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Organspende für Transplantationen könnte verbessert werden


Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten werden in Deutschland weniger Organe gespendet. Ein Grund dafür könnte eine Fehlplanung sein, die Transplantationen verhindert. Ein weiterer Grund ist mangelnde Organisation, die eine Operation unmöglich macht. Es ließen sich in Deutschland durch eine verbesserte Koordination die Anzahl der Transplantationen erhöhen. Aber viele Deutsche wollen sich nicht einmal nach ihrem Tod von ihren Organen trennen.

Diesen Eindruck gewinnt, wer die internationalen Statistiken zur Organspendenbereitschaft einsieht. Hier liegt Deutschland im hinteren Mittelfeld, 2008 wurden nur 14,6 Transplantationen auf eine Million Einwohner gezählt. An erster Stelle steht Spanien mit 34,2 Transplantationen pro Million Einwohner. Der Unterschied muss Gründe haben und könnte an den verschiedenen gesetzlichen Regelungen zur Organentnahme in den einzelnen Ländern liegen. In Deutschland besteht die erweiterte Zustimmungsregelung; noch zu Lebzeiten muss der Betroffene seine Zustimmung zu einer Organentnahme geben, nach seinem Tod die Angehörigen.

Wer sich dagegen in Spanien zu Lebzeiten nicht ausdrücklich gegen eine Transplantation entscheidet und widerspricht, dessen Organe sind verfügbar. Die Widerspruchsregelung gilt für folgende europäische Länder: Belgien, Italien, Norwegen, Österreich, Finnland, Portugal. Überall war die Anzahl der Transplantationen höher als bei uns in Deutschland. Auch in Schweden und Frankreich sind solche Operationen zahlreicher, hier gilt eine sogenannte Informationsregelung. Das heißt, wenn kein Widerspruch vorliegt, kann der Gesetzgeber von einer Organspendenbereitschaft ausgehen. Allerdings werden die Angehörigen zur Absprache gebeten. Außer Deutschland berufen sich die Länder Dänemark, die Niederlande und Griechenland auf die erweiterte Zustimmungsregel.

Bei ihnen ist die Zahl der Transplantationen noch niedriger als bei uns. Die gesetzliche Zustimmungsregelung ist offenbar hinderlich und erschwerend für Transplantationen. Die Bundesärztekammer schreibt anlässlich des 113. Deutschen Ärztetages im Mai in einem Entschließungsantrag, dass diese Regelung dazu führe, dass nur ein geringer Teil der willigen Organspender auch wirklich Spender würden. Für eine „Optimierung der Organspende“ ist es erforderlich, dass auch in Deutschland die Widerspruchsregelung gesetzlich eingeführt werde. Wenn diese Rechnung aufgehe, könnten sehr viel mehr Menschleben gerettet werden. Zurzeit warten in Deutschland 12 000 Kranke auf eine Transplantation und 1000 sterben jährlich von ihnen, weil das für sie passende lebensrettende Organ nicht vorhanden ist.

Marita Völker-Albert /Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Köln (BZgA) äußerte, wenn allen geholfen werden sollte, die auf eine Transplantation warten, müsste die Bereitschaft zur Organspende rein rechnerisch von jedem Deutschen vorliegen. Nur so könnte man das auch Organ finden, welches tatsächlich infrage kommt. Grundvoraussetzung für eine Transplantation ist neben funktionierenden, gesunden Organen die Feststellung des Hirntodes des Patienten durch den Arzt. Das ist selten, die Zahl liegt bei etwa 4000 Personen in Deutschland und davon sind etwa nur ein Drittel Organspender. Aber jeder von ihnen spendete drei bis vier Organe, das zeigte die Erfahrung. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) koordinierte 2009 bundesweit 3897 Transplantationen, die von 1217 Spendern kamen.

So könnten theoretisch 4000 Spender 12 000 kranken Menschen helfen. Das wären alle auf der Warteliste, sagt Völker-Albert. Aber in der Praxis sieht es anders aus, denn Organe können nur dann verwendet werden, wenn vom Spender und Empfänger Blutgruppe und Gewebemerkmale übereinstimmen. Dafür ist es günstig, wenn sich mehrere Länder zusammenschließen. In Europa gibt es dafür die Vermittlungsstelle Eurotransplant, der die Länder Deutschland, Kroatien, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Slowenien und Österreich angehören. Auch über dieses Netzwerk hinaus werden Organe vermittelt. In einer vom EU-Parlament am 19.Mai herausgegebenen EU-Richtlinie werden die Sicherheits- und Qualitätsstandards garantiert. So soll verhindert werden, dass keine Viren wie HIV, Krebszellen oder Hepatitis übertragen werden und der Handel mit Organen wird ausgeschlossen.

