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Pubertät bei Mädchen-Negative Wirkung des Kunststoff Polycarbonat Bisphenol A


Seit Jahren wird beobachtet, dass Mädchen immer eher die Pubertätsjahre erreichen und damit geschlechtsreif werden. Vor hundert Jahren trat die Pubertät etwa sechs Jahre später ein als heute. In einer Studie zu diesem Thema geriet ein viel verwendeter Kunststoff in den Verdacht, der auch Krebs auslösend sein soll. Jedoch zweifelt ein Experte an dieser Studie. Heute erreicht die überwiegende Zahl an Mädchen bereits noch im Grundschulalter die Pubertät.

In der Kopenhagener Universitäts-Klinik wurde eine Studie mit 1000 Mädchen durchgeführt. Hier wurde festgestellt, dass heute das Brustwachstum der Mädchen ein Jahr eher beginnt als vor 15 Jahren. Das Durchschnittsalter liege heute bei 9 Jahren und zehn Monaten. Damit wird ein langwährender Trend bestätigt, dass die Mädchen heute sechs Jahre eher die Pubertät erleben als vor 100 Jahren. Das Durchschnittsalter lag Ende des 19.Jahrhunderts bei 15 Jahren. Die Wissenschaftler der Kopenhagener Universitätsklinik warnen vor ernsthaften gesundheitlichen Risiken für Geist und Körper der Mädchen. So könne der erhöhte Ausschuss von Östrogen die Gefahr von Herzkrankheiten und Brustkrebs erhöhen. In ihrer Sonntagsausgabe der englischen Zeitung „Times“ wird Dr.Anders Juul von der Universität Kopenhagen zitiert: „Es hat uns sehr überrascht, dass es zu so einer Veränderung innerhalb von 15 Jahren kommen konnte.“

Dr. Juul ist Chef der Abteilung für Wachstum und Reproduktion dieser Universität. Juul erklärt weiter, dass neben den drohenden körperlichen Krankheiten auch die typischen psychischen Probleme der Teenager bei den eher pubertierenden Mädchen auftreten. Die Mädchen werden dadurch immer früher belastet. Die Studie zeige das klar auf. „Für Kinder sind diese Probleme noch viel schwerer zu lösen als für Jugendliche in der Pubertät, die es ohnehin nicht leicht verkraften“. Das fürchtet Richard Stonehope, Hormonstörungsexperte am Krankenhaus Great Ormond Street. Bei der Suche nach den Ursachen stehen Junk-Food, hoher Fleischkonsum, Umweltgifte und Bewegungsmangel im Verdacht. Dabei liegt der östrogenähnliche Stoff Bisphenol A im Fokus der Betrachtung. Dieser wird als Grundstoff zur Herstellung des Kunststoffes Polycarbonat verwendet.

Unter anderem kommt er in Babyflaschen und Getränkedosen vor. Laut BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) wird Bisphenol A verdächtigt, Schädigungen der Gehirnentwicklung, Unfruchtbarkeit und Brustkrebs auslösen zu können. Der BUND schreibt auf seiner Homepage, dass im menschlichen Blut der mittlere Gehalt an Bisphenol A mittlerweile höher ist als im Vergleich zur Konzentration bei Mäusen, die bei ihnen zur Beeinträchtigung ihrer Sexualentwicklung führen kann. In bereits winzigen Mengen kann der hormonelle Schadstoff Bisphenol A in unseren Hormonhaushalt eingreifen. Bei den 1000 Mädchen, die zurzeit von Juul und seinem Team untersucht werden, überprüfen die Wissenschaftler die Blut- und Urinproben, um zu beweisen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen früherer Pubertät und dem chemischen Stoff besteht. Aber genau das ist noch nicht bewiesen.

Professor Meinert Breckwoldt, ehemaliger Direktor der Universitätsfrauenklinik Freiburg kritisiert, dass die Aussagen alles nur Annahmen und keine Kausalitäten sind. Außerdem würden vernünftige Studien fehlen. Allerdings bezweifelt Breckwoldt nicht, dass die Mädchen immer früher in die Pubertät kommen. Seit Jahren sei dieser Trend schon zu beobachten. Er vermutet, dass es viele Gründe dafür gibt. Zum Beispiel könnten es die veränderten Ernährungsgewohnheiten sein oder die allgemein besseren Lebensbedingungen. Man solle sich vorstellen, wie im Mittelalter die Kinder aufgewachsen seien. Da ist es doch klar, dass vom Körper die frühe Geschlechtsreife unterdrückt wird.

Es gab damals nicht genug Energie dafür. Experimente mit Ratten hätten das bewiesen. Breckwoldt hält es für möglich, dass zu geringen Teilen durch Bisphenol A eine frühere Pubertät mit ausgelöst werden könne. Aber es fehlt der Beweis. Dass Bisphenol A gravierende Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit habe, bezweifelt er. Er bezeichnet es als dummes Zeug und er könne es nicht mehr hören, was heute alles Krebs auslösen soll. Auch sei eine frühe Pubertät doch gar kein Problem, die Medizin sei heute in der Lage, diese problemlos beliebig lange hinauszuzögern. Bei jungen russischen Olympia-Sportlerinnen sei dieses Verfahren schon erfolgreich angewendet worden. Bei gewissenhafter Anwendung bestünden keine Risiken.


Von: Stefan Lübker / Probanden-Online.de
Veröffentlicht am: 26.06.2010 - 11:03 Uhr
Kategorie: Medikamententester News