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Neuer Impfstoff gegen Ebola


Amerikanischen Forschern ist es gelungen, einen wirksamen Impfstoff zur Ebola-Bekämpfung zu entwickeln. Der Impfstoff, der aus einem monoklonalen Antikörper besteht, wird aus gentechnisch veränderten Tabakpflanzen gewonnen. An dem Antikörper ist ein Oberflächeneiweiß des Virus gebunden und der so gewonnene Impfstoff ist lagerfähig. Man könnte ihn gut bevorraten für den eher seltenen Fall einer Epidemie.

Zusammen mit dem ähnlichen Marburg-Virus zählt das Ebolavirus  zu den hochgefährlichen Krankheitserregern. Eine erste Epidemie brach 1976 im Kongo aus, bei der längs des Ebolaflusses (daher der Name) 280 von 318 infizierten Personen gestorben sind. Im Sudan starben fast zur gleichen Zeit 151 von 284 infizierten Personen. Damals musste im Kongo ein Krankenhaus geschlossen werden, weil von den 17 Beschäftigten 11 gestorben waren.

Die hohe Sterblichkeitsrate hat bis jetzt Epidemien in größerem Ausmaße verhindert. Viele Patienten starben, ehe sie das Virus übertragen konnten und eine Pandemie – anders als bei Aids – ist nicht zu erwarten. Aber zu kleineren Epidemien ist es immer wieder gekommen. Etwa 1.200 Tote sind insgesamt an den Folgen der Ebolainfektion zu beklagen. Die Krankheit äußert sich mit hämorrhagischem Fieber, dem Immunsystem bleibt keine Zeit,  Antikörper zu entwickeln – der Patient ist bereits verblutet.

Den Kern des neuen Impfstoffes bilden neutralisierende Antikörper. Entwickelt wurde er an der Arizona State University in Temple von Charles Arntzen und seinem Team gemeinsam mit dem US-Militär. Das Militär betrachtet das Ebola-Virus als denkbare bioterroristische Waffe.

Im Impfstoff sind die Antikörper mit einem Oberflächen-Protein (GP1) dieses Virus verschmolzen. Folglich binden die Antikörper nicht nur das Virus – auch sich selbst. Das Impfstoffmolekül vergleicht Arntzen mit einem Magneten, bei dem sich die gegenüberliegenden Pole anziehen.

Die Folge ist, dass sich wie bei Magneten Antikörper in Form von langen Ketten bzw. Knäueln bilden. Sie induziert eine intensive natürliche Immunantwort, das heißt: Es werden massiv körpereigene Antikörper gebildet. Die Wirkung wird noch verstärkt durch einen Agonisten des Toll-like Rezeptors (TLR). Er löst im Körper eine unspezifische Entzündungsreaktion aus.

Die Ergebnisse von Tierexperimenten wurden in den National Academy of Sciences (PNAS 2011; doi: 10.1073/pnas.1117715108) vorgestellt. Die Infektion überlebten demnach 80 % der Mäuse, wenn drei Wochen vor der Infektion die Impfung beendet war. Jedoch können nur Menschen in der Umgebung der Epidemie mit dieser aktiven Immunisierung  geschützt werden. Da sich die Epidemie sehr schnell ausbreiten kann, könnte eine Immunisierung keinen Erfolg mehr haben, oder aber man würde breite Bevölkerungsteile immunisieren. In einer zweiten Studie hat deshalb Arntzen die passive Immunisierung ebenfalls untersucht.

Idealerweise würden dazu native monoklonale Antikörper verwendet, von Mäusen in diesem Fall produziert. Sie sind aber für Menschen nicht verfügbar, deshalb setzen die Forscher auf Antikörper, die gentechnisch produziert worden sind.

Diese monoklonalen Antikörper werden heute üblicherweise von tierischen Zellen produziert. Die so gewonnenen Präparate sind sehr hitzeempfindlich und brauchen eine aufwändige Lagerung. Durch die geringe Haltbarkeit ist ein Einsatz für Afrika – hier treten die Epidemien auf – sehr erschwert.

Deshalb haben die Forscher den Impfstoff in gentechnisch modifizierten Tabakpflanzen hergestellt. Nach der „Ernte“ kann das Produkt getrocknet werden und ist längere Zeit haltbar. Die starke Glykosylierung stellt das einzige Hemmnis dar. Der Grund liegt darin, dass monoklonale Antikörper in pflanzlichen oder tierischen Zellen nie als reine Antikörper erzeugt werden. Sie sind immer mit Zuckerresten versehen und dadurch ist die Wirksamkeit herabgesetzt.

Wie die Ergebnisse gezeigt haben, wurde dadurch bei der aktiven Immunisierung die Wirkung nicht beeinträchtigt. Die Wirksamkeit bei der passiven Immunisierung – möglichst mit reinen Antikörpern zur Vermeidung von Komplikationen – war am Anfang nicht sehr gut.

In einem weiteren Artikel teilten die Forscher mit, hat man die Tabakpflanze genetisch soweit manipulieren können, dass bei einer schwachen Virusexposition dank der passiven Immunisierung viele Tiere überleben konnten.



Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 28.12.2011 - 00:05 Uhr
Kategorie: Medikamententester News