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Medizinische Studien sind oft schlampig


Weit verbreiteter als angenommen sind Schlampereien in der Forschung. Bei medizinischen Studien wurden die häufigsten Ungereimtheiten beobachtet: zum Beispiel gefälschte Ergebnisse, frei erfundene Untersuchungen, was nicht passte, wurde einfach weggelassen. So genau mit der Wahrheit halten es die Forscher nicht. Das beweist eine von Forschern der Edinburgher Universität veröffentlichte Studie. Daniele Fanelli analysierte 18 internationale Studien und hat die Betrugsfälle in Zahlen festgehalten. Hier wurden Forscher und deren Kollegen nach eigenem Fehlverhalten befragt . Fanelli verglich Fälle, in denen offensichtlich Daten manipuliert wurden. Er berücksichtigte keine Plagiate oder andere Arten des Fehlverhaltens.

Seine Recherchen sind in „Proceedings“ veröffentlicht und belegen, dass es die Forscher mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Da wäre zum Beispiel der Fall des Stammzellforschers Hwang Woo-Suk, der behauptet hatte, Menschen geklont zu haben. Wie inzwischen bekannt geworden ist, waren seine Studien gefälscht. Das Verändern der Daten und Ergebnisse und gar das freie Erfinden, um Ergebnisse aufzuwerten, empfindet Fanelli als das schwerste Vergehen. Es kam heraus, dass 2% der befragten Wissenschaftler zugegeben haben, es mindestens einmal selbst getan zu haben. Von den Kollegen beobachtete jeder Siebte Ungereimtheiten.

Nach eigenen Aussagen hat jeder Dritte widersprüchliche Daten verheimlicht, wichtige Daten nicht erwähnt, wenn er der Meinung war, dass etwas nicht stimmen könne. Von dieser Praxis können sogar drei von vier Wissenschaftlern Namen von Kollegen nennen. Bei medizinischen Studien waren am häufigsten solche Missstände beobachtet worden. John Ioannidis, Mediziner und Epidemiologe aus Griechenland, hat schon vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass etwa ein Drittel der medizinischen Studien ein wissenschaftliches Verfallsdatum von ca. 5 Jahren haben. „Spätestens dann taucht die nächste Studie auf, welche die alte komplett widerlegt“ schrieb der Mediziner von der Ioannina School of Medicine in „PLoS Medicine“.

John Ioannidis und Neal Young vom National Institute of Health haben in 49 Studien führender Fachzeitschriften nachgewiesen, dass sich „über 1000 Forscher auf die Ergebnisse berufen und sie zitiert haben“. Die Hauptaussagen – nicht nur Artikel seien voller Fehler und einzelne Berechnungen falsch. Weil sich solche Irrtümer über Jahrzehnte halten können, ist das sehr fatal für die medizinische Forschung.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 11.04.2010 - 21:57 Uhr
Kategorie: Medikamententester News