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Neue Behandlungsmethoden bei Karies / Karies-Infiltration


Wenn Deutsche einen Zahnarzt aufsuchen, haben etwa zwei Drittel von ihnen ein mulmiges Gefühl. Sogar jeder achte Patient hat eine krankhafte Angst vor einer Behandlung und leidet unter einer sogenannten Oralophobie. Die größte Angst löst der Bohrer aus. Nun gibt es ein neues Verfahren, genannt die Karies-Infiltration. Wird die Karies in einem Frühstadium erkannt, macht das neue Verfahren Bohren und Betäuben unnötig.

Bisher hatte der Zahnarzt zwei Möglichkeiten, eine beginnende Karies zu behandeln. Die betroffenen Stellen konnte er mit Fluoriden versorgen und den Patienten auffordern, seine Zähne besser zu pflegen. Dann konnte man nur noch abwarten und hoffen, dass sich aus den kleinen Schäden nicht große Löcher entwickeln. Oder der Zahnarzt greift gleich zum Bohrer, um die Anfänge einer Karies zu beseitigen. Das bleibt nicht ohne Folgen für die gesunde Zahnsubstanz.

Abhilfe verspricht eine neue Methode. Allerdings kann die sogenannte Karies-Infiltration das Bohren nicht völlig ersetzen. Der Oberarzt Prof. Dr. Ulrich Schiffner vom Universitätsklinikum Eppendorf sagt, dass die Methode nur im Anfangsstadium von Karies angewendet werden kann. Es kommt für den Fall in Frage, wenn ein Defekt den Zahnschmelz betrifft und etwas in das Zahnbein, welches darunter liegt – das Dentin – hineinreicht.

Bei diesen Defekten ist die Zahnhartsubstanz von der Form her noch vorhanden und nur das Mineral fehlt schon. Gearbeitet wird bei dem neuen Verfahren mit Flüssigkeiten. Der Zahnarzt isoliert den beschädigten Zahn mit einem Spanngummi, damit die Flüssigkeit gezielt angewendet werden kann. Mit einem Gel wird über der defekten Stelle die oberste Schicht entfernt, danach ein dünnflüssiger Kunststoff mit Namen „Icon“ auf diese Oberfläche aufgetragen. Nun ist wieder das Ganze dicht verschlossen.

Geschätzte 6.000 Zahnärzte bundesweit wenden das neue Verfahren bereits an, Ron Tehsmer ist einer von ihnen. Er sagt, dass er bereits 20 Zähne mit dieser neuen Methode behandelt hat und seine Patienten zufrieden sind. Er und seine Patienten glauben an die neue Sache und wichtig dabei ist auch, dass nichts kaputt gemacht wird. Falls auch Sie sich für das neue Verfahren entscheiden, fragen Sie doch bei Ihrem Zahnarzt nach, ober er die Karies-Infiltration anbieten kann.

Obwohl die Behandlung nur ca. 15 Minuten dauert, ist sie recht teuer, denn die Kassen übernehmen die Kosten von 80 bis 100 Euro pro Zahnfläche nicht. Ron Tehsmer bietet zwar die neue Methode an, aber er bleibt auch Anhänger der herkömmlichen Behandlung. Wichtig ist immer eine gründliche Zahnpflege, besonders der Zwischenräume. Um langfristig den Bohrer zu vermeiden, ist für ihn die Zahnseide momentan das günstigere Mittel.

Es gibt noch keine Langzeiterfahrungen mit der Karies-Infiltration. Lediglich auf einen Zeitraum von 18 Monaten beziehen sich die ersten klinischen Studien. Prof. Dr. Ulrich Schiffner stellt fest, dass die Studien bei 75% der versorgten Zahnflächen einen Stillstand der Schädigung aufzeigen. Sollte sich im Alltag das Verfahren beweisen, sind durchaus noch weitere Einsatzmöglichkeiten denkbar.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 08.10.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News