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Oxytocin – ein Kuschelhormon (Liquid Trust)


Washington. – Oxytocin wird auch als Kuschelhormon bezeichnet. Es festigt zwar zwischenmenschliche Bindungen, hat aber auch eine dunkle Seite. In den letzten Jahren hat es große Erfolge gehabt. In vielen Studien konnten Wissenschaftler nachweisen, dass für verschiedene sehr erfreuliche Dinge das Peptidhormon verantwortlich ist. Zum Beispiel wird bei einem Geburtsprozeß – sowohl beim Menschen als auch bei Tieren, wie Schafen und Nagetieren – viel von dem Peptidhormon ausgeschüttet. Dadurch wird die Bindung zwischen Mutter und Kind gefestigt.

Nehmen Mensch oder Tier das Hormon ein, kann sich das Verhältnis zwischen den Geschlechtspartnern positiv verändern. Therapeuten aus Australien haben es schon zur Paartherapie eingesetzt. Unter dem Namen „Liquid Trust“ kann man Oxytocin im Internet kaufen. Der Psychologe Carsten De Dreu von der Universität Amsterdam hat jedoch in einem Experiment herausgefunden, dass Oxytocin nicht nur gute sondern auch dunkle Seiten hat. De Dreu hat seine Studie in der US-Wissenschaftszeitschrift „Science“ (Bd.328, S. 1408) veröffentlicht. Er stellt fest, dass das Kuschelhormon in Wahrheit ein „zweischneidiges Schwert“ sei.

In seiner Studie, die er gemeinsam mit Kollegen durchführte, sollten männliche Testpersonen (Studenten) eine Episode aus dem Gefangenenmilieu darstellen. Eine halbe Stunde vor Testbeginn wurden den Probanden Oxytocin in Form von Nasenspray oder aber ein Plazebo verabreicht, sie erhielten zehn Euro und sollten nun in einer Dreiergruppe das Geld verteilen und zwar auf die eigene und eine weitere, deren Mitglieder ebenso informiert wurden. Nun geschah folgendes: Diejenigen Testpersonen, die das Oxytocin erhielten, zeigten sich sehr großzügig der eigenen wie auch der fremden Dreiergruppe gegenüber. Für sich selbst behielten sie weniger Geld.

In einem weiteren Experiment wurden die Bedingungen für die Testpersonen etwas komplizierter und das Ergebnis überrascht: denn den Testpersonen wurde mitgeteilt, wenn die andere Gruppe nicht kooperiert, würde die eigene Dreiergruppe nicht unerhebliche finanzielle Verluste erleiden. Die Oxytocin-Probanden reagierten plötzlich sehr viel zurückhaltender. Sie sparten ihr eigenes Geld auf, nahmen aber das Geld der anderen Gruppe. Sie waren weniger wohlwollend als die Plazebo-Probanden. Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass Oxytocin nicht nur bei sozialen Bindungen sehr hilfreich ist. Es kann auch dann zur Anwendung kommen, wenn es nötig sein sollte, die eigene Gruppe entweder in einem Spiel oder sogar in einem Krieg zu verteidigen.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 17.06.2010 - 00:00 Uhr
Kategorie: Medikamententester News