Ihr Medikamenten Informationsportal
Wissenswertes für Probanden
Kontaktadressen-Liste für Kliniken

Neues Mittel gegen Ebola: Made in Germany


© psdesign1 - Fotolia.com

WHO-Empfehlung: Ebola-Serum von einem Unternehmen aus Sachsen-Anhalt.

In Halle/Saale ist es Biogenetikern gelungen, ein Mittel gegen die zurzeit nicht zu bewältigende, lebensbedrohliche Ebola-Krankheit zu entwickeln. In den USA wurden zwei Patienten mit Erfolg damit behandelt. Zur Herstellung des Serums benötigt man eine sich schnell entwickelnde Tabakpflanze.

Das kleine Bio-Tech-Unternehmen trägt den Namen Icon Genetics. Es befindet sich auf dem Technologiepark Weinbergweg in Halle/Saale. Gemeinsam mit einem Unternehmen aus Kalifornien haben zwei ukrainische Forscher ein global einzigartiges Verfahren erarbeitet. Damit wäre es möglich, ein lebensrettendes Medikament gegen Ebola zur Produktreife zu bringen, so der westukrainische Molekularbiologe Viktor Klimyuk.

„It is very easy and robust in use”

Das Serum gegen Ebola mit dem Namen ZMapp wird in einem höchst komplexen Herstellungsverfahren gewonnen: Bei der Herstellung werden Antikörper, die das Immunsystem des Menschen vor dem Ebolavirus schützen, künstlich erzeugt. Diese Antikörper werden anschließend mit Hilfe wie Fähren funktionierender Bakterien in eine bestimmte, sehr schnell wachsende Tabakpflanze namens Nicotiona Benthamiana eingeschleust. Diese Tabakpflanze wächst ganz normal in Australiens Natur, sie braucht für die Forschung nicht genetisch verändert werden.

Der Tabaksetzling hat etwa die gleiche Größe wie eine Tomatenpflanze. Durch sein normales Wachstum werden auch die Antikörper zur Vermehrung angeregt und so funktioniert die Tabakpflanze wie eine natürliche Antikörper-Fabrik gegen Ebola. Als Produktionsstätte dient ein kleines Gewächshaus.

Die Antikörper kann man nach 10 bis 20 Tagen „ernten“, indem man in Halle aus den Tabakpflanzen ein transparentes Serum herausdestilliert. Erhält nun der Patient eine Injektion mit diesem Serum, hilft das seinem Immunsystem den Ebola-Virus zu zerstören bzw. abzutöten.

Viktor Klimyuk rechnet aus, dass aus 1 Kilo Biomasse ca. zweieinhalb Gramm wirksame, medizinische Substanz gewonnen werden können.

Offiziell aber noch nicht zugelassen

Bisher wurde das Medikament ZMapp nur an Affen und Mäusen getestet, deshalb ist es noch nicht zugelassen. Aber die Arzneimittelbehörde in Amerika erlaubte dennoch, zwei an Ebola infizierte amerikanische Patienten in einer ersten Versuchsreihe das Hallenser Serum anzuwenden – wahrscheinlich erfolgreich. Denn beide mit ZMapp behandelten Patienten haben überlebt.

Der Genetiker und Biotechnologe Yuri Gluba (Gründer des Labors Icon Genetics, Halle) meint, „dass uns das natürlich sehr hoffnungsvoll macht. Aber klinische Vorstudien und eine seriöse Forschung sind trotzdem nötig, ehe das Serum Serienreife erreicht.“ Ergänzend fügt er hinzu, dass in nächster Zeit weiteres lebensrettendes Serum bereit stehen würde.

Die Schaffung der ersten Testreihen des neuen Ebola-Serums wird vom US-Verteidigungsministerium finanziert. In Halle wollte man keine Angaben über die Höhe der Mittel machen. Viktor Klimyuk gesteht, dass über eventuelle Nebenwirkungen von ZMapp noch gar nichts bekannt sei. Aber er hält davon herzlich wenig, weil es bei dieser Epidemie um Leben oder Tod geht. Nebenwirkungen seien in diesem Fall unwichtig und nebensächlich.

Wahrlich klingt es sensationell: Endlich ein Medikament gegen Ebola, das bisher nur in Halle an der Saale entwickelt und produziert werden kann. Aber die 34 Forscher des Bio-Tech-Unternehmens Icon-Genetics drücken auf die Euphorie-Bremse. Sie sagen, dass die verheerende Ebola-Seuche für sie einfach zu früh kam.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt dennoch, obwohl klinische Studien in Bezug auf Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität noch fehlen, ZMapp, das Medikament gegen Ebola aus Halle/Saale, in den Katastrophengebieten von Westafrika einzusetzen.

 


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 03.10.2014 - 20:18 Uhr
Kategorie: Medikamententester News