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Per iPhone die Stimmung messen?


Forscher aus den USA haben  eine neue Studie durchgeführt, wie man mit Hilfe von iPhone die Stimmung eines Menschen messen kann. Es ist eine neue Methode  - aber das Ergebnis vage. Harvard-Forscher sind der Meinung, wer nicht in der Gegenwart lebt – im Hier und Jetzt – sei unglücklicher. Die Probanden, die an der Studie teilnahmen, wurden per Smartphone befragt.

Das Glück sei im Augenblick zu finden, lehren viele Religionen und Philosophien. Im Laufe seiner Evolution hat der Mensch jedoch die Fähigkeit erworben – ganz im Gegensatz zu den Tieren – seine Gedanken kreisen zu lassen. Er denkt über Sachen nach, die sich nicht im Hier und Jetzt zutragen, zum Beispiel darüber, was gestern war und morgen sein könnte.

Dem Phänomen der umherwandernden Gedanken sind Psychologen der Harvard-Universität nachgegangen. Die Ergebnisse ihrer Studie sind im Wissenschaftsmagazin „Science“ nachzulesen. Man erfährt, dass die Menschen, deren Gedanken abschweifen, unglücklicher sind.

Ihre Studie führten die Psychologen mit der iPhone-App „Track your happiness“ durch. „Wie fühlst du dich gerade?“

Die Psychologen Matthew Killingworth und Daniel Gilbert befragten 2250 Testpersonen auf die ungewöhnliche Weise per iPhone-Anwendung. Von ihnen sind drei Viertel US-Bürger und 60% männlich. Das Durchschnittsalter liegt bei 34 Jahren.

Gilbert und Killingworth meinen, dass Gefühle unter realen Bedingungen untersucht, glaubwürdigere Ergebnisse liefern. Solch eine Situation liegt vor bei Menschen während ihrer täglichen Verrichtungen. Da derartige Experimente zu teuer und aufwendig sind, sind solche Studien selten oder nur mit wenigen Probanden durchgeführt worden. Das Problem wollten die Harvard-Forscher mit den iPhone-App umgehen.

Zuerst wurden die Probanden gefragt, wie sie sich im Moment fühlen. Über einen Schieberegler konnten die Probanden über ihre Stimmung Antwort geben. Die Skala reichte von „sehr schlecht“ (0) bis „sehr gut“ (100). In der  nächsten Frage sollten die Probanden beantworten, was sie im Moment tun: Hier waren 22 Aktivitäten vorgegeben. Zum Beispiel „fernsehen“, „lesen“, „arbeiten“, „Musik hören“ und andere. Nun wollten die Forscher mit der dritten Frage umherirrende Gedanken der Probanden einfangen. Sie wurden gefragt, ob sie während ihrer jetzigen Tätigkeit an etwas anderes denken, was also mit ihrer Tätigkeit nichts zu tun hat. Während  46,9 % ihres Wachseins, also knapp der Hälfte, ließen die Probanden ihre Gedanken umherschweifen.

Selbst wenn die Probanden einer bestimmten Aktivität nachgingen, war ein Drittel von ihnen mit ihren Gedanken nicht ganz bei der Sache – aber Sex war die Ausnahme. Diejenigen Probanden, die am häufigsten zerstreut und abgelenkt waren, fühlten sich meistens auch am unglücklichsten.

Die Forscher Killingworth und Gilbert stellen fest, dass unter der Fähigkeit, während einer bestimmten Tätigkeit die Gedanken abschweifen zu lassen, die Gefühle leiden. Die Laune der Probanden sank während des Experiments, wenn ihre Gedanken wanderten. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie an etwas Schönes, Schlechtes oder an etwas Neutrales dachten.

„Science“, das Wissenschaftsmagazin, führte ein Gespräch mit einem der beiden Autoren, mit Matthew Killingsworth.

Es ist fraglich, wie repräsentativ eine derartige Studie per iPhone sein kann. Wer letzten Endes die Daten wirklich übermittelt, ist den Forschern nicht bekannt. Es braucht für eine Anmeldung nicht viel mehr, als ein iPhone und eine E-Mail-Adresse. Die Wissenschaftler können sich in diesem Fall nur auf die Aufrichtigkeit des teilnehmenden Probanden verlassen. Und ein repräsentativer Querschnitt der Gesellschaft sind sie auch nicht. Unklar bleibt auch, wie von den  einzelnen Probanden das „Glücklichsein“ definiert wird. Lässt sich der Begriff in einer  Skala von 0 bis 100 überhaupt definieren?

 Trotzdem ist das Ergebnis dieser Psychologie-Studie beachtlich. Es ist zwar nicht repräsentativ, aber ohne großen Aufwand kamen enorme Mengen an Daten zusammen. Längst werden sie schon von Marktforschern genutzt.

Für die Wissenschaft sind diese mobilen Geräte von größter Bedeutung. Forscher erstellen schon heute Bewegungsprofile mit Hilfe von  Mobilfunkdaten. Sie können so zum Beispiel die Entstehung von Staus oder die Verbreitung von Seuchen simulieren.

 


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 17.11.2010 - 21:01 Uhr
Kategorie: Medikamententester News