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Migräne kann im MRT frühzeitig erkannt werden


Anhand von veränderten Gehirnaktivitäten lassen sich im Magnetresonanztomographen ( MRT ) Migräne-Anfälle vorhersagen, sogar mehrere Tage, bevor die wirklichen Kopfschmerz-Schübe auftreten.

Ein Forscherteam unter der Leitung von Arne May des Universitätskrankenhauses in Eppendorf/Hamburg berichtet in dem Fachmagazin „Journal of Neuroscience“ (aktuelle Ausgabe), dass es erstmals gelungen sei, diejenige Hirnregion zu orten, welche die nächste Migräne-Attacke beim Auftreten mitbestimmt. Anhand veränderter Aktivitäten von Nervenzellen des Trigeminus-System-Bereiches lässt sich bereits frühzeitig die nächste Migräne-Attacke voraussagen.

Migräne: Symptome, Gehirnaktivitäten sowie Ursachen

Migräne ist eine relativ häufige neurophysiologische Erkrankung, an der etwa 11 % der deutschen Bevölkerung zu leiden haben. Die Symptome der Migräne äußern sich in pulsierenden Kopfschmerzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit mit Erbrechen, Störungen des Gleichgewichts, Schwindel, Tunnelblick, Sprachstörungen und in den Armen und Fingern ein Taubheitsgefühl. Die Ursachen hierfür werden von Wissenschaftlern äußerst vielschichtig diskutiert, dabei kommen Hormonspiegelschwankungen, die körperliche Fitness, die Ernährung, Alkoholkonsum sowie persönlicher Stress ins Visier der Ursachen. In neuester Zeit wird auch über Migräne-Risiko-Gene diskutiert. Bisher ist nicht geklärt, welche Hirnareale entscheidend sind für einen Migräne-Anfall. Die Forscher des Universitätskrankenhauses in Eppendorf haben nun – im Rahmen ihrer Studie – eine mögliche Verknüpfung der Migräne-Anfälle mit der Hirnaktivität des trigeminalen Schmerzzentrums überprüft und kamen zu einem verblüffenden Ergebnis.

Die Migräne wird von der Nervenzellaktivität im Trigeminus-System beeinflusst.

Nach Aussage der Wissenschaftler fungiert das Trigeminus-System wie eine Art Migräne-Motor und erstreckt sich über große Teile des Gesichts und des Kopfes. Der Forscher May und sein Team erklären, dass sich bereits Tage vor einem Migräne-Anfall die Aktivitäten der Nervenzellen ändern. Dadurch ist eine relativ genaue Vorhersage einer nächsten Attacke möglich. Im Rahmen ihrer Studie haben die Wissenschaftler die Zusammenhänge zwischen den Aktivitäten des Trigeminus-Systems und Migräne-Anfällen bei 20 Patienten, die unter Migräne leiden und 20 schmerzfreien Testpersonen genauer untersucht. Bei dem Test sollten die Probanden an Rosenöl schnuppern, das den Geruchssinn stimuliert oder an Ammoniak, einem stechend riechendem Gas, welches im Gehirn die Nerven des Trigeminus-Systems anregt. Dabei beobachteten die Forscher mit Hilfe des MRT die Veränderungen der Gehirnaktivitäten und stellten fest, dass auf Ammoniak Migräne-Patienten anders reagierten als die gesunden Probanden. Insgesamt ließen sich durch Ammoniak die Nervenzellen des Trigeminus-Systems bei gesunden Testpersonen deutlich stärker aktivieren, als es bei Migräne-Patienten der Fall war, bei denen der letzte Migräne-Anfall mindestens vor 72 Stunden stattgefunden hatte.

Im MRT sind Migräne-Anfälle genau vorhersagbar.

Der Wissenschaftler Arne May erklärt, dass der Schmerzreiz bei Migräne-Patienten nicht so gut weitergeleitet werde wie beim gesunden Menschen. Nach Aussagen der Wissenschaftler war außerdem festzustellen, dass bei Migräne-Patienten die Nervenzellaktivität immer mehr zunahm, je näher die nächste Migräne-Attacke heranrückte. Die Aktivität der Nervenzellen des Trigeminus sei bei Einsetzen der Schmerzen spontan wieder gesunken. Die Forscher konnten mit Hilfe der MRT-Bilder stets genau sagen, in welcher Phase sich der Patient des Migräne-Zyklus gerade befindet, so Arne May. Der nächste Migräne-Anfall sei so genau vorhersagbar gewesen. Die jetzigen Erkenntnisse bringen jedoch – auch nach Einschätzung von Experten – für die Geplagten keine durchgreifende Verbesserung mit sich. Aber als Grundlagenforschung trage die aktuelle Studie dazu bei, die Mechanismen der Entstehung von Migräne besser zu verstehen. Eher ungeeignet ist auch die korrekte Vorhersage von Migräne-Anfällen mit Hilfe des MRT im Alltag. Hier gibt es andere Methoden, ohne technische Hilfsmittel, den Zeitpunkt des nächsten Anfalls zu bestimmen.

Migräne: Früherkennung und Behandlung – Alternativen

Bereits Tage vorher kündigen sich Migräne-Anfälle an. Die Symptome reichen von Konzentrationsschwäche, Heißhunger und Gähnanfällen, erklärt der Leiter der Studie, Arne May. Lange vorher, ehe die eigentlichen Kopfschmerzen beginnen, setzt die eigentliche Attacke ein. Nach Aussage des Forschers müssten die Betroffenen lernen, sensibel für die Symptome zu werden. So könnten sie zum Beispiel „durch Muskelentspannung“ im Vorfeld das Ausmaß eines tatsächlichen Migräne-Anfalls vermindern. Zu nennen sind auch verschiedene Behandlungsansätze aus naturheilkundlicher Sicht. Hier sollte aber in jedem Fall zuvor ein Therapeut (Arzt oder Heilpraktiker) konsultiert werden, der die Ursache der Schmerzen im Rahmen einer Anamnese analysieren sollte. In der Naturheilkunde kommen speziell auf die Ursachen der Schmerzen abgestimmte Behandlungen zum Einsatz wie Reinigungen der Darmflora (Darmdysbiose), Biofeedback, Heilfasten, Homöopathie, Osteopathie, Neuraltherapie, Entspannungsübungen, Akupunktur, Fuß- und Armbäder mit zum Teil beachtlichem Erfolg.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 20.02.2011 - 22:36 Uhr
Kategorie: Medikamententester News