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Neue Medikamente sind nicht immer besser


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Neue Medikamente sind häufig teurer als bewährte Mittel. Sind sie aber auch besser? 48 neue Krebsmittel sind von britischen Forschern untersucht worden. Diese kamen zu einem alarmierenden Ergebnis. Es stellte sich heraus, dass sie häufig unsicher sind und mehr Nebenwirkungen aufweisen. Es wird nämlich nicht in jedem Fall geprüft, ob das neue Mittel besser als die übliche Standardbehandlung ist.

Sabine Riesinger klagt immer wieder über starke Schmerzen. Sie erhält irgendwann die niederschlagende Diagnose: Liposarkom, ein nicht heilbarer Weichteilkrebs. Dieser hatte bereits Metastasen in der Lunge gebildet. „Das war ein Mega-Schock für mich. Man kann es nicht in Worte fassen, was da vorgeht in einem.“

Nun kämpft die junge Mutter um ihr Leben. Sie hofft für sich und ihre Familie auf eine gute Zukunft. Ihr Arzt verzichtet auf eine herkömmliche, schon längst handelsübliche Chemotherapie und verordnet ein neues, teures Krebsmedikament. Dieses verursacht jedoch extreme Nebenwirkungen bei ihr. Sabine Riesinger berichtet: „Es wurde ganz schlimm, ich musste erbrechen, was natürlich sinnlos war, weil ich die Tabletten ja behalten sollte. Hinzu kamen Schwindel, Müdigkeit, Kreislaufprobleme, eine ganze Reihe.“ Dann machen sich die Nebenwirkungen auch äußerlich bemerkbar. Die Haare werden alle weiß. Sie kann sie nur mit sehr kräftigen Farben färben. Auch ihre Haut wird durch die Pigmentstörung extrem dünn, sie kann kaum nach draußen gehen. Dennoch nimmt sie all das in Kauf, das Medikament soll ihr ja ein längeres und besseres Leben ermöglichen. „Mit solch einer Diagnose nimmt man alles, was einem helfen könnte, bzw. was einem empfohlen wird. Hauptsache, man wird wieder gesund.“

Nutzlose Krebsmittel

Eine neue Studie zeigt, dass der Wirkstoff des neuen Krebsmedikamentes, das Sabine Riesinger verabreicht wurde, keinerlei Nutzen erbrachte. Durch die Untersuchung von 48 neuen Krebsmedikamenten in Europa kamen britische Forscher vom renommierten King’s College London zu einem alarmierenden Ergebnis. Verglichen mit existierenden Therapien oder Placebo konnten die meisten Wirkstoffe keinen relevanten Nutzen aufweisen, so die Wissenschaftler. Das bedeutet: Keine Verbesserung der Lebensqualität und keine Lebensverlängerung.

Mediziner sind beunruhigt

Erfahrene deutsche Krebsmediziner wie der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Prof. Wolf-Dieter Ludwig, nehmen die Ergebnisse aus der Londoner Studie sehr ernst. „Das ist eine alarmierende Zahl und ich finde es ausgesprochen wichtig, dass sie durch diese Untersuchung für Europa so verdeutlicht wurde. Ich denke, um in diesem System zu mehr Klarheit zu kommen, sind jetzt natürlich die Zulassungsbehörde, aber auch die Gesundheitspolitik in der Pflicht.“

Sabine Riesinger ist schockiert, dass sie möglicherweise die Nebenwirkungen ganz umsonst ertragen hat: „Ich finde es ganz entsetzlich. Mit solch einer Diagnose hat man alles Recht der Welt auf eine ehrliche Konfrontation, mag es auch noch so schwer sein. Die Wirkungsweise des Medikamentes und die Nebenwirkungen müssen klar auf den Tisch gelegt werden, um so für Transparenz zu sorgen.“

Es wurde bei dem Medikament, das Sabine Riesinger verordnet wurde, lediglich eine kleine Studie gemacht. Nur 369 Weichteilsarkom-Patienten nahmen daran teil mit dem Ergebnis, dass das mittlere rückfallfreie Überleben 4,6 Monate gegenüber 1,8 Monaten in der Placebo-Gruppe betrug. Das bedeutet also einen Vorteil von durchschnittlich 2,8 Monaten Lebensverlängerung. Lohnen sich dafür die extremen Nebenwirkungen? Der Beipackzettel bescheinigt häufige Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Erhöhung der Leberenzyme, Geschmacksstörungen, Müdigkeit, niedriger Blutdruck und Veränderung der Haarfarbe. Außerdem wird vor Leberversagen mit tödlichem Ausgang gewarnt.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 18.03.2018 - 18:49 Uhr
Kategorie: Medikamententester News

 

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