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Mobiltelefone können doch bösartige Tumore im Gehirn auslösen


Die WHO erstellte vor einigen Wochen eine Studie über die Erhöhung des Risikos eines Tumorleidens im Gehirn durch das Benutzen von Mobil-Telefonen. Eine erhöhte Gefährdung wurde in der Studie ausgeschlossen, da es keine Hinweise dafür gab. In einer erneuten Analyse wurden die Ergebnisse allerdings relativiert. (Stand: 15.06.2010) Der Wiener Umwelthygieniker Michael Kundi und andere Forscher nahmen Korrekturen an offenbaren Fehlerquellen der ersten Studie vor. Im Ergebnis kam ein höheres Risiko um 25 % heraus.

Beim 32. Treffen der Gesellschaft für Bioelektromagnetik, die in Seoul /Südkorea stattfand, wurde die neue Analyse in Plakatform dargestellt („Re-Evaluation oft he Interphone Study: Application of Correction Factor“). APA gegenüber äußerte sich Kundi, dass in der Studie Interphone einige Fehler festgestellt wurden. Im Grunde hatte sie ergeben, dass das Telefonieren mit Mobiltelefonen eher einen Schutzeffekt vor dem Auslösen eines Gehirntumors hätte.

Der Fehler, so sagt Kundi, liegt wahrscheinlich an der Auswahl der Testpersonen und daran, dass das Benutzen von schnurlosen Telefonen ausgeklammert worden ist. In der letzten veröffentlichten Interphone-Studie wurden 2.708 Personen mit bösartigen Tumoren im Gehirn (Gliome, Astrozytome) und 2.409 Menschen mit Meningiomen (Tumore, die prinzipiell gutartig sind) interviewt. 7.758 Menschen wurden ebenso befragt als Kontrollpersonen. Insgesamt beteiligten sich Versuchspersonen aus 13 Ländern.

Es besteht keine große Gefahr, aber ein Risiko ist vorhanden. Kundi sagt, dass die Forscher und er kalkuliert haben, wie groß der enthaltene Fehler in der Interphone-Studie sein muss, wenn auch eine kurze Anwendung von Handys sich nicht in erhöhten Tumorerkrankungen niedergeschlagen hat. Dadurch kamen die Forscher auf ein um etwa 25% höheres Risiko für Gehirntumoren gegenüber der ersten Auswertung der Studie. Bei einem Zeitraum von über zehn Jahren stieg damit das Risiko, an Glioms zu erkranken, vom Faktor 1,24 auf 1,51. Das ist statistisch bemerkenswert.

Das Risiko erhöhte sich pro Jahr Mobiltelefon-Benutzung ebenfalls je um 25%. Bisher wurde in anderen Studien angenommen, dass das Risiko annähernd gleich blieb. Laut Kundi war es bisher immer fraglich, ob das Risiko, an einem Gehirntumor zu erkranken, nur eine Befürchtung darstellt oder real vorhanden ist. Ein Artefakt ist es nicht. Zwar ist die Gefährdung auch bei langem, intensivem Gebrauch von Schnurlos- und Mobil-Telefonen nicht sehr hoch, offenbar aber doch vorhanden. Kundi selbst versucht so wenig wie möglich mit dem Handy zu telefonieren.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 20.06.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News