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Preise bei Generika – Medikamente sorgen für Streit


Nachdem der Arzneiverordnungsreport (AVR) veröffentlicht wurde, kam Kritik von der Pharmalobby. Der Verband „Pro Generika“ wehrt sich dagegen, da auch die Preise von Generika zur Sprache kamen - und scheint nicht rechnen zu können. Keiner kann genau sagen, ob man nun 5 Cent, 20 Cent oder gar 21 Euro beim Medikamentenkauf einsparen könnte. Das wird von dem in Deutschland jährlich erscheinenden Arzneiverordnungsreport (AVR) vorgerechnet.

In diesem Jahr ist im Bericht ein direkter Vergleich zwischen den Ländern Deutschland und Schweden enthalten. Die Verkaufspreise der Apotheken beider Länder werden verglichen und ein erschütterndes Ergebnis tut sich auf: In Deutschland sind die 50 wichtigsten patentgeschützten Medikamente 48 % teurer, die 50 am meisten verkauften Generika sogar 98 %. Generika sind Medikamente, die einen Wirkstoff enthalten, der nicht mehr patentiert ist. Sie sind im Preis deutlich günstiger als Patentmedikamente.

Der Verband „Pro Generika“ vertritt - nach eigenen Angaben – die Interessen von 17 Firmen, welche Generika entwickeln, herstellen und verkaufen. Der Protest ist Ehrensache, aber vorher hätte man besser noch einmal die eigenen Zahlen überprüfen sollen. Kurz nachdem der Report auf der Pressekonferenz vorgestellt worden war, wirft „Pro Generika“ per Pressemitteilung den Autoren vor, die Rechnung sei völlig unrealistisch. Als Beweis wird von den Lobbyisten vorgerechnet: dem Report zufolge würden die gesetzlichen Kassen 4,1 Milliarden Euro jährlich für sämtliche Generika zahlen.

Im Vergleich zu Schweden müsse man von diesen 98 % abziehen. Für den jährlichen Einsatz blieben dann nur noch 82 Millionen Euro für Generika. Der Verband steuert nun eigenmächtig eine Zahl bei: Pro Jahr wandern 424 Millionen Medikamentenpackungen über die Tresen der Apotheken. Somit würde in der Apotheke eine Packung im Schnitt weniger als 5 Cent kosten, wirft „Pro Generika“ vor. Der Unmut wäre angesichts dieses Preises zu verstehen. Aber bei „Pro Generika“ scheint die Aufregung für völlig durcheinander geratene Zahlen gesorgt zu haben. Mehrere große Fehler sieht man schon auf dem ersten Blick.

Die Rechnung sieht tatsächlich so aus: In Deutschland könnten laut Report jedes Jahr 13,1 Milliarden Euro mit nicht mehr patentgeschützten, also generikafähigen Wirkstoffen umgesetzt werden. Die Summe von 4,1 Milliarden Euro ist schlicht falsch. Hinzu kommt, wenn das günstigste deutsche Generikum zum schwedischen Preis eingesetzt würde, käme Deutschland auf eine Ersparnis von 4,1 Milliarden Euro jährlich. Der Jahresumsatz würde somit einen Gewinn von 9 Milliarden Euro erbringen und nicht nur 82 Millionen.

Außerdem können die deutschen Arzneimittel um 98 % teurer als die schwedischen sein ohne dass deren Produkte nur 2% des deutschen Preises kosten – das sei nur nebenbei erwähnt. Um die Rechnung von „Pro Generika“ zu Ende zu bringen, ist noch folgendes zu bedenken: Wenn man die 9 Milliarden Euro Umsatz und die 424 Millionen Medikamente, die pro Jahr verkauft werden, nimmt, ergibt das einen Preis pro Packung von durchschnittlich ca. 21 Euro, also keine 5 Cent. Wie „Pro Generika“ auf diese Zahl gekommen ist, bleibt wohl ihr Geheimnis. Denn teilt man die 82 Millionen Euro durch die 424 Millionen verkauften Packungen, kommt man nicht auf dieses Ergebnis.

Zum Schluss bleibt nur noch eine bissige Bemerkung: „Auch für dieses Jahr hat der AVR wieder einmal bewiesen, dass von ihm eine seriöse Beurteilung des Arzneimittelmarktes nicht zu erwarten ist und nicht genutzt werden kann.“ Das schreibt nach der danebengegangenen Rechnung „Pro Generika“ in einer Meldung, die in der Presse veröffentlicht wurde. Von den Kollegen der AFP wird nur der Text mit „völlig unseriösen Berechnungen“ übernommen.

Bei „Pro Generika“ war niemand bereit zu einer Stellungnahme zur Pressemitteilung.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 21.09.2010 - 22:34 Uhr
Kategorie: Medikamententester News