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Metabolic Balance – die aktuelle Trend-Diät


Liegt der Schlüssel zur Traumfigur eventuell im Blut? In Deutschland versuchen es viele Abnehmwillige mit der Trend-Diät „Metabolic Balance“. Sie ist teuer und wissenschaftlich umstritten.

Von gestern ist das simple fdH (futter die Hälfte). Der aktuelle Trend ist die Diät „Metabolic Balance“. Das heißt, der Ernährungsplan ist auf den persönlichen Stoffwechsel abgestimmt und soll helfen, die Pfunde purzeln zu lassen.

Den Schlüssel zur Traumfigur sind angeblich die eigenen Blutwerte.  So soll es für den einen hilfreich beim Abnehmen sein, z.B. Mango mit Mozzarella zu verzehren und für einen anderen wäre Kiwi mit Hüttenkäse geeigneter. Warum? Das bleibt Betriebsgeheimnis. Aber klar ist, dass diese Diät immer mehr Freunde findet, obwohl sie sehr umstritten und auch teuer ist. Experten sind sich einig, dass das Konzept wissenschaftlich nicht haltbar ist.

Die Teilnahme an dieser Schlankheitskur kostet ab 300 Euro aufwärts,  der Eigenwerbung zufolge „von Ernährungswissenschaftlern und Medizinern“ entwickelt. Dauert die Betreuung länger, muss man mit 800 Euro und mehr rechnen.

Jeder, der sich entschlossen hat die neue Trend-Diät zu beginnen, muss zuerst einen Fragebogen ausfüllen. Es müssen die persönlichen Ess-Gewohnheiten beantwortet werden und das Blut wird untersucht. Im Vertragslabor des Metabolic Balance Anbieters werden ca. 35 Parameter ausgewertet, angefangen von den Blutfetten über Leberenzyme und Kalziumwerte.

Sind die persönlichen Daten ausgewertet, bekommt der Teilnehmer jede Menge strenger Vorschriften, was er essen darf. Beispielsweise nur drei Mahlzeiten pro Tag und immer mit Eiweißhaltigem beginnen. Obst gibt es lediglich als Dessert. Fünfstündige Pausen sind einzuhalten, viel Wasser trinken, nach 21 Uhr gar nichts mehr verzehren.

Die Liste mit „erlaubten“ Lebensmitteln ist Dreh- und Angelpunkt. Sie soll angeblich auf den persönlichen Stoffwechsel abgestimmt sein: Für den einen Rhabarber mit Magerquark und für den anderen 20%iger Quark mit Pflaumen.

Wie die persönlichen Blutwerte den Ernährungsplan bestimmen können, ist ein Geheimnis, welches streng gehütet wird. Auch die Betreuer können nichts Genaueres erklären. Für Hannelore Daniel - sie ist Professorin an der Technischen Universität München, Abt. Ernährungsphysiologie – gibt es für diesen Diätplan keine wissenschaftliche belegte Erklärung, wie die Anbieter behaupten. Sie stellt aber fest, dass die Erfolge den Anbietern Recht geben. Sie selbst untersucht seit Jahren die Zusammenhänge zwischen dem „metabolischem System“, d.h. zwischen dem Stoffwechsel und der Ernährung.

Prof. Daniel kann es jedoch nicht verstehen, wie das Abnehmen mit dieser Diät funktionieren soll. Ihre neueste Forschungsrichtung „Metabolomics“ ist noch nicht ausgereift, obwohl die Hinweise sich häufen, dass von jedem Menschen die Nahrung ganz individuell verwertet und verdaut wird. Sie sagt, dass „sie ziemlich sicher sei, dass es auf der Welt keinen Kollegen in diesem Feld oder aus verwandten Bereichen gibt, der diese Diät erklären kann“. Zu einem ganz persönlichen Ernährungsplan ist der Weg noch sehr weit.

Ebenfalls für fragwürdig schätzen die teure Mode-Diät die Verbraucherschützer ein. So sei es doch kein Wunder, dass man dabei abnehme, meint der Ernährungsexperte Martin Hofmeister von der Verbraucherzentrale in Bayern. Der Teilnehmer soll nur wenig Kohlenhydrate und Fett essen, aber Gemüse und Eiweiß reichlich. Er betont, „dass es im Grunde eine Low-Carb-Diät mit einem eingeschränkten Speiseplan ist und Kasteien ein Muss“. Es sei kein Wunder, dass bei so wenig Kalorienzufuhr die Pfunde purzeln.

Aber vielen Abnehmwilligen scheint es egal zu sein, wie die Wirkung von „Metabolic Balance“ letztendlich ist. Hofmeister sagt, dass das Konzept boomt und großes Interesse vorhanden ist. In viele Länder der Erde sind Lizenzen verkauft worden.

Offenbar genügend Selbstdisziplin bringt derjenige auf, der dafür viel Geld investiert und von ihm der strenge Plan eine Zeitlang durchgestanden wird. Die Hauptsache ist, man wird die überflüssigen Pfunde los.

Aber aus Erfahrung weiß Hofmeister, dass der „Jojo-Effekt“ bereits programmiert ist. Denn diese Kost, die wenig abwechslungsreich ist (1000 – 1500 Kilokalorien pro Tag), können die wenigsten dauerhaft durchhalten.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 15.06.2011 - 21:07 Uhr
Kategorie: Medikamententester News