachstum für Arzneimittel zu stabilisieren.

2. Bedeutet Stabilisieren, dass die Preise nicht weiter nach unten gehen?

Die Preise für Arzneimittel werden nach wie vor mit denen im Ausland angepasst, deswegen kann man davon ausgehen, dass sie weiter sinken. Bei der letzten Preisanpassung fiel der Eurokurs von 1,29 Franken auf 1,05 Franken im Vergleich zum vergangenen Jahr. Sparpotenzial ist also vorhanden.

3. Wann kann mit niedrigeren Preisen gerechnet werden?

Eine Neuberechnung der Medikamentenpreise findet in diesem Jahr nicht mehr statt. Mit fallenden Preisen kann man voraussichtlich Anfang 2016 rechnen, aber auch nur für ein Drittel aller Arzneien. Bis bei allen Arzneimitteln die Preise angepasst sind, werden drei Jahre vergehen. Das ist ärgerlich für die Versicherer und den Konsumentenschutz. Von ihnen wird gefordert, die Preise sofort anzupassen und jährlich zu überprüfen. Das bedeutet: Alle Preise sind auf einmal zu senken.

4. Sind Einsparungen von ca. 800 Millionen Franken realistisch?

Auf eine Schätzung wollte sich der Bundesrat nicht einlassen. Mehrere Gründe sprechen diesem Ziel, zumindest kurzfristig, entgegen. Denn nicht nur im Vergleich mit dem Ausland hängt der Preis eines Arzneimittels ab, sondern es spielen auch Vergleiche mit Arzneimitteln, die eine ähnliche Wirkung haben, eine Rolle. Es kann also sein, dass Medikamente in der Schweiz zukünftig noch teurer als im Ausland sind. Die Entscheidung des Bundesrates lautet: Kein Unterschied über 5 %. Außerdem ist aus Sicht der Versicherer die Marge, die Apotheker und Ärzte für jedes verkaufte Arzneimittel erhalten, zu hoch. Wichtig zu wissen: Vorerst gibt es keine Veränderung bei den Generikapreisen.

5. Weshalb werden vom Bundesrat die Preise nicht radikaler gesenkt?

Die Preise für Arzneimittel werden staatlich nach gewissen Regeln festgelegt. Der Spielraum ist aber begrenzt: Entweder entsteht der Preis durch einen Preisvergleich mit dem Ausland oder durch einen solchen mit einer Arznei ähnlicher Wirkung. Der Bundesrat teilte mit, dass Berset eine Mischrechnung in Betracht gezogen hat, einmal, um ein Entgegenkommen gegenüber der Pharmaindustrie zu zeigen und zum anderen für die Erhaltung der guten Rahmenbedingungen der Schweizer Forschung.

6. Weshalb werden Generika nicht angetastet?

Laut Ankündigung des Bundesrates soll Ende des Jahres eine Vorlage präsentiert werden. Sie soll zeigen, wie die Verwendung von Generika gesteigert werden könnte zum Verhältnis der Originalpräparate. Was andererseits zu einer Preissenkung hiesiger Generika führen könnte. Sie sind, laut Berset, ca. 50% höher als im Ausland.

7. Warum passiert jetzt noch nichts?

Nur durch eine Gesetzesänderung können neue Maßnahmen umgesetzt werden und das Parlament muss darüber abstimmen. Einfach wird die Umsetzung nicht, denn die Hersteller von Generika und die Apotheker sind mit der Tiefstpreis-Politik nicht einverstanden.

8. Wirken sich niedrigere Medikamentenpreise auf Kosten im Gesundheitswesen aus?

Da immer wieder neue und teurere Arzneimittel hergestellt werden, können die Kosten höchstens gebremst werden. Im Gesundheitswesen betragen die Kosten für Medikamente ca. 20 %.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 26.05.2015 - 19:57 Uhr
Kategorie: Medikamententester News