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Neue Hilfe für Patienten mit Alzheimer


Spezielle Schuhe, mit GPS (Global  Positioning System) versehen, sollen helfen, Alzheimer- Patienten aufzuspüren, falls sie sich verlaufen haben. US-Herstellerfirmen versprechen, dass sich fortan ungeplante, manchmal auch riskante Ausflüge von an Alzheimer erkrankten Personen vermeiden lassen.

Da es immer wieder vorkommt, dass Alzheimer-Patienten ziellos, ohne Begleitung und im verwirrten Zustand umherirren, suchte man nach einer Lösung. Ein amerikanischer Hersteller setzte GPS-Sender in Schuhen für die an Alzheimer erkrankten Personen ein in der Hoffnung, die umherirrenden Patienten schneller zu finden. Diese Schuhe werden demnächst auf den Markt kommen.

Vorerst sollen die GPS-Schuhe nach Plänen der GPS-Firma GTX Corp sowie des Schuhproduzenten  Aetrex Worldwide in Amerika verkauft werden. Die amerikanischen Hersteller sehen in dem GPS eine gute Möglichkeit, Alzheimer-Kranke vor ungeplanten Ausflügen mit möglichen Risiken zu bewahren. Die Schuhe, die ca. 300 Dollar kosten werden, sollen bereits im Oktober in den USA erhältlich sein. An Aetrex  Worldwide wurden die ersten 3.000 Paar GPS-Schuhe ausgeliefert, berichtet die GTX Corp.

Nach Andrew Carle‘s Aussagen – von der George-Mason-Universität, USA – wäre das Prinzip dieser GPS-Schuhe relativ einfach. Er erklärt, dass das Ortungssystem dieser Schuhe es zulasse, ähnlich einem virtuellen Zaun eine Grenze um den Wohnbereich des Alzheimer-Erkrankten zu ziehen. Verlässt der Patient den vorgesehenen Bereich, werde Alarm auf einem dafür eingerichteten Computer oder Handy ausgelöst. Daraufhin können Angehörige oder Pflegekräfte den verschwundenen Patienten auf einem extra dafür eingerichteten Portal umgehend lokalisieren. Andrew Carle stand als Berater bei der Entwicklung des GPS-Schuhes den Firmen GTX Corp und Aetrex Worldwide zur Seite. Der Experte merkt an, dass es von Vorteil sei, den Sender im Schuhabsatz einzuarbeiten, da dies von den betroffenen Patienten unbemerkt bleibe. Dagegen sei ein Hals- oder Armband ungeeignet, da diese für die Patienten oft ungewohnten Dinge nicht getragen werden. Denn „Paranoia gehe häufig mit Alzheimer“ einher. Wenn zum Beispiel die Erkrankten eine Armbanduhr anlegen sollen, wird diese von ihnen wieder abgenommen – es ist ja nicht ihre. Deshalb ist es notwendig und sinnvoll, das erforderliche GPS vor den Patienten zu verbergen.  

Andrew Carle stellt weiter fest, dass die ungeplanten Ausflüge der Alzheimer-Patienten gesundheitliche Folgen auslösen können und ein erhebliches Risiko für die Betroffenen sind.  Dadurch bringen sie sich oft selbst in gefährliche Situationen. So helfe die neue Erfindung den Alzheimer-Patienten, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen, ja unter Umständen könne es sogar lebensrettend sein. Weiter sagt der Experte, seien die GPS-Schuhe vorwiegend für die Patienten geeignet, deren Erkrankung in einem frühen Stadium liegt. In diesem Zustand befinden sich die Betroffenen oftmals noch zu Hause, sind aber bereits verwirrt und scheinen dadurch besonders gefährdet. So spazieren die Erkrankten einfach los, kommen oftmals tagelang nicht nach Hause zurück. Der Experte hat festgestellt, dass dies bei 60% der an Alzheimer Erkrankten mindestens einmal in ihrem Krankheitsverlauf schon vorgekommen sei. Das ist für die Erkrankten ein nicht zu unterschätzendes Risiko mit gesundheitlichen Folgen, denn sie können sich nicht mehr selbständig versorgen. Sie vergessen selbst so lebenswichtige Vorgänge wie Trinken und Essen. Für sie besteht bereits nach einem Tag das Risiko, eine Dehydrierung zu erleiden, die sich mit Schwindel, Schwächegefühl, Herzrasen äußert. Im schlimmsten Fall drohen ein Zusammenbruch des Herz-Kreislauf-Systems oder Ohnmacht.

Außerdem sehen sich die Alzheimer-Patienten einer deutlich erhöhten Unfallgefahr ausgesetzt, erklärt der Experte weiter. Sie sind nicht mehr fähig, alltägliche Situationen richtig einzuschätzen. Abhilfe soll mit den neuen Hightech-Schuhen erreicht werden. Die US-Hersteller können auf einen reißenden Absatz ihrer GPS-Schuhe hoffen, denn in den USA leiden zurzeit über fünf Millionen Menschen an Alzheimer. Andrew Carle zufolge könnte sich deren Zahl in kommenden Jahrzehnten noch vervierfachen.

Allerdings bleibt der medizinische Nutzen fragwürdig, denn am Krankheitszustand der betroffenen Patienten ändert sich nichts. Auch wenn unter Umständen die GPS-Schuhe die Sicherheit der Patienten erhöhen. Unklar ist auch, weshalb überhaupt die GPS-Schuhe beim Verlassen der Wohnung von den Betroffenen angezogen werden sollten. Hier sollte man bedenken, dass von Alzheimer-Erkrankten schon die alltäglichsten Vorgänge vergessen werden, sie sogar nur im Schlafanzug bekleidet oder nackt außer Haus angetroffen worden sind.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 01.11.2011 - 22:49 Uhr
Kategorie: Medikamententester News