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Neue Erkenntnisse zum Zusammenhang von Bluthochdruck und Krebs


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Gibt es einen Zusammenhang zwischen der jahrelangen Einnahme von Blutdrucksenkern und einem erhöhten Krebsrisiko? Könnten Krebsmedikamente einen erhöhten Blutdruck verursachen? Dies geht zumindest aus aktuellen Studien hervor, die die Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL) nun kritisch kommentiert hat.

Zunächst: Was ist Bluthochdruck?

Bluthochdruck, in der Fachsprache auch »Hypertonie« genannt, ist eine Erkrankung des Gefäßsystems. Die Diagnose »Hypertonie« wird hierzulande dann gestellt, wenn Werte oberhalb von 140/90 mmHg gemessen werden. Werte oberhalb von 180/110 mmHg indizieren dabei eine schwere Hypertonie. Der Blutdruck ist normal, wenn er ungefähr bei Werten um 120/80 mmHg liegt.

In 90 % der Fälle hat man es mit einer »primären Hypertonie« zu tun, weil keine organischen Ursachen vorliegen. Demgegenüber leiden 10 % der Patienten an einer »sekundären Hypertonie«, die eine Konsequenz anderer Organerkrankungen darstellt - beispielsweise einer Verengung der Nierenarterien. Erstaunlicherweise sind die physiologischen Ursachen für Bluthochdruck bis heute nicht hinreichend erforscht. Deswegen spricht man vorzugsweise von »begünstigenden Faktoren«. Diese teilen sich auf in genetische Faktoren und Lebensstileinflüsse. Hinsichtlich der letzteren Faktoren wird gemeinhin angenommen, dass insbesondere zu wenig Bewegung, zu viel Stress, eine schlechte Ernährung sowie Übergewicht eine Hypertonie begünstigen können.

Bluthochdruck ist eine äußerst gefährliche Erkrankung. Weil im Laufe der Zeit Organe und Gefäße nachhaltig geschädigt werden, führt ein dauerhaft zu hoher - das heißt unbehandelter - Blutdruck in letzter Konsequenz häufig zum Schlaganfall oder Herzinfarkt. Bluthochdruckpatienten sollten ihren Blutdruck deshalb regelmäßig selbst mit einem Blutdruckmessgerät kontrollieren.  

Bluthochdruck und Krebs

An Bluthochdruck, so eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI), leiden mittlerweile rund 30 % der Deutschen. Würde rechtzeitig gehandelt werden, könnten womöglich gar bis zu 50 % aller Herzinfarkte und Schlaganfälle vermieden werden. Wie steht es aber nun um die Behauptung, dass es einen Zusammenhäng zwischen der Einnahme von Blutdrucksenkern und Krebs gibt bzw. dass Krebsmedikamente vice versa Bluthochdruck begünstigen?

Wie die DHL betont, sei es ratsam, mit den proklamierten Zusammenhängen differenzierter umzugehen, als dies häufig getan wird. Ein Ereignis, das dabei für viel Furore gesorgt hat, war der Valsartan-Skandal. Der Hintergrund ist folgender: Am 04. Juli zog das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bestimmte Produktionsserien von Valsartan-haltigen Medikamenten eines bestimmten chinesischen Hersteller zurück, weil durch Verunreinigung eine krebserregende Substanz in die Medikamente gelangt ist. Rund 50 % aller blutdrucksenkenden Präparate sollen betroffen gewesen sein, wie die DHL berichtet. Entscheidend ist jedoch, dass Valsartan als solches - zumindest nach derzeitigem Stand - nicht krebserregend ist, sondern eben nur die produktionsbedingt verunreinigten Medikamente, die es enthielten. Bei den Verbrauchern sorgte dies berechtigterweise für Verwirrung.

Ebenfalls für Verwirrung sorgten zwei Studien, die die Wirkung von blutdruckhemmenden Wirkstoffen ACE und HCT auf die Entstehung von Krebs erforschten und einen Zusammenhang nahelegten. Demnach sollen Menschen, die jahrelang ACE-Hemmer einnehmen, ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko aufweisen, während das Diuretikum HCT mit weißem Hautkrebs korrelieren soll. Die DHL bemängelt, dass in beiden Fällen die Studienergebnisse vielerorts verkürzt respektive nicht differenziert genug dargelegt worden seien. So seien die Langzeitfolgen der Einnahme genannter Wirkstoffe nicht genügend in Relation zu den Folgen eines Therapieabbruchs bei der Hypertonie gesetzt worden.

Das Absetzen von Blutdrucksenkern steigere nämlich das Risiko an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben weitaus stärker, als am Hautkrebs zu erkranken. Bei der Korrelation zum Lungenkrebs gebe es dabei auch noch methodische Fehler, die am suggerierten Zusammenhang zweifeln lassen. Davon abgesehen handele es sich ohnehin nur um eine Assoziationsstudie, die keine kausalen Schlüsse erlaube, so die DHL. Demgegenüber scheint es relativ gesichert, dass viele Krebsmedikamente zum Bluthochdruck führen. Hier sei es also vor allem wichtig, den Bluthochdruck entsprechend einzustellen. Für die Heilung vom Krebs ist dies letztlich ein Preis, den man bereit sein muss zu zahlen. 

Hypertonie-Patienten, die sich nunmehr verunsichert fühlen, sollten ihren Arzt konsultieren und sich einzelfallspezifisch genau aufklären lassen.   


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 16.01.2019 - 18:56 Uhr
Kategorie: Medikamententester News

 

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