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Neues Vogelgrippe-Virus H7N9, wie gefährlich ist es?


Mit dem neuen Virus H7N9 könnte eine neue Gefahr auf die Menschheit zukommen. Aus diesem Grund hat die chinesische Führung die Ermittlungen über den neuesten Vogelgrippe-Virus als Chefsache verkündet. Bisher sind einige Dutzend Menschen an dem Virus H7N9 erkrankt, Todesfälle hat es bereits gegeben. Wie groß ist die Gefahr wirklich? Von Wissenschaftlern wurde Anfang April diesen Jahres bei Personen in China das neue Virus H7N9 nachgewiesen. Daraufhin erfolgten Maßnahmen wie: Tötungen von Vögeln, Schließung von Geflügelmärkten. Denn als Infektionsquelle haben die Behörden das Geflügel in Verdacht. Die Erreger H7N9 sind den Forschern nicht unbekannt, das Virus wird dem Influenza Typ A zugeordnet. Die Eiweiße der Virushülle tragen den abgekürzten Buchstaben H für Hämagglutinin und N für Neuraminidase.

Der Leiter Christian Drosten aus Bonn vom Universitätsklinikum, Institut für Virologie erklärt, dass normalerweise von den H7-Viren nur Vögel gefährdet seien, in Europa kommt die Krankheit bei Wildvögeln ab und zu vor. Auch in Asien war Typ H7N9 als Wildvogel-Virus bekannt. Aber seit neuestem grassiert H7N9 unter den Hausvögeln und springt auf Menschen über.

Infizierte Tiere sind hochansteckend

Menschen können sich anstecken, wenn ein enger Kontakt zu kranken Tieren besteht, so wie bei der Schlachtung oder der Aufzucht. Zum letzten Mal brach 2003 in Europa die Geflügelpest überregional aus. Die Kombination von H7 mit N9 in China ist neu, stellt Stephan Becker von der Universität Marburg fest. Er ist Leiter des Instituts für Virologie. In China wurde dieser Subtyp zum ersten Mal bei Menschen festgestellt. Becker erklärt weiter, um eine Infektion mit diesem neuen Virus zu bekommen, ist anzunehmen, dass große Mengen des Virus nötig sind.

Das wäre beispielsweise der Fall, wenn Menschen und Tiere auf engstem Raum zusammen leben. Bei den Menschen, die in China an H7N9 erkrankt sind, stellten sich bei den meisten grippeähnliche Symptome und schwere Lungenentzündungen ein, so vermeldete die Weltgesundheitsorganisation. Dagegen verbreitet sich unter Vögeln das Virus ohne Symptome. Die Tauben und Hühner, mit H7N9 infiziert, zeigten kein anderes Verhalten oder Anzeichen einer Erkrankung. Stephan Becker, Virologe erklärt: An diesem neuen Virus ist tückisch, dass man nicht weiß, wann Schutzvorkehrungen getroffen werden müssen. Bis jetzt kann man den Erreger nur durch Labortests sicher ermitteln. Bei dem Vogelgrippe-Virus H5N1, ebenfalls sehr ansteckend, ist es jedoch anders. An ihm sind in den letzten Jahren Tausende Hühner gestorben. Ende 1990 wurde dieses Influenzavirus von Wissenschaftlern erstmals beim Menschen in Südostasien nachgewiesen.

Nach Aussage der Weltgesundheitsorganisation wurden seit 2003 600 Erkrankungen beim Menschen als Folge der Ansteckung bei Vögeln registriert. Von ihnen starben 371 Personen. Eine Übertragung des Virus H5N1von Mensch zu Mensch wurde aber nicht festgestellt. Wie gefährlich der Typ des neuen Virus für uns Menschen wirklich ist, lässt sich schwer einschätzen. Becker erklärt, dass durchaus die Möglichkeit besteht, dass bereits mit dem Virus H7N9 infizierte Menschen nach Deutschland, von China kommend, einreisen könnten. Experten sagen, dass vor allem dann ein Risiko für eine Epidemie besteht, wenn die Übertragung des Virus nicht nur von Vögeln auf den Menschen, sondern eine Übertragung von Mensch zu Mensch stattfindet. Hinweise der letzteren Art gibt es bis jetzt nicht. Auch können die Wissenschaftler kaum vorhersagen, ob dies durch eine genetische Veränderung von H7N9 möglich würde. Der Virologe Dosten sagt, dass im Erbgut des neuen Virus einige Besonderheiten stecken.

Sie deuten darauf hin, dass eine Verbreitung beim Menschen besser funktionieren könnte als es bei den sonstigen Vogelgrippe-Viren der Fall war. Allerdings sind noch nicht alle Merkmale vorhanden, die für eine Ansteckung von Mensch zu Mensch nötig sind. Dabei spielen auch die unterschiedlichen Körpertemperaturen von Vögeln und Säugetieren eine Rolle. Sie erschwert die Übertragung der Vogelviren auf Menschen. Diese Barriere hat H7N9 allerdings bereits überwunden. Auch die nötige Anzahl der Mutationsschritte (plötzliche Veränderungen im Erbgut des Virus) zur Beurteilung der Gefährlichkeit des Vogelvirus für Menschen ist noch unklar. Untersuchungen für H7-Viren haben bisher nicht stattgefunden. Drosten sagt weiter, dass die Forscher vorerst nur für H5N1 erste vorsichtige Einschätzungen geben können, wie viele Mutationen nötig sind. Da die Viren hochansteckend sind, ist die Untersuchung jedoch umstritten. In Rotterdam haben vor kurzem Forscher Untersuchungen mit den sogenannten Superviren erneut begonnen.

Ein Impfstoff gegen H7N9 wird dringend benötigt. Wissenschaftler in China haben den Auftrag erhalten, in einer neuen Forschungseinrichtung gegen den Virus ein Mittel herzustellen, laut Nachrichtenagentur Xinhua. Drosten erklärt dazu, dass es relativ einfach sei, für dieses Virus einen passenden Impfstoff zu entwickeln. Mittlerweile wäre der Ablauf Routine. Allerdings dauert die Massenproduktion des Impfstoffes Monate und ist sehr teuer. Außerdem wären für die Massenproduktion weltweit nicht genügend Produktionsstätten geeignet. Sollte für eine solche Produktion entschieden werden, darf kein Engpass bei Impfstoffen anderer Art eintreten, alles muss sorgfältig abgewogen werden. Bisher betrifft es nur wenige Menschen, die mit dem Virus infiziert sind. Ob nun ein neuer Impfstoff in großen Mengen produziert wird, entscheiden auf Empfehlung der WHO die nationalen Regierungen, erklärt Becker. In China will man in einigen Provinzen eine Schutzimpfung in großem Stil bei Geflügel starten.

Verwendet wird ein Serum gegen bereits bekannte Vogelgrippe-Viren. Unklar ist, ob dadurch die Verbreitung der Krankheit gestoppt werden kann. Der Virologe Becker schätzt die Gefahr für Deutschland durch importierte Ware als gering ein. Die Weltgesundheitsorganisation informiert, dass Geflügel-Verzehr für Menschen sicher ist, vorausgesetzt, das Fleisch wird mindestens auf 70 Grad erhitzt. In China besteht vor allem für diejenigen Menschen große Gefahr, die mit Tieren engen Kontakt haben. Vom chinesischen Gesundheitsministerium kam eine Warnung an Risikogruppen, dazu gehören Geflügelzüchter, Fleischer, Händler, Beschäftigte in der Fleisch-Verarbeitung. Zudem muss in China eine Überprüfung anlaufen, wie viele und welche Vogelpopulationen schon betroffen sind. Becker mahnt, die Situation müsse genau beobachtet werden.


Von: Stefan Lübker
Veröffentlicht am: 26.04.2013 - 19:48 Uhr
Kategorie: Medikamententester News