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Novartis-Impfstoff gegen Grippe könnte nicht in Ordnung sein


In Deutschland werden Millionen Dosen des Grippeimpfstoffes Begripal (4 Chargen) und Fluad (1 Charge) vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zurückgenommen. Bei ihnen wird eine Verunreinigung vermutet.

Experten, Apotheker und Ärzte erwarten in diesem Winter eine schwere Grippewelle. Durch den Ausfall der vermutlich verunreinigten Chargen könnte der Impfstoff knapp werden. Aber die Experten beruhigen, in Deutschland werde der Impfnotstand nicht eintreten. Weil in den Mitteln Ausflockungen aufgetreten sind, wurde bereits von den Behörden in der Schweiz, Italien und Österreich der Verkauf der Novartis-Grippepräparate gestoppt. Es sind zwar noch keine unerwünschten Nebenwirkungen gemeldet worden, aber das römische Gesundheitsministerium spricht von möglichen gesundheitsgefährdenden Auswirkungen.

PEI berichtet, dass in Deutschland derartige Ausflockungen noch nicht bemerkt worden seien. Dennoch würden die benannten Chargen als „Maßnahme der Risikovorsorge“ zurückgerufen, um Patienten vor etwaigen Nebenwirkungen zu schützen.

Wegen eines geänderten Bestellverfahrens für Grippeimpfstoff herrschte schon seit einiger Zeit in verschiedenen Bundesländern ein Engpass, der Impfstoff war nicht ausreichend vorhanden, in Bayern und Hamburg fehlte er völlig. Nun wird die Situation für diese Impfstoffe noch verschärft. In dem Schweizer Unternehmen Novartis lief bei der Herstellung offenbar etwas schief, denn mit der Auslieferung haperte es. Um sicherzustellen, dass die Mediziner an den günstigsten Impfstoff herankommen, wurden zum ersten Mal von den Krankenkassen Rabattverträge für ausgewählte Grippeimpfstoffe abgeschlossen.

Inzwischen ist eine Entspannung in Schleswig-Holstein, Bayern und Hamburg eingetreten, aber trotzdem sind Grippe-Impfstoffe noch nicht ausreichend vorhanden, wie Hamburger und Schleswig-Holsteiner Apotheker berichten. Die von Novartis zugesagten Impfmittel sind nicht vollständig ausgeliefert worden, Ersatzimpfstoffe von weiteren Pharmafirmen konnten nicht ausreichend erworben werden.

Die Ursache für die Mangelerscheinung liegt an den Rabattverträgen. Viele Hersteller produzierten weniger Serum, da die betreffenden Regionen von ihnen aus der Kalkulation herausgenommen wurden, so Carsten Wohlfeil,  Geschäftsführer der Apothekerkammer im Saarland. „Daher reicht in diesem Jahr der Impfstoff nicht aus.“ Die Einstellung wurde von PEI bestätigt. Dem PEI wurde dieses Jahr auch weniger Impfchargen von den Herstellern zur Zulassung gemeldet, so eine Sprecherin.

In einer Umfrage der Saarländer Apothekerkammer stellte sich heraus, dass bei den dortigen Großhändlern kein Impfstoff mehr vorhanden ist. Aber bundesweit gibt es offenbar noch Grippe-Impfstoff. Pharmagroßhändler Anzag könne noch alle Anfragen beliefern, so ein Sprecher.

Im Saarland hofft die Kassenärztliche Vereinigung auf eine Impfstoff-Lieferung im Dezember. Allerdings müssten sich diese Chargen bereits in der Produktion befinden. Laut PEI dauert ihre Herstellung ca. drei Monate. Es sei unmöglich, eilig  Impfstoff zu produzieren, wenn ein Engpass eintreten sollte, sagt Wolfgang Becker-Brüser. Er ist der Herausgeber des kritischen Arznei-Telegramms. „Erst im kommenden Jahr könnte man über diese Impfstoffe verfügen.“ Das wäre für eine Schutzimpfung viel zu spät, da meist zu Beginn des Jahres die Influenza ihren Höhepunkt erreicht.

Die Impfstoffknappheit klingt deshalb so bedrohlich, weil angeblich in diesem Jahr eine schwere Grippewelle zu erwarten sei. Peter Wutzler, Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten, gab eine Warnung heraus. So seien auf der südlichen Halbkugel besonders viele Menschen an der Influenza gestorben. Dies halten wiederum andere Experten für reine Panikmache.

Becker-Brüser bemerkt kritisch, dass reflexartig jedes Jahr vor einer heftigen Grippewelle gewarnt werde. Man könne aber nicht vorhersagen, wie sehr sich die Influenza tatsächlich ausbreiten wird. Wie die Grippewelle zurzeit auf der Südhalbkugel verläuft, ist nur ein Anhaltspunkt. Weiter sagt der Arzt und auch Apotheker, dass sich das Virus auf der Strecke bis nach Europa auch verändern könne. Ebenfalls äußert eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts (RKI), dass eine Vorhersage über Verlauf und Schwere der nächsten Grippesaison nicht möglich sei, aber für bestimmte Gruppen von Menschen ist davon unabhängig das Erkrankungsrisiko erhöht.

In erster Linie wird von der am RKI angesiedelten Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen, Menschen im Alter von über 60 Jahren, chronisch Erkrankte, Schwangere sowie medizinisches Personal gegen die Influenza zu impfen. Damit der Körper vor Beginn der Influenzawelle rechtzeitig einen Schutz aufbauen kann, wird empfohlen, die Impfung im Oktober/November vorzunehmen. Die Grippesaison startet erfahrungsgemäß frühestens im Dezember. Der Schutz baut sich etwa nach 14 Tagen nach der Impfung auf, daher reicht auch die Impfung im November noch aus.

Nach wie vor ist die Impfung umstritten, denn einen vollständigen Schutz kann sie nicht bieten. Becker-Brüser bemerkt, „Es sei auch nicht geklärt, ob sie wirklich für bestimmte Risikogruppen von Nutzen ist.“ Auch sei bekannt, dass das Immunsystem älterer Menschen auf die Impfung schlechter reagiert. Aber besonders dieser Gruppe wird von der STIKO eine Impfung empfohlen.

Peter Walger, Infektiologe, empfielt allen Impfwilligen trotz der teilweisen Rücknahme von Fluad- und Begripal-Chargen, andere Produkte in Anspruch zu nehmen. Gegen die Grippe für Winter 2012/13 sind in Deutschland 16 Impfstoffe zur Auswahl zugelassen. Walger bemerkt: „ Extrem gut verträglich sind alle klassischen Impfstoffe.“


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 20.11.2012 - 19:23 Uhr
Kategorie: Medikamententester News