Gegenwärtig besteht zwischen den Ländern kein Gleichgewicht in Sachen Organspende. Von einigen EU-Mitgliedern werden viel öfter Organe vermittelt als von anderen. Abhilfe schaffen soll ein zusätzlicher unverbindlicher Aktionsplan. Er soll helfen, die Zahl der Spenden in Ländern wir Deutschland zu erhöhen und die Widerspruchsregelung zu umgehen. Jedes Krankenhaus sollte Transplantationskoordinatoren einsetzen, also erfahrenes medizinisches Personal mit entsprechender Qualifikation. Diese Mitarbeiter sollten die Organisation und Koordination der Verpflanzung übernehmen.

Gut funktioniert dieses Modell in den Ländern mit gehäuften Transplantationen wie in Belgien, Frankreich, Spanien und Italien. In Deutschland fehlt eine einheitliche Regelung. Spezielle Koordinatoren sind nicht in jedem Krankenhaus vorhanden. Meistens nehmen die Ärzte erst nach der Feststellung des Hirntodes eines Patienten Kontakt mit der DSO auf. Die Bundesärztekammer kritisiert am 113. Deutschen Ärztetag, dass nicht alle Organspender, die aus medizinischer Sicht in Betracht kommen, auch wirklich an die zuständige Stelle gemeldet werden. Da Ärzte im Klinikalltag voll ausgelastet sind, ist es für sie schwer zu schaffen, auch noch die DSO zu informieren, fasst der Medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste zusammen.

Obwohl bei Patienten, bei denen der Hirntod dokumentiert wurde und deren Spendenbereitschaft im Spenderausweis vermerkt war, musste eine Transplantation an schlechter Organisation scheitern. Um die Zahl der Organspenden zu erhöhen, hält Kirste eine klare Struktur für nötig. Für sinnlos erklärt er dagegen die Einführung der Widerspruchsregelung. Obwohl die Zustimmungsregelung bundesweit Gültigkeit besitzt, werden dennoch in einigen Bundesländern bedeutend mehr Organe verpflanzt als in anderen. Der Grund ist einfach in einer besseren Organisation zu finden und nicht in verschiedenen Regelungen der Gesetze.

Hierzu wurden die Erfahrungen anderer Länder ausgewertet. Zum Beispiel haben sich in Schweden die Transplantationszahlen nicht verändert, nachdem sie von der Zustimmungs- zur Widerspruchsregelung gewechselt hatten. Die Bereitschaft, Organe zu spenden, kann auch ein Gesetz nicht beeinflussen, stellt der Professor für Chirurgie fest. Zumal es sich hier um eine sehr persönliche Entscheidung handelt. Auch für Gegner der Organspende ist ein Ausweis wichtig. Denn es ist keinesfalls so, dass die erweiterte Zustimmungsregel Menschen ohne Spenderausweis als Spender ausschließen. Sollte der Betroffene keine Entscheidung zu Lebzeiten getroffen und dokumentiert haben, müssen in der Regel die Angehörigen darüber bestimmen. Ihre Entscheidung würde ihnen leichter fallen, wenn sie um die Einstellung des Verstorbenen bescheid wissen.

Deshalb ist es sehr wichtig, über dieses Thema rechtzeitig nachzudenken, zu sprechen und einen Organspenderausweis einzurichten. Darin kann auch dokumentiert werden, wenn man mit einer Organentnahme nicht einverstanden ist. Auch kann in dem Ausweis festgehalten werden, ob man nicht einverstanden ist mit Transplantationen, wie dem Herzen oder der Augenhornhaut. Erleidet ein Deutscher einen Hirntod in Österreich und besitzt keinen Organspenderausweis, wird von den dortigen Ärzten automatisch seine Spendenbereitschaft vorausgesetzt. Allerdings werden auch hier die Angehörigen benachrichtigt. Die gesetzliche Regelung zur Organspende gilt in jedem europäischen Land auch für ausländische Bürger. Das ist für Organspendengegner wichtig zu wissen und ein weiteres Argument sich damit zu befassen, ehe es andere tun.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 09.07.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News