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Noch kein Schutz vor HIV-Infektion mittels einer Tablette


Infektion zu besiegen. In einer Studie wurde eine Schutzrate von bis zu 73% ermittelt: kein Anlass für Leider bleibt es bei einer Utopie,  mit nur einer Tablette täglich eine HIV-eine Euphorie.

Die Presse hat gemeldet, dass es einen neuen Erfolg bei der Aids-Heilung gäbe. Anlass für die Meldung waren die Ergebnisse von zwei Studien, eine davon fand  in Uganda und Kenia statt. Bei der Studie vom Beginn Sommer 2008 nahmen 4758 Paare teil. Von ihnen war jeweils ein Partner HIV-positiv.

Nachdem die teilnehmenden Testpersonen eingehend beraten wurden, erhielten sie Kondome für Männer und Frauen. An einen Teil der gesunden Testpersonen wurden antiretrovirale Medikamente verabreicht, Placebos erhielt der andere Teil der Testpersonen. Von der letzteren Gruppe infizierten sich bis Ende Mai 2011 siebenundvierzig Teilnehmer. Nur18 Teilnehmer, die Tenofovir eingenommen hatten wurden infiziert und  nur 13 Teilnehmer, die Tenofovir in Kombination mit Emtricitabin eingenommen hatten.

Im Vergleich der Tenofovir-Gruppe zur Placebogruppe war die Infektionsrate dieser Gruppe um  62 % niedriger, bei der Gruppe mit den kombinierten Medikamenten um 73 % niedriger.

In Botswana hatte die zweite Studie, an der 1200 Personen teilgenommen hatten, eine um 63% niedrigere Infektionsrate gezeigt, wenn die beiden Virostatika in Kombination eingenommen wurden. Von der UN-Abteilung für HIV/Aids (UNAIDS) wurden die Ergebnisse veröffentlicht.

Bei der Welt-Aids-Konferenz in Wien 2010 hatte es ähnliche Erfolgsberichte gegeben. Es ging dabei nicht um Präexpositionsprophylaxe, sondern um das Anwenden von Mikrobiziden durch Frauen und das Beschneiden bei Männern.

In Wien wurde eine Modellrechnung vorgestellt, nach der bei Männern die HIV-Infektionsrate um 60 % sinken würde, ließe sich jeder zweite Mann beschneiden. Zurzeit sind im Süden der Sahara ca. 20 % der Männer beschnitten. Setzt man dem die Gesamtbevölkerung entgegen, bedeutet das nur den geringen Rückgang von 12 % an Neuinfektionen von HIV. Bei der Anwendung von Mikrobiziden ist – in Zahlen ausgedrückt – der Nutzen für die Gesamtbevölkerung geringfügig.

Weiter stellten die Experten in Wien fest, dass sich die Neuinfektionen nur um ca. 8 % senken ließen und das bei einer Anwendungsquote der Präparate von 80 %. Vorausgesetzt, sie haben eine Wirkung von 60%. Die Experten in Wien warnen, dass sich HIV-Erkrankungen mit beiden gemeinsamen Maßnahmen nur um etwa 20% senken lassen. Das bedeutet, es gibt keinen vollständigen Schutz vor der Erkrankung. Ebenfalls wird von UNAIDS und WHO zu den aktuellen Ergebnissen gewarnt, man solle keinesfalls mit den Tabletten auf Sicherheit setzen. „ Von den bisher untersuchten Schutzmaßnahmen kann keine allein vor HIV schützen.“

Sinnvoll wäre es, wenn die Tabletten mit anderer Handhabung kombiniert werden: Beispielsweise mit Kondomen, weniger Partner, medizinischer männlicher Beschneidung und Verschiebung des ersten Sex auf später.

Der HIV-Experte Dr. Anthony Fauci hat die Bedeutung der Kombination von mehreren Maßnahmen zum 30. Aids-Jahrestag, der am 5.Juni 2011 stattfand, betont. Die HIV-Experten sind sich einig, dass die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) als alleinige Maßnahme nicht geeignet ist, die weltweite Epidemie von HIV-Erkrankungen zu überwinden.

Für eine Präexpositionsprophylaxe in größerem Rahmen sind zudem noch viele Fragen ungeklärt. Wer soll die Medikamente erhalten und wie sollen sie verabreicht werden, wie will man über die Medikation aufklären mit ihren Möglichkeiten und Schwächen und die nachfolgenden weiteren nötigen Schutzmaßnahmen.

Es besteht die große Gefahr einer trügerischen Sicherheit, wenn die Menschen glauben, dass durch einmaliges Anwenden von PrEP-Medikamenten die Gefahr vor einer Ansteckung gebannt ist und wenn sie der Meinung sind, dass eine Tablette das Kondom ersetzen kann. Die Auswirkungen könnten fatal sein. Unklar ist zudem die Finanzierung von größeren PrEP-Programmen   – auch wenn eine Tablette nur ca. 0,25 US-Cent kosten würde (laut UNAIDS).

Unstrittig ist außerdem, dass auch – zusätzlich zur Prophylaxe-Forschung - in die Heilung Gelder fließen müssen. Es wird bereits an therapeutischen Vakzinen geforscht, ebenso an Fünffach-Arznei-Kombinationen, um das HI-Virus zu beherrschen.

Man versucht auch, patienteneigene T-Zellen gentechnisch derart zu verändern, dass es für das Virus unmöglich ist, sich in ihnen weiter zu vermehren. Am Beispiel von Hepatitis C ist zu erkennen, dass eine chronische Virusinfektion prinzipiell heilbar ist. Bis zu 80% betragen hier die Heilungsraten.

Leider muss einer möglichen Euphorie von Erfolgsmeldungen gegen HIV entschieden entgegengewirkt werden. Auch müssen die Studienergebnisse nüchtern betrachtet und auf ihren Wert für die Öffentlichkeit hin überprüft werden.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 01.08.2011 - 00:02 Uhr
Kategorie: Medikamententester News

 

